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Aus der Stadt Ist die "Pelz-Polizei" zu weit gegangen?
Hannover Aus der Stadt Ist die "Pelz-Polizei" zu weit gegangen?
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00:15 19.01.2017
Von Conrad von Meding
Die "Pelz-Polizei" auf Streife in Hannover. Quelle: Villegas
Hannover

Die Tierschützer der "Pelz-Polizei" trugen uniformähnliche Jacken mit der Aufschrift "Pelz-Polizei" und Sternen am Oberarm sowie Mützen mit Schriftzug. „Ist es nicht verboten, sich als Polizei zu bezeichnen und zu kleiden?“, fragt zum Beispiel HAZ-Leser Bernd-Thomas Holgewien. Andere prangerten „Amtsanmaßung“ an und verglichen das Auftreten der Tierschützer mit den von Haustürbetrügern, die sich als Polizisten ausgeben.

„Zuordnungsverwirrung“?

In Hamburg wurden die beiden Aktivisten am Freitagnachmittag von der örtlichen Polizei gestoppt. Man einigte sich einem Bericht der "Hamburger Morgenpost" zufolge darauf, dass die Tierschützer ihre Gespräche nur noch ohne die uniformähnlichen Jacken ausüben durften. Zu groß sei die Verwechslungsgefahr mit der echten Polizei, befanden die Ordnungshüter an der Elbe. Die Tierschützer nahmen es gelassen - man habe schon einige Stunden Gespräche geführt und beende nun den Einsatz.

In Hannover hatte die betroffene Behörde damit weniger Probleme. „Nach Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft sehen wir derzeit keine strafrechtliche Relevanz“, sagt Polizeisprecherin Martina Stern.

Im Innenministerium weist Sprecherin Svenja Mischel darauf hin, dass der Begriff Polizei zwar grundsätzlich als Wortmarke geschützt sei, gegen unbefugten Gebrauch könne vor Gericht auch die Unterlassung durchgesetzt werden - aber nur, wenn eine „Zuordnungsverwirrung“ entstehe. „Da ausweislich des Bildmaterials der HAZ die Uniformen aber keine echten Polizeiuniformen sind und auch ganz offensichtlich von den Dienstuniformen der niedersächsischen Polizeibeamten abweichen, ist nicht von einer ,Zuordnungsverwirrung’ oder einer Möglichkeit der Verwechslung auszugehen“, teilt das Ministerium mit.

Auch eine Amtsanmaßung könne nicht gegeben sein, weil eine Pelz-Kontrolle keine polizeiliche Aufgabe sei, die sich jemand Dienstfremdes angemaßt habe, heißt es im niedersächsischen Ministerium. Da die Tierschützer zudem laut HAZ-Bericht nicht aggressiv, sondern zurückhaltend-freundlich aufgetreten seien und nur Aufklärungsarbeit geleistet hätten, könne „auch nicht auf ein unzulässiges oder gar strafbares Verhalten geschlossen werden“.

Das Deutsche Tierschutzbüro möchte Pelzträgern helfen, Echtpelz von Kunstpelz zu unterscheiden und sie über das unsägliche Tierleid hinter dem Produkt aufklären.

Angesprochen auf die Debatte unter den HAZ-Lesern, sagt „Pelz-Polizistin“ Jennifer Schöpf: „Wir kennen diese Diskussionen schon aus anderen Städten.“ Interessanterweise werde der Vorwurf einer Amtsanmaßung nie auf der Straße geäußert, „da reagieren die Menschen sehr nett - nur im Internet kochen diese Diskussionen immer hoch“. In Hamburg allerdings hat offenbar jetzt doch irgendwer die Polizei auf den Plan gerufen.

„Eigentlich eine Frechheit“

Hinter der „Pelz-Polizei“ steckt das Deutsche Tierschutzbüro, ein Verein aus Bonn mit rund 2000 Mitgliedern. Schwerpunkt sind nach eigenen Angaben Kampagnenarbeit und das Verhandeln mit Handelsketten über Tierschutzbedingungen. Bei Gesprächen in Fußgängerzonen weisen die Aktivisten darauf hin, wie man Echtfell von Kunstfell unterscheidet, und erklären, warum inzwischen häufig als Kunstfell deklariertes Fell in Wahrheit von Waschbären, Hunden oder Koyoten stammt, die unter qualvollen Bedingungen gehalten würden. Schöps findet es daher auch angemessen, in polizeiähnlicher Uniform aufzutreten: „Der Mensch hat die staatliche Polizei als Freund und Helfer, die Tiere haben uns als ,Pelz-Polizei’“.

Viele HAZ-Leser diskutieren das Thema trotzdem kontrovers. Unter dem Namen Lucas von Ebenhöch kommentiert etwa ein Nutzer: „Eigentlich eine Frechheit was die sich herausnehmen. Quatschen einfach Leute zu und machen auf Samariter, vergessen dabei einfach, dass es in Mode ist und dass jeder selbst entscheiden kann, ob er es trägt.“ Ramona Domo hingegen wundert sich, „wie sich hier alle über die Garderobe der Tierschützer aufregen“. Sie selbst sei „durchaus in der Lage, eine ,Pelzpolizei’ von einem Polizeibeamten zu unterscheiden“.

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