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„Man muss sich durch den Stau kämpfen“

Interview mit Rettungskraft „Man muss sich durch den Stau kämpfen“

Oliver Fricke ist 25 Jahre lang mit dem Rettungswagen in Hannover und der Region im Einsatz gewesen. im Interview spricht er über seine Erfahrungen als Lebensretter.

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Oliver Fricke.

Quelle: Schaarschmidt

Herr Fricke, warum kommt es in Stau­situationen immer wieder zu Problemen mit Rettungsgassen?
Das liegt an der Unvernunft der Verkehrsteilnehmer. Viele fahren nach dem Motto „Ich bin allein auf den Straßen unterwegs“. Im Endeffekt ist es ein Desinteresse: Die Leute wollen schnell von A nach B kommen. Dabei es ist eigentlich ganz einfach, eine Gasse zu bilden. Jeder hat es in der Fahrschule gelernt.

Zur Person

Oliver Fricke (45) ist 25 Jahre lang mit dem Rettungswagen in Hannover und der Region im Einsatz gewesen. Begonnen hat der Familienvater als ehrenamtlicher Helfer, später wurde das Amt zu seinem Hauptberuf. 1993 kam er zu den Johannitern, wo er heute als Fuhrparkkoordinator beschäftigt ist.  iro

Wie häufig haben Sie bei Einsätzen Probleme mit dem Durchkommen?
Erst am Freitag war ein Kollege vor Ort, als ein Wohnwagen auf der A 2 einen Unfall hatte. In der Auffahrt Langenhagen Richtung Berlin standen plötzlich zwei Lkws nebeneinander. Der Kollege musste aussteigen und ans Fenster klopfen, um zu sagen, dass der Rettungswagen da durch muss. Das ist Alltag. Vor allem, wenn man als erstes Fahrzeug zum Unfallort unterwegs ist, muss man sich erst einmal durch den Stau hindurchkämpfen. Da gibt es nur sehr selten eine Rettungsgasse.

Wie viel Zeit kostet es die Rettungskräfte, wenn keine Rettungsgasse gebildet wird?
Das ist schwer zu sagen. Wenn ich im ersten Einsatzwagen sitze, dauert es schon länger. Vor allem, weil die Autos heute so stark isoliert sind, dass nur wenig Schall vom Martinshorn hindurchkommt. Oft ist die Musikanlage voll aufgedreht. Die Leute gucken in den Rückspiegel und erschrecken dann, weil plötzlich ein Rettungswagen direkt hinter ihnen steht. Das Bilden einer Rettungsgasse kostet Zeit. Eigentlich ist es schon zu spät, die Gasse erst bei Stau zu bilden. Schon wenn der Verkehr stockt, müssten Autofahrer reagieren: Ich bin auf der linken Spur, also fahre ich dichter an die linke Leitplanke heran. Ich bin auf der mittleren oder rechten Fahrspur, also orientiere ich mich zur rechten Seite.

Müssen Politik oder Organisationen rund um den Verkehr  mehr tun?
Regelmäßig gibt es Kampagnen, die Autofahrer sensibilisieren sollen, wie zum Beispiel das Banner „Staubildung: Rettungsgasse!“, das momentan an den Autobahnbrücken zu sehen ist. Die Politik sollte schauen, wie sie dem Problem vielleicht durch entsprechende Gesetze entgegenwirken kann.

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Würden härtere Strafen helfen?
Sicherlich würde es sensibilisieren. Denn ein Vielfahrer, der die ganze Woche auf der Autobahn ist und schnell zum nächsten Termin will, lässt sich von dem bisherigen 20-Euro-Bußgeld wahrscheinlich nicht abschrecken.

Innenminister Pistorius will Gaffer härter bestrafen und hat einen Gesetzesentwurf eingebracht. Ist das der richtige Weg?
Wer die Rettungskräfte behindert, muss bestraft werden. Denn man muss auch uns schützen, damit wir unsere Arbeit machen können.

Warum sind Gaffer so ein Problem?
Das Thema Gaffer hat vor allem durch die  Smartphones an Bedeutung gewonnen. Verkehrsteilnehmer fahren im Schritttempo an einem Unfall vorbei, um ein Video oder Foto zu machen und verschlimmern so die Staubildung. Und dann gibt es diejenigen, die an der Unfallstelle aussteigen und die Einsatzkräfte behindern, um ein Foto zu machen.

Interview: Isabell Rollenhagen

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