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Aus der Stadt Jazzfest in Hannover feiert Jubiläum
Hannover Aus der Stadt Jazzfest in Hannover feiert Jubiläum
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16:25 01.06.2011
Jimmy Woode spielte schon vor dem Rathaus von Hannover auf dem Jazzfest. Quelle: HAZ
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Jazzmusiker sind vor allem für ihre Kunst zu improvisieren bekannt. Die Veranstalter des Festivals „Swinging Hannover“ auf dem Trammplatz stehen ihnen dabei in nichts nach. Als einmal die Divas der All Woman Big Band Divas feststellten, dass ihnen die Noten fehlten, wurden diese schnell aus dem Internet runtergeladen. Als der Kostümkoffer des Bluessängers Mighty Sam McClain verloren ging, ließ man ihn eben im Jogginganzug spielen. Und als es regnete, hielt Hannovers 2004 verstorbener „Mr. Jazz“, Mike Gehrke, persönlich den Schirm schützend über die Musiker.

Mittlerweile gilt das Open Air zu Himmelfahrt mit rund 30.000 Besuchern als das größte kostenlose Jazzfest Deutschlands. Dieses Jahr feiert es 40-jähriges Bestehen. „Eigentlich hatte Mike Gehrke nur vor, eine Alternative zu den üblichen Vatertagsfeiern zu entwickeln“, erinnert sich Uwe Thedsen, der zusammen mit Nicolas Sempff, Bürgermeister Bernd Strauch, Edda Erblich und fast 30 ehrenamtlichen Helfern für den Jazz-Club und die Stadt das Festival organisiert. Damals sprach Gehrke mit befreundeten Musikern, traf sich mit ihnen vor dem Opernhaus und spielte ein wenig Jazz für ein paar Hundert Besucher. Und weil bei dem Flohmarkt-Organisator fast nie etwas im kleinen Rahmen blieb, entwickelte sich aus den sporadischen Treffen ein kleines Festival, bei dem die Musiker nach den Konzerten gern Kindern Schlagzeugtechniken erklärten oder einfach mit den Eltern ein Bier tranken. „Damals hatten die Stände noch keine Abwasserleitungen, die Technik wurde auf der Ladefläche eines Pick-ups aufgestellt, der hinter der Bühne parkte, und manchmal sangen die Künstler durch ein Megafon“, erinnert sich Edda Erblich. Wenn ein Klavier nicht zu bekommen war, spielte man eben Akkordeon. Außerdem fehlte immer Geld. „Ich weiß noch, dass Mike Gehrke immer neue Anträge stellte“, sagt Strauß. Und dennoch habe er das Geld immer irgendwie zusammengestottert. Seit 2005 besteht vorerst kein großer Grund zur Sorge mehr – die Stadtwerke machten aus dem zweitägigen Festival das „enercity Swinging Hannover“ und halfen beim Finanzplan nach. Über das Budget hat man Stillschweigen vereinbart.

Große Ehre für das Jazzfest

1971 zog das Jazztreffen zum ersten Mal auf den Trammplatz. „Das war damals ein Privileg“, sagt Strauch. „Der Platz war ein Heiligtum, er wurde nur genutzt, wenn Hannover 96 besondere Erfolge zu feiern hatte oder Willy Brandt oder Franz Josef Strauß kamen“, erzählt der Bürgermeister. Doch die Hannoveraner schlossen die Jazzveranstaltung in ihr Herz – und kamen immer wieder. „Ich kann mich an eine Reportage zur Expo erinnern“, sagt Thedsen. „Da wurde ein Passant am Bahnhof gefragt, ob er sich schon auf die Expo-Eröffnung freue, und er sagte nur: ,Expo? Ich will zum Jazz!‘“

Mit den Besuchern kam die Professionalisierung des Festivals. Ein Booking-Team holte Jahr für Jahr hochkarätige Künstler, Stars wie der Jazzkontrabassist Jimmy Woode, der US-Trompeter Benny Bailey oder der Tenorsaxofonist Benny Golson kamen nach Hannover. Begnadete Musiker spielten in sogenannten Sessions oder All-Star-Besetzungen zusammen. Bei Schlagzeugwettkämpfen traten bekannte Drummer wie Pete York oder Al Foster gegeneinander an – musikalische Höhepunkte und bewegende Momente, die das Festival weit über die Stadtgrenzen bekannt machten. Und so tritt in diesem Jahr zum Beispiel auch das A-cappella-Quartett Maybebop zum ersten Mal mit einer Big-Band auf.

