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Das sind die neuen Pläne für das Ihme-Zentrum

Investorenkonzept Das sind die neuen Pläne für das Ihme-Zentrum

Ob es diesmal etwas wird mit der Sanierung? Vertreter des Ihme-Zentrum-Großeigentümers haben am Donnerstag im Rathaus erste Bilder für den Neustart im maroden Gebäude gezeigt - und die Ratsmitglieder haben im Gegenzug einer Mietvertragsverlängerung zugestimmt. Allerdings weiterhin mit viel Skepsis.

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So könnte es aussehen: Das erste Motiv (Computersimulation, abfotografiert) von der Ecke Blumenauer Straße/Küchengartenplatz.

Quelle: Conrad von Meding

Hannover. Moderne Fassaden für das Ihme-Zentrum, eine Shoppingmall als Verbindung von Linden zur Ihme, ein zweiter Durchgang zur Flussquerung Richtung Calenberger Neustadt und viele Ideen für eine Begrünung und Wohnnutzungen - so haben Planerbüros am Donnerstag ihre Konzeption für eine millionenschwere Erneuerung des maroden Ihme-Zentrums am Rande Lindens präsentiert.

Vertreter des Ihme-Zentrum-Großeigentümers haben am Donnerstag im Rathaus erste Bilder für den Neustart im Ihmezentrum gezeigt.

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Wann das alles abgeschlossen sein soll, was es insgesamt kosten könnte und mit welcher Strategie man das Problem lösen will, dass eigentlich zunächst alle Eigentümer des riesigen Gebäudes zustimmen müssten - zu all diesen Fragen gab es bei der Präsentation im Rathaus keine schlüssigen Antworten. Die Zeit sei zu knapp gewesen, beteuerten Investorenvertreter. Der Eigentümer hat die Immobilie im Februar 2015 in einer Zwangsversteigerung übernommen, sich dann aber anderthalb Jahre lang kaum gekümmert und für die langfristige Entwicklung keinen Handschlag getan. Erst ein Ultimatum der Stadt hat die Planung angetrieben.

Kommunalpolitiker reagieren zurückhaltend

Entsprechend zurückhaltend fielen am Donnerstag die Reaktionen der Kommunalpolitiker in einer gemeinsamen Sondersitzung etlicher Gremien aus. Am Ende gab es aber doch eine sehr breite Mehrheit dafür, den städtischen Mietvertrag für Büros im Gebäude Ihmeplatz 5 bis Mitte 2020 zunächst zu verlängern und zugleich vom Investor zu fordern, bis Mitte 2017 bauantragsreife Pläne für erste Erneuerungen vorzulegen. Der Mietvertrag für diese Räume kostet die Stadt rund 1,8 Millionen Euro. Frank Herbert, Bürochef von Oberbürgermeister Stefan Schostok, betonte, dass es sich mit einem Quadratmeterpreis von 5,73 Euro um ein extrem günstiges Angebot handele.

Vertreter des Ihme-Zentrum-Großeigentümers haben am Donnerstag im Rathaus erste Bilder für den Neustart gezeigt.

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SPD-Fraktionschefin Christine Kastning lobte immerhin, dass mit der Öffnung des Gebäudes zum Stadtteil erstmals zentrale Forderungen von Bewohnern und Stadtteilakteuren aufgenommen worden sein. Der von den Planern skizzierte Neustart sei "eine Chance".

Für die CDU kritisierte Wirtschaftspolitiker Jens-Michael Emmelmann, dass es sich "mal wieder nur um eine Absichtserklärung" handele: "Uns fehlt die konkrete Zeitschiene". Die CDU setzte sich mit der Forderung durch, dass der Oberbürgermeister den Ratspolitikern künftig vierteljährlich detailliert Bericht über Fortschritte erstatten muss.

Grünen-Politiker Daniel Gardemin erinnerte daran, dass "bisherige Großeigentümer uns an der langen Nase durch die Manege gezogen haben". Er sagte: "Wir glauben nicht mehr an diese Großeigentümer". Trotzdem wolle man das Projekt nicht gefährden - auch die Grünen stimmten daher einer befristeten Mietvertragsverlängerung der Stadt zu. FDP-Ratsherr Patrick Döring sprach sich dafür aus, dass aktuelle Chance angesichts fehlender Alternativen genutzt werden sollte. "Man braucht nicht viel Phantasie, sich vorzustellen, wie es im Ihme-Zentrum weitergeht, wenn die Stadt tatsächlich zum 1. Januar 2018 auszieht und der Großeigentümer ohne Mieter dasteht." FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke lobte die "enorme Transparenz", mit der Investor und Stadt die Finanzen offenlegten.

Klappt es diesmal mit der Sanierung?

