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Jeden Monat ein Mord in Hannover

Neun Fälle im Jahr 2015 Jeden Monat ein Mord in Hannover

In Hannover sind in diesem Jahr so viele Menschen getötet worden wie lange nicht mehr – jeden Monat einer. In sieben Fällen hat die Polizei Verdächtige gefasst, zwei sind bisher ungeklärt. Eine Zwischenbilanz.

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Quelle: Christian Behrens

Hannover. Die Zahl der Tötungsdelikte in Hannover hat einen neuen Höchststand erreicht. In den ersten neun Monaten des Jahres kamen mehr Menschen gewaltsam ums Leben als in den zwölf Monaten des Vorjahres. Für das Jahr 2015 verzeichnet die Polizei in ihrer Statistik neun Tötungsdelikte - jeden Monat eines. Im gesamten vergangenen Jahr starben acht Menschen in Hannover einen gewaltsamen Tod. Das ist die höchste Zahl seit 2007.

Seit 2012 steigt die Zahl der Mord- und Totschlagsdelikte kontinuierlich an. Vom damaligen historischen Tiefstand von vier Taten kletterte der statistische Wert ein Jahr später auf sechs und im Jahr darauf auf acht Verbrechen. Positiv dagegen entwickelt sich die Aufklärungsquote der Polizei. Von den neun Morden sind sieben entweder geklärt und das Gerichtsverfahren ist bereits abgeschlossen oder es besteht zumindest dringender Tatverdacht gegen einen konkrete Person. Lediglich in den jüngsten beiden Fällen stehen echte Durchbrüche noch aus: bei der Ermordung des Rentners Bernd M. aus Herrenhausen,  dessen Leiche zerstückelt aus dem Mittellandkanal gezogen wurde, und beim Tötungsdelikt Anfang September in Bothfeld ,  bei dem der obdachlose Aleksandrs B., genannt „Malutki“, erschlagen worden war.

Januar: Mord in der Werkstatt

In einer Autowerkstatt im Langenhagener Gewerbegebiet an der Hans-Böckler-Straße geraten am 15. Januar zwei Männer aneinander. Der Streit zwischen Drajev V. und Dejan Z. eskaliert. Im Verlauf der Auseinandersetzung nimmt sich Z. eine Pistole und gibt zwei Schüsse auf V. ab. Anschließend flüchtet er in einen nahe liegenden Getränkemarkt. Wenig später wird er vor Ort festgenommen. Ein Gericht verurteilt den Schützen, der bei der Tat 2,7 Promille gehabt hatte, zu sieben Jahren Haft. 
Status:  aufgeklärt

Februar: Tod des Lindener Szene-Wirts

Am Abend des 11. Februar dringt der Gastronom Özgür T. mit mehreren Begleitern in die Wohnung eines 33-Jährigen an der Stärkestraße ein. Zwischen T. und dem Mieter entbrennt ein Streit. Im weiteren Verlauf soll der 33-Jährige ein Messer aus der Küche geholt und Özgür T. die tödliche Stichverletzung zugefügt haben. Schwer verletzt rettet sich T. auf die Limmerstraße, bricht dort zusammen und verstirbt im Krankenhaus. Der Mieter wird festgenommen und kam in Untersuchungshaft. Zwei Wochen später wird er wieder entlassen. Im Juni stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen den 33-Jährigen endgültig ein. Notwehr könne in diesem Fall nicht ausgeschlossen werden, so die Begründung.
Status:  aufgeklärt

März: Der Mutter-Mord in der Nordstadt

Der 27-jährige Donovan B. ruft am Abend des 28.  März selbst die Polizei und die Rettungskräfte in die Wohnung an der Tulpenstraße. Dort hat er zuvor im Streit seine Mutter erschlagen. Das Schwurgericht lässt den Mann in die Psychiatrie einweisen. Er stelle aufgrund seiner paranoiden Schizophrenie eine Gefahr für die Allgemeinheit dar. „Er lebt in seiner eigenen Welt“, so ein Gutachter.
Status:  aufgeklärt

April: Mord an Exfreundin in Mittelfeld

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat Anklage erhoben gegen eine 47-jährige Frau, die im April in einer Wohnung in Mittelfeld ihre langjährige Lebensgefährtin erschlagen haben soll. Die beiden Frauen haben sich in der Wohnung des späteren Opfers am Neisser Weg getroffen.  Es kommt zu einem Streit, in dessen Verlauf die 47-Jährige ihre Expartnerin heftig geschlagen und getreten haben soll.
Status:  Verfahren läuft

Mai: Raubmord im Zooviertel

In Kürze beginnt der Prozess gegen Florian K. Der 27-Jährige ist dringend eines Mordes tatverdächtig, der am 4. Mai an der Mars-la-Tour-Straße geschieht. Er soll die 49-jährige Geschäftsfrau Andrea K. getötet haben, um an die Wertgegenstände seines Opfers zu kommen. K. sitzt in U-Haft und schweigt. Sein Anwalt hat angekündigt, im Verfahren auf unschuldig plädieren zu wollen.     
Status:  Verfahren läuft

Juni: Tödlicher Schuss auf Einbrecher

Als Werkstattbesitzer Bassam A. am Abend des 9. Juni verdächtige Geräusche vor seinem Haus an der Lehrter Straße in Anderten hört, greift er zur Waffe. Der Sportschütze tritt vor die Tür, entdeckt mehrere mutmaßliche Einbrecher und schießt sofort. Eine Kugel trifft einen 18-Jährigen von hinten in die Schulter. Der junge Mann stirbt wenig später im Krankenhaus. Bassam A. kommt in Untersuchungshaft. Er behauptet, in Notwehr gehandelt zu haben. Im August entscheidet das Oberlandesgericht Celle, Bassam A. gegen eine Kaution in Höhe von 30 000   Euro auf freien Fuß zu setzen. Er muss sich zweimal pro Woche bei der Polizei melden. Bislang ist unklar, wann der Prozess beginnt.
Status:  aufgeklärt

