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Wie viele "Events" vertragen die Gärten, Herr Clark?

Herrenhäuser Gärten Wie viele "Events" vertragen die Gärten, Herr Clark?

Ronald Clark ist der Direktor der Herrenhäuser Gärten. Im Interview spricht er über das geplante neue Schauhaus, 
die Grenzen des Veranstaltungsmarathons und das Unverständnis eines Briten über den Brexit.

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Im Gespräch: Ronald Clark, Chef der Herrenhäuser Gärten.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Herr Clark, im Sommer entfalten die Herrenhäuser Gärten ihre ganze Pracht und werden zur Bühne für etliche Veranstaltungen. Wie viele Darbietungen kann das Gartendenkmal noch vertragen?

Es gibt noch Potenzial. Bei den Großveranstaltungen wie Kleines Fest und Feuerwerkswettbewerb haben wir aber die Grenze der Belastbarkeit für den Garten erreicht. Wir müssen eine Balance wahren zwischen Tagesbesuchern, die den Garten genießen wollen, und Veranstaltungsgästen. Bei den Vorbereitungen zu den Feuerwerkswettbewerben achten wir beispielsweise darauf, dass die Aufbauten möglichst kurzfristig vor der Veranstaltung beginnen.

Ihr Chef, Oberbürgermeister Stefan Schostok, hält das Programm für ausbaufähig und will mehr Angebote auf die Beine stellen. Haben Sie Bedenken?
Die Herrenhäuser Gärten werden keine „Eventlocation“. Dem Oberbürgermeister und mir geht es darum, dass wir mit neuen Formaten und kleineren Darbietungen mehr junges Publikum in die Gärten holen. Dabei soll die Poesie des Gartens aufgenommen werden. Ich denke an unsere Shakespeare-Wochen mit Poetry Slam im Gartentheater, Kino- und Theatervorführungen. Das ist passend für diesen einmaligen Ort.

Zusammen mit dem Oberbürgermeister machen Sie sich für den Bau eines neuen Schauhauses im Berggarten stark. Braucht Herrenhausen wirklich eine weitere Attraktion?
Im Winter ist ein Garten naturgemäß kein so großer Anziehungspunkt, daher haben wir uns gefragt, wie Herrenhausen in der dunklen Jahreszeit attraktiver werden kann. Wir wollen den Berggarten zur Winterattraktion ausbauen. Wie andere botanische Gärten werden wir in Neubauten investieren. Uns schwebt ein neues Schauhaus mit einer Fläche von 1000 Quadratmetern am Standort des alten Kanarenhauses vor.

Im Interview spricht Ronald Clark, Chef der Herrenhäuser Gärten, über die Zukunft der Gärten. So sieht es dort derzeit aus.

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Aber Sie verfügen doch bereits über mehrere Schauhäuser im Berggarten.
Das ist richtig, aber unsere bestehenden drei Schauhäuser eignen sich kaum für große Ausstellungen. Bisher müssen wir immer die bestehende Flora hinausräumen. Das ist sehr aufwendig.

Der Freundeskreis Herrenhäuser Gärten träumt seit Jahren von einem neuen Schauhaus, scheiterte bisher aber an der Finanzierung. Öffnet der Kämmerer jetzt die Stadtkasse?
Einen Teil der Kosten wird die Stadt übernehmen, einen anderen Teil wollen wir über Drittmittel aufbringen. Die Gesamtkosten schätze ich auf vier bis fünf Millionen Euro. Mit dem Denkmalschutz haben wir bereits gesprochen, im kommenden Jahr wollen wir einen Architektenwettbewerb ausloben. Mit bis zu neun Metern Höhe wird es ein markantes Gebäude im Berggarten sein. Haben wir nach dem Wettbewerb virtuelle Bilder vom neuen Schauhaus, lassen sich leichter Sponsoren gewinnen. Wenn alles glatt läuft, könnte das neue Schauhaus 2020 stehen.

Wird sich dann der Eintritt für die Herrenhäuser Gärten erhöhen?
Nein, das ist nicht geplant.

Was wird im neuen Schauhaus zu sehen sein?
Das Haus ist dreigeteilt. In einem Teil werden wir die Pflanzen aus dem Kanarenhaus zeigen, die dann sehr viel mehr Höhe haben. Das alte, abgängige und zu niedrige Kanarenhaus reißen wir ab. In einem weiteren Raum wollen wir wechselnde Ausstellungen präsentieren, etwa Orangen- und Zitronenbäume, die im Winter blühen und einen herrlichen Duft verbreiten. Der dritte Teil des Komplexes fällt niedriger aus. Dort können Besucher die tropische Riesen-Seerose Victoria regia bewundern. Sie wird im Winter jedoch nicht blühen, aber das Klima, das sie benötigt, ist auch für tropische Schmetterlinge geeignet. Schmetterlinge sind ein Besuchermagnet, vor allem für Familien.

Noch haben Sie mit ganz anderen Insekten zu kämpfen. Der streng geschützte Juchtenkäfer hat sich in den historischen Linden des Berggartens eingenistet. Die morschen Stämme können daher nicht gefällt werden. Jetzt müssen Sie jeden Baum einzeln abstützen, für insgesamt 350 000 Euro. Wie oft haben Sie den Käfer schon verflucht?
Am Anfang häufig, aber ich halte es mit Kurfürstin Sophie: Wenn wir nicht bekommen, was wir lieben, müssen wir lieben, was wir bekommen. Die Stützen sind ein guter Kompromiss zwischen Artenschutz und den Erfordernissen eines Gartendenkmals. Inzwischen ist der Rundweg durch den Berggarten wieder hergestellt.

Aber noch immer sind Teile der alten Lindenallee abgesperrt.
Bis Weihnachten sollen die restlichen Bäume abgestützt werden. Dann werden wir bis Ostern 2017 die zum Teil zugewucherten Wege in der Allee zwischen den Stämmen wieder herrichten.

Eine persönliche Frage zum Schluss: Sie sind britischer Staatsbürger. Machen Sie sich nach dem Brexit Sorgen um Ihre Aufenthaltsgenehmigung?
Meine Genehmigung ist unbefristet. Ich denke aber darüber nach, eine doppelte Staatsbürgerschaft zu beantragen, denn ich würde gern EU-Bürger bleiben. Schließlich bin ich überzeugter Europäer.

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