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Aus der Stadt Staatsstreich im Landtag
Hannover Aus der Stadt Staatsstreich im Landtag
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00:17 09.06.2017
Von Simon Benne
Sprachen im Interims-Plenarsaal des Landtags: Thomas Vogtherr, Jörn Ipsen (v.l.). Quelle: Benne
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Hannover

Mit einem Staatsstreich bekommt es der Landtag gottlob relativ selten zu tun. Jetzt aber ging es im Interimsplenarsaal um einen üblen Verfassungsbruch – und um eine Schicksalsstunde niedersächsischer Geschichte. Es ging um einen "Staatsstreich von oben", wie der Osnabrücker Historiker Thomas Vogtherr in der Veranstaltungsreihe "Parlamentsleben" erklärte.

Anno 1837 hatte Hannovers neuer König Ernst August ungeniert das gerade erst vier Jahre alte, halbwegs liberale Staatsgrundgesetz für ungültig erklärt. Sieben Gelehrte, die dagegen protestierten, verloren ihre Ämter und gingen teils dauerhaft ins Exil: "Die Göttinger Sieben gehören zum festen Inventar des niedersächsischen Geschichtsbewusstseins", sagte Landtagspräsident Bernd Busemann.

Tatsächlich zeigt sich im Handeln der sieben Professoren viel von dem, was in der deutschen Geschichte selten und kostbar ist: Zivilcourage, ein Aufstand des Gewissens, Mut vor Fürstenthronen. Busemann schlug allerdings auch einen Bogen in die Gegenwart: Angesichts weltweit wachsender autoritärer Tendenzen gewinne solider Verfassungspatriotismus wieder an Bedeutung.

Auch in Vogtherrs Beschreibung mutete der 180 Jahre alte Zwist beklemmend aktuell an - mancher der rund 150 Besucher musste dabei unweigerlich Donald Trump vor Augen haben: Mit Ernst August sei damals in unruhigen Zeiten des Umbruchs ein erzreaktionärer Mann an die Macht gelangt, der sich zum radikalen Fürsprecher der Modernisierungsverlierