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Safias Bruder – auch ein Attentäter?

Ernst-August-Galerie Safias Bruder – auch ein Attentäter?

Mehr als sechs Monate nach dem Anschlag mit Molotow-Cocktails an der Ernst-August-Galerie haben die Behörden jetzt tatsächlich einen Tatverdächtigen ermittelt. Mittwoch bestätigte die Staatsanwaltschaft Hannover einen Bericht, nach dem es Hinweise darauf gibt, dass Saleh S. hinter der Brandbomben-Attacke stecken könnte.

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Anfang des Jahres hatte ein bisher Unbekannter Brandbomben vom Dach der Ernst-August-Galerie geworfen und zwei Menschen verletzt.

Hannover. Bei dem 18-Jährigen handelt es sich um den älteren Bruder von Safia S., die im Hauptbahnhof einen Bundespolizisten mit einem Messer attackiert hatte. A m Abend des 5. Februar hatte ein Täter zwei mit einem Benzin-Öl-Gemisch gefüllte Glasflaschen von einem Parkdeck des Einkaufszentrums in der Innenstadt vor den Haupteingang des Gebäudes geworfen. Dabei wurden zwei Menschen lediglich leicht verletzt.

Die Behörden durchsuchten sowohl das Zimmer des Teenagers als auch die Wohnung seines Vaters und stellten zahlreiche Beweisstücke sicher. „Wir warten derzeit auf die Auswertung“, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Allerdings sei Saleh S. nur eine Spur bei den Ermittlungen in diesem Fall. „Es gibt noch eine Reihe weiterer, die nichts mit dem 18-Jährigen zu tun haben“, sagt Klinge. Die Durchsuchungen seien deswegen vorgenommen worden, um belastenden aber auch entlastenden Material zusammenzutragen. Sollte sich der Verdacht gegen Saleh S. erhärten, müsste er sich auf eine Anklage wegen versuchten Mordes gefasst machen. Einen terroristischen Hintergrund für die Tat schließen die Ermittler zum jetzigen Zeitpunkt aus. „Es gibt bislang keinen Hinweis darauf, dass der Anschlag irgendetwas mit der Terrororganisation IS zu tun hat“, sagt Thomas Klinge.

Saleh S. ist derzeit auf Anordnung eines Gerichts in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Der Krankenhausaufenthalt war beantragt worden, weil der 18-Jährige am Klagesmarkt von Polizisten aufgegriffen worden war und zwei Messer bei sich hatte. Es bestehe der Verdacht, dass „eine rechtswidrige Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit oder der verminderten Schuldfähigkeit begangen“ wurde und „die öffentliche Sicherheit es erfordere“, teilten die Behörden damals mit.

Salehs Vater, Robin S., zeigte sich am Mittwoch überrascht von den Ermittlungen gegen seinen Sohn. „Er hat damit nichts zu tun. Die Behörden wollen an ihm ein Exempel statuieren“, sagt er. Zweimal sei seine Wohnung durchsucht worden. Gesucht hätten die Ermittler insbesondere nach Glasflaschen. „Die haben sie aber nicht gefunden“, sagt der Vater. Außerdem interessierten sich die Beamten für Kleidungsstücke und Knöpfe. Nach dem Anschlag an der Ernst-August-Galerie hatte die Polizei Videoaufzeichnungen ausgewertet. Darauf war ein Mann in heller Hose und dunkler Kapuzenjacke zu sehen. Auch Auto und Garage des Vaters nahmen die Ermittler genau unter die Lupe. „Mein Sohn hat den Wagen noch nie gefahren, ich weiß gar nicht, was das soll“, sagt Robin S.

Die Kripo muss bei den Ermittlungen gegen Saleh S. insbesondere eine Frage klären: Wenn der 18-Jährige die Brandbomben tatsächlich geworfen hat, es bislang aber keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gibt, warum startete er drei Tage nach der Tat einen weiteren Versuch in den „Heiligen Krieg“ zu ziehen und reiste in die Türkei? Unterstützung von den Behörden vor Ort können sich die hannoverschen Ermittler nicht erhoffen. Denn Saleh S. wurde in der Türkei von der Polizei aufgegriffen und in ein Gefängnis gesteckt. „Bislang haben die Kollegen unsere Anfragen nach dem Grund der Inhaftierung ignoriert“, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge.

Von Tobias Morchner 
und Isabel Christian

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