Juli: Streit eskaliert auf offener Straße

Am Abend des 10. Juli geraten ein 45-Jähriger und ein vier Jahre älterer Mann an der Grahnstraße in Vahrenwald in Streit. Plötzlich zückt der Ältere ein Messer und sticht damit auf seinen Kontrahenten ein. Trotz Reanimationsversuchen verstirbt der 45-Jährige noch am Tatort. Dem Messerstecher gelingt die Flucht. Einen Tag später erscheint er jedoch im Beisein eines Rechtsanwalts auf einer Polizeiwache und stellt sich.
Status:  aufgeklärt

August: Der Stückel-Mord von Herrenhausen

Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamts machen im Mittellandkanal einen grausigen Fund. In mehreren Müllbeuteln verpackt entdecken sie Leichenteile. Eine DNA-Analyse bringt wenige Tage später Gewissheit. Der Tote ist der 70-jährige Bernd M, der in Herrenhausen lebte. Bis heute fehlen Teile der Leiche. Der ehemalige Mitarbeiter der Stadt ist zuletzt am 29. Juli lebend vor seiner Wohnung gesehen worden. Wo er sich anschließend aufhielt ist unklar. In den Säcken finden die Ermittler der Mordkommission „Kanal“ auch einen tragbaren CD-Spieler und eine selbst gebrannte CD der Schlagersängerin Andrea Berg. Wenige Tage später entdecken Zeugen den verschlossenen Peugeot des Rentners in einer Parkbucht an der Vogelsbergstraße. Derzeit halten sich die Ermittler bedeckt. „Wir können bislang nicht sagen, wo der Tatort dieses Verbrechens ist“, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Die Mordkommission warte noch auf die Auswertung der zahlreichen Spuren, die in der Wohnung des Opfers, in seiner Gartenlaube und in seinem Auto gesichert worden waren.
Status: ungelöst

September: Mord in Obdachlosen-Siedlung

Wer erschlug den obdachlosen Aleksandrs B.? Vor dieser Frage steht die Mordkommission „Camp“ seit dem 7. September. Spaziergänger finden den toten 36-Jährigen nachmittags auf einem von Obdachlosen als Unterschlupf genutzten Gelände in einem Wald in Bothfeld. Die Obduktion in der Rechtsmedizin ergibt, dass das Opfer erschlagen worden ist. Die Polizei verteilt Handzettel im Bereich des Hauptbahnhofs in der Hoffnung, Zeugenaussagen zu dem Fall zu bekommen. Doch obwohl eine Belohnung von 3000 Euro für Hinweise ausgesetzt worden ist, die zur Ergreifung des oder der Täter führen, sind bei den Ermittlern bislang nur einzelne Aussagen eingegangen. Der Mann, der aus Riga stammt, ist in Hannover unter dem Spitznamen „Malutki“ oder „Brox“ bekannt. Die Fahnder möchten wissen: Wer hat Aleksandrs B. vor seinem Tod in Begleitung einzelner oder mehrerer Personen gesehen? Wo hat sich der 36-Jährige zwischen dem 6. und dem 7. September aufgehalten? Hinweise nimmt die Kripo unter der Nummer (05 11) 1 09 55 55 entgegen.     
Status:  ungelöst

Die ungelösten Fälle der vergangenen Jahre

Im Januar 2013 wurde der Leichnam eines 54-Jährigen in dessen Wohnung in Davenstedt gefunden.

Im Januar 2013 wurde der Leichnam eines 54-Jährigen in dessen Wohnung in Davenstedt gefunden.

Quelle: Christian Elsner

Zusätzlich zu den aktuellen Fällen müssen sich die Beamten der Kriminalfachinspektion 1 weiterhin auch mit den ungeklärten Fällen der jüngsten Vergangenheit befassen. Denn Mord verjährt nicht, und die Akten werden erst dann endgültig geschlossen, wenn ein Tatverdächtiger ausfindig gemacht werden konnte und ein Gericht diesen auch verurteilt hat. Zu den nicht aufgeklärten Morden gehören auch einige der ungewöhnlichsten Fälle der jüngeren Kriminalgeschichte Hannovers:

  • Der Säbel-Mord von Davenstedt: Im Januar 2013 wird der 54-jährige Wolfgang Liehs tot in seinem Apartment in einem Mehrfamilienhaus am Davenstedter Markt entdeckt. Das Opfer, das sehr zurückgezogen lebte, war mit einem Säbel erstochen worden. Einen Raubmord konnten die Ermittler schon früh ausschließen, denn größere Geldbeträge dürften bei dem Ein-Euro-Jobber nicht versteckt gewesen sein. Der Täter ist bis heute auf freiem Fuß.
  • Der Advents-Mord in der Innenstadt: Am ersten Adventssonntag des Jahres 2011 wurde die junge Studentin und Mutter Annika B. von einem Mann vor ihrer Wohnung in der Kohlrauschstraße überfallen und mit mehreren Messerstichen getötet.  Trotz einer sehr guten Phantomskizze des Täter ist der Fall bis heute ungeklärt.
  • Der Silvester-Mord in Linden: In der Silvesternacht 2009 verschwand die 24-jährige Monika P. spurlos. Ihre zerstückelte Leiche wurde im Januar 2010 in Plastiksäcken verpackt am Ihmeufer entdeckt.  Vom Täter fehlt bis heute jede Spur.
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