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„Das ist alles Trainingssache“

Interview auf Minigolfanlage „Das ist alles Trainingssache“

Werner Lindenberg arbeitet seit 2013 auf der Minigolfanlage In der Steintormasch. Der 62-Jährige Hartz-IV-Empfänger ist „Aufstocker“. Je nach Wetterlage und „nach Bedarf“, wie er sagt, ist er mehrmals pro Woche bei seinen Bahnen. Dort kann man wochentags ab 13 Uhr, am Wochenende ab 11 Uhr spielen.  Ein Besuch.

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„Früher war ich Fußballer“: Werner Lindenberg am Kassentresen der Minigolfanlage. Fotos: Schaarschmidt (2)

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Herr Lindenberg, was machen Sie da?
Ich ordne in meinem Kassenhäuschen die Minigolfschläger.

Ist der Schläger denn entscheidend?
Aber sicher. Wir haben sechs, sieben verschiedene - für kleine Kinder, für Jugendliche, für Erwachsene. Bei uns spielen manchmal sogar Dreijährige, die brauchen natürlich winzige Schläger. Grundsätzlich sind die Geschmäcker ganz verschieden. Manche Gäste benutzen lieber schwere Schläger, andere lieber leichte.

Was ist mit den Bällen?
Auf die kommt es vor allem an! Ältere Gäste wollen meist den klassischen weißen Ball haben, den sie von früher kennen. Dabei sind für Betonbahnen die leichteren violetten und pinkfarbenen Bälle eigentlich besser geeignet. Man muss die allerdings mit viel Gefühl spielen, damit die nicht aus der Bahn fliegen. Für Minigolf braucht man Feingefühl.

Was braucht es sonst noch?
Auf jeden Fall Konzentration und auch ein bisschen den Ehrgeiz, immer besser zu werden.

Wann ist man ein guter Spieler?
Wir haben hier eine 18-Bahnen-Anlage. Die Durchschnittsspieler brauchen 60 bis 80 Schläge pro Runde, bis der Ball überall eingelocht ist. Wir haben auch Stammspieler, die kommen mit 35, 40 Schlägen aus. Das ist alles Trainingssache.

Und wie sieht’s bei Ihnen aus?
Ich arbeite jetzt das vierte Jahr auf der Anlage, einmal habe ich es mit 29 Schlägen geschafft. Das ist mein absoluter Rekord. Aber ich bin ja nicht hier, um zu spielen, sondern um zu arbeiten. Also Schläger und Bälle herausgeben, Eintrittsgeld kassieren, Eis oder Getränke verkaufen und solche Sachen.

Müssen Sie auch mal eingreifen, wenn es Ärger unter den Spielern gibt?
Ganz, ganz selten. Ich habe immer ein Auge darauf, was an den Bahnen passiert. Manchmal muss ich einschreiten, wenn Kinder über die Hindernisse springen. Die Eltern sagen ja oft gar nichts, wenn ihre Kinder über die Bahnen hüpfen. Aber eigentlich läuft das hier ganz friedlich.

Wer kommt denn so zu Ihnen?
Viele Familien natürlich, aber auch Gruppen von Studenten, und heute hat sich eine Schulklasse angemeldet. Einer unserer Stammgäste ist eine Dame von mehr als 80 Jahren, die immer ihre eigenen Schläger mitbringt und richtig gut spielt.

Neben den Bahnen sind Metallständer, auf denen man einen Block ablegen kann. Notieren die jungen Besucher überhaupt noch die Punktzahl mit Kuli auf Zetteln?
Aber sicher. 99 Prozent der Gäste machen das so. Ein paar haben so eine App für die Punktzahl, aber das macht maximal ein Prozent unserer Besucher.

Minigolf ist ja eher Schönwettersport.Langeweilen Sie sich in Ihrem Kassenhäuschen nicht bei Regen?
Nee, ich langweile mich nie. Bei schlechtem Wetter telefoniere ich mit meinem Chef, ob wir die Anlage überhaupt öffnen. Bleibt sie zu, bleibe ich zu Hause in Bissendorf. Wenn das Wetter kurzfristig besser wird, kann man sich immer noch Schläger gegenüber im Café leihen, das auch mein Chef betreibt. Und wenn es mal richtig heiß wird, bleibt es tagsüber ruhig, dafür ist dann ab 18 Uhr richtig viel los.

Haben Sie eigentlich schon immer für Minigolf geschwärmt?
Nee, früher war ich Fußballer, erst bei Werder Hannover, dann in Bissendorf. Ich habe auf allen Positionen gespielt, als Junge auch mal eine Zeit lang im Tor. Als ich 27 war, musste ich wegen meines kaputten Rückens nach Clausthal-Zellerfeld zur Kur. Die haben damals vier Wochen bewilligt und dann sogar noch zwei Wochen Verlängerung. Dort habe ich mit Minigolf angefangen. Das war wie im Trainingslager. Und seitdem bin ich Minigolfer.

Interview: Martina Sulner

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