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Aus der Stadt Jobcenter Hannover lehnt Nachhilfe für Grundschüler ab
Hannover Aus der Stadt Jobcenter Hannover lehnt Nachhilfe für Grundschüler ab
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20:58 03.07.2011
Von Rainer Surrey
Drei Kinder der IGS Roderbruch sollten kein Geld aus dem Bildungspaket bekommen. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Zur Begründung heißt es, Erstklässler könnten nicht sitzen bleiben. Doch nur wenn die Versetzung gefährdet sei, gebe es Geld aus dem Bildungspaket.

„Das ist völlig widersinnig. Die Lernförderung ist nur sinnvoll, wenn sie möglichst früh einsetzt“, sagt Lehrerin Beatrix Bast-Behrendt. Erstklässler würden zwar automatisch in die zweite Klasse aufrücken. „Aber das heißt nicht, dass sie damit das Lernziel der ersten Klasse erreicht haben.“ Die Lehrerin hatte für die Eltern eines ihrer Erstklässler den Antrag auf Nachhilfe in Deutsch und Mathe vorbereitet. Zu Hause habe der Junge keine Hilfe beim Lernen zu erwarten, da seine Eltern nur sehr wenig Deutsch sprechen. „Er hat selbst noch große Sprachprobleme und ist deshalb manchmal nicht in der Lage, Aufgaben zu verstehen und mitzuarbeiten.“

Bast-Behrendt fühlt sich durch ein Formblatt des Kultusministeriums bestätigt, mit dem Lehrer dem Jobcenter den Bedarf eines Schülers an Förderung bestätigen. Das Ministerium spricht darin ebenfalls davon, dass Schüler dann Nachhilfe bekommen können, wenn sie nur so die Lernziele des Jahrgangs erreichen, also „in der Regel“ die Versetzung. „Wir Lehrer haben die Notwendigkeit der Nachhilfe doch bestätigt“, ärgert sich die Pädagogin.

Die Eltern haben mithilfe der Lehrerin Widerspruch eingelegt und nach Aufforderung des Jobcenters auch noch begründet. „Sie verstehen das alles gar nicht und hätten es allein nie gemacht“, sagt Beatrix Bast-Behrendt. Für viele bedürftige Eltern sei es eine nicht zu bewältigende Anforderung, einen Widerspruch sprachlich und inhaltlich korrekt zu formulieren. Bast-Behrend hat die Probleme jetzt auch in einem Brief an die Bundesarbeitsministerin geschildert, die das Bildungspaket verantwortet. Angesichts von Klagen über ein Desinteresse der Eltern am Bildungspaket seien die Ablehnungen absurd.

Im Jobcenter Hannover will man sich nun um Klärung bemühen. „Es kann sein, dass uns ein Fehler unterlaufen ist. Wenn eine Versetzung in einem Jahrgang nicht vorgesehen ist, richten wir uns danach, ob das Kind die Lernziele erreicht“, sagt Sprecherin Marion Sprengel. Lehrerin Bast-Behrend besänftigt das nicht. Immerhin sind in ihrer Grundschule drei Kinder betroffen.

„Eine Ablehnung hat zur Konsequenz, dass manche Eltern sich abschrecken lassen. Sie müssen ja jede Leistung, ob Mittagessen, Fahrten oder Musikunterricht einzeln beantragen.“

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