Linke und Vertreter der Partei Die Partei forderten gemeinsam, dass die Stadt die Bewohner in ihrer Klage gegen den Investor unterstützt, die ihn zur Wiederherstellung des alten Zustands im Ihme-Zentrum zwingen soll. Sie fanden dafür aber keine Mehrheit. Gebäudeverwalter Torsten Jaskulski sagte, dass diese öffentlich angekündigte Klage noch gar nicht eingegangen sei, und er wolle "im Lichte der neuen Entwicklungen" noch vor Jahresende eine Eigentümerversammlung einberufen, um zu beraten, ob man an der Klage festhalten wolle. Immerhin sei jetzt ja Bewegung in die Sanierungsplanung gekommen.

 

Thomas Ganskow von der Bürgerinitiative Linden/Ihme-Zentrum, zugleich Piraten-Politiker, sagte: "In der Vergangenheit hat es viele Konzepte und Bilder gegeben, von Herrn Engel und Carlyle und jetzt vom neuen Großeigentümer. Den Bewohnern aber fehlt der Glaube, dass diesmal aus Konzepten Wirklichkeit wird."

Die sehen vor, dass im erste Schritt die Fassaden zur Blumenauer Straße neu gestaltet werden. Entlang der Straße sollen kleine Geschäfte einziehen. Die Ecke zum Küchengartenplatz soll modern umgebaut werden, auch dort soll es unten Geschäfte, darüber Wohnungen geben. Derzeit wird mit dem Einzug von Edeka in diesem Bereich gerechnet.

Von der Gebäudeecke aus soll eine diagonale Shoppingmall quer durchs Gebäude zum Ihmeuferweg geführt werden, der derzeit neu gestaltet wird. Nach Angaben der Planer soll diese Mall zweigeschossig ins Gebäude gebrochen werden - ein statisch sehr aufwendiges Unterfangen, für das eine riesige Stahlbrücke eingezogen werden muss. Die am Donnerstag präsentierten Bilder sehen fröhlich konsumierende junge Menschen in diesem Bereich vor. "Partei"-Politiker Oliver Förste sagte dazu: "Diese Menschen sind alle jung, weiß und schön. Die Bewohner des Ihme-Zentrums sehen anders aus."

Neue Wege – und viel Grün

Die zweite Durchwegung soll etwa im Bereich der jetzigen Fahrradroute auf Höhe Gartenallee sein, künftig aber ohne Knick durch das Gebäude auf die Ida-Arenhold-Brücke zuführen. Sie soll für Radfahrer offen bleiben.

In der alten Einkaufspassage auf dem Sockelgeschoss wollen die Planer kleine Wohnungen schaffen, die sich an beiden Seiten an die Häuser schmiegen und auf viel öffentlich zugängliches Grün in der Mitte schauen. Überhaupt spielt Grün in der Architektenlyrik eine große Rolle. "Grün soll in die Inneren Bereiche des Centers einziehen", sagte Planer Jabra Soliman von RKW: "Es wird sozusagen die Talsohle eines Wohngebirges."

Quadratisch, unpraktisch, hässlich: Unser Fotograf Philipp von Ditfurth hat die Bausünde Ihme-Zentrum aus verschiedenen Blickwinkel für HAZ.de fotografiert.

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Auf der am Gebäudeseite zum Capitol können sich die Planer ein Altenheim oder ein Hotel vorstellen, in den alten Huma-Räumen vielleicht ein Fitnesscenter. Auf Nachfrage sagte Manfred Schenk, Leitender Ingenieur des zum Großeigentümer gehörenden Baubüros, es gebe bereits viele Verhandlungen mit interessierten Gewerbemietern und "auch schon Vertragsentwürfe".

Andreas Middendorf vom Planerbüro RKW sagte, es handele sich jetzt zunächst um eine Idealvorstellung, die in vielen Details an die Realität angepasst werden müsse.

Drei Jahre Bauzeit seien Minimun, sagte Süliman - aber vorher müsse ja erstmal geplant werden. Von Kosten wollte erstmal niemand reden. Projektsteuerer Christian Lückoff kündigte an, dass jetzt erstmal ein Masterplan gefertigt werde.

Einziger konkreter Punkt sind bisher die Planungen des hannoverschen Architekturbüros Schulze + Partner für die Fassaden, die von Sascha Meinecke vorgestellt wurden. Sie sollen für den Bauantrag zunächst so konzipiert werden, dass sie später flexibel umgebaut werden können, denn bisher weiß ja noch niemand, wer hinter den Fassaden später einzieht. Der Großeigentümer will 9 Millionen Euro für diese Fassaden ausgeben und dann 2020 die Büroräume am Ihmeplatz 5 so umbauen, dass nach einem Jahr wieder städtische Büros zur Miete einziehen können - wenn die Stadt bis dahin das Vertrauen in die Aktivitäten des Großeigentmers nicht verloren hat.

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