Besucherzahlen steigen weiter

Trotz wachsender Besucherzahlen blieb die Arbeit in den 40 vergangenen Jahren in ehrenamtlichen Händen. „Duke Ellington hat einmal gesagt: Überall arbeiten Profis wie Amateure. Nur in Hannover leisten Amateure die Arbeit von Profis,“ sagt Thedsen. Viele Freiwillige würden sich extra Urlaub nehmen, wenn die Jazzkultur, die sonst vielleicht nur in klischeebehafteten Kellern gepflegt wird, einen Tag am Trammplatz gefeiert wird. „Wir hören oft, dass die Besucher eigentlich keinen Jazz hören, aber am Trammplatz lieben sie die Musik“, sagt Strauch.

Die Stadt Hannover hat für den Bürgermeister und Schlagzeuger zweifelsfrei von der Entwicklung des Festivals profitiert. Selten gebe es eine so friedliche Stimmung zu Himmelfahrt, ein Volksfest eben, bei dem die Musik im Vordergrund steht. Hannover sei dank des Jazz-Clubs und des Festivals längst als Hochburg des Jazz auch im Ausland bekannt geworden. Und so planen die Macher schon an weiteren Festtagen – nur wachsen müsse das Fest nicht unbedingt. Es bleibt auch eine Frage des Etats.

„Nach 40 Jahren hat das Festival Generationen vereint“, sagt Nicolas Sempff, der vor allem für das Programm von „Swinging Hannover“ und den Jazz-Club verantwortlich ist. Er selbst kam mit 13 Jahren das erste Mal auf den Trammplatz, heute organisiert er das Fest und schaut gerührt auf die vielen Kinder auf den Schultern ihrer Eltern. „Dafür lohnt sich die Mühe jedes Jahr.“ Und wenn einer der kleinen Gäste bei dem Andrang nichts sehen kann, fällt ihm bestimmt etwas ein. Da kann man sicher improvisieren.

Wise Guys am Mittwoch, Joe Wulf am Donnerstag

Wer beim „enercity Swinging Hannover“ spielen möchte, muss mehr können, als nur gut zu musizieren. Das sagt zumindest Organisator Uwe Thedsen. „Wir suchen Entertainer, die in der Lage sind, 30 000 Menschen über fünf bis sechs Stunden zu unterhalten“, sagt er. Dafür sucht das Team in allen stilistischen Lagern des Jazz.

Los geht es bereits am Mittwoch ab 18 Uhr im Kuppelsaal des Hannover Congress Centrums. Für 25 Euro Eintritt und 15 Euro ermäßigt können sich Besucher Auftritte von Joe Wulf & The Gentlemen Of Swing und Romy Camerun anschauen, Sharrie Williams und ihr Konzert mit The Wise Guys zuhören und Candy Dulfer live erleben.

Das Fest am Trammplatz startet am Donnerstag um 11 Uhr mit Joe Wulf & The Gentlemen Of Swing. Um 13 Uhr spielt die Lothar Krist Hannover Bigband mit Maybebops und um 14.15 Uhr singt Sharrie Williams mit The Wise Guys. Den Abschluss übernimmt 15.45 Uhr Candy Dulfer.

Dazu zeigt der Kinderzirkus Giovanni an Himmelfahrt und den beiden darauffolgenden Tagen im Zelt auf der Wiese neben dem Neuen Rathaus sein Können. Am Donnerstag gibt es jeweils um 11.30 Uhr und 14.30 Uhr eine Vorstellung, am Freitag heißt es um 15 Uhr und um 18 Uhr Manege frei, und Sonntag geben die jungen Artisten um 15 Uhr ihre Abschlussvorstellung. Für Erwachsene kostet der Eintritt 8 Euro, Kinder zahlen 5 Euro.

Jan Sedelies

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