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Aus der Stadt Ist das Abitur in Hannover zu einfach?
Hannover Aus der Stadt Ist das Abitur in Hannover zu einfach?
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07:33 13.12.2016
Von Bärbel Hilbig
Ist das Abitur in Hannover zu einfach? Quelle: dpa (Symbolbild)
Hannover

Lässt die gestiegene Zahl der Abiturienten Rückschlüsse auf ein Absinken der Anforderungen zu? Eine „Inflation“ guter Noten hat der Deutsche Lehrerverband jetzt beklagt und gefordert, Bayern solle die Abizeugnisse „anspruchsloser“ Bundesländer nicht mehr anerkennen. Die Provokation des Verbandspräsidenten und Bajuwaren Josef Kraus lässt Schulleiter in Hannover aufseufzen und ein wenig pikiert die Augenbrauen heben.

Das Abi wird eher schwieriger

Wie er selbst die Prüfungen heute bestehen würde, sei unsicher, meint Michael Bax, Leiter der Leonore-Goldschmidt-Schule (IGS Mühlenberg). Bax, Abi-Jahrgang 1979, konnte in der Oberstufe Lehrer und Kurse gezielt auswählen. Im Abi selbst legte er in drei Fächern Prüfungen ab. Heute müssen Abiturienten Mathe, Deutsch, eine Fremdsprache und eine Naturwissenschaft bis zum Abi belegen, die Noten gehen in die Abschlusswertung ein. Die Schüler machen Prüfungen in fünf Fächern, davon drei Hauptfächer mit fünfstündigen Klausuren. „Der Druck auf die Schüler hat enorm zugenommen“, sagt Bruno Ott, Oberstufenkoordinator der IGS Roderbruch. Natürlich verfüge ein Lehrer beim Bewerten über einen Spielraum. „Aber die Behörde kontrolliert uns regelmäßig. Wir müssen Standards einhalten.“ Für Ott ist zur Selbsteinschätzung die Verbindung zu ehemaligen Schülern wichtig. „Wenn sie an der Uni bestehen, bestätigt das uns Lehrer.“

Vorbild Bayern?

„Ich halte von der Provokation gar nichts. Die Diskussion um ein Angleichen der Anforderungen führen wir ja längst“, betont Beate Günther, Leiterin der Schillerschule, und verweist auf Zentralabitur in Niedersachsen und gemeinsame Abituraufgaben mit mehreren Bundesländern (siehe Kasten unten). Eine höhere Zahl von Abiturienten müsse nicht bedeuten, dass das Niveau abgesunken sei, erklärt die Schulleiterin. „Es kann ja auch sein, dass wir mehr Kinder am Gymnasium fördern und ermutigen.“ Wilhelm Bredthauer, Leiter der Goetheschule, verweist auf den großen Bedarf an Hochschulabsolventen. „Eltern aus allen Schichten reagieren darauf, wenn sie ihr Kind ans Gymnasium schicken.“ Die Schulen seien inzwischen auch in der Lage, eine große Spannbreite von Kindern voranzubringen. Er beobachtet aber, dass früh geförderte Kinder aus bildungsbürgerlichen Familien im Vergleich besonders gut erscheinen, Kinder mit Deutschproblemen dagegen beim Abi oft schlecht abschneiden. Tom Aust, Schüler an der IGS Mühlenberg, will später Jura studieren. „Ich habe großes Interesse, gut gefördert zu werden.“ Dennoch wird München trotz exzellenten Rufs auf den pfiffigen jungen Mann verzichten müssen. „Bei der Wohnungsnot gehe ich lieber nach Heidelberg oder Freiburg.“ Dabei ist Bayern dringend auf den Studentenimport angewiesen. Im Bundesland selbst machen zu wenig Schüler Abitur.

Auf dem Weg zum gleichen Abi für alle

Zur Angleichung der Abiturbedingungen hat Niedersachsen 2006 das landesweite Zentralabitur eingeführt. In fast allen schriftlichen Prüfungsfächern werden die Aufgaben zentral im Ministerium erarbeitet. Auch die Anforderungen, die Schüler für eine bestimmte Note erreichen müssen, sind vorgegeben. Im Abiturzeugnis zählen aber auch die Vorleistungen aus der Oberstufe mit. Dabei haben die einzelnen Lehrer mehr Spielraum.

Als erste Stufe zur bundesweiten Vergleichbarkeit der Abiturzeugnisse bekommen seit 2014 Schüler in sechs Bundesländern zeitgleich dieselben Klausuraufgaben – allerdings nur in den Kernfächern Deutsch, Englisch und Mathematik. Mit dabei sind Niedersachsen, Bayern, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Schleswig-Holstein. Bei der Benotung gibt es aber deutliche Spielräume, auch ist die Auswahl von Aufgaben nur teilweise identisch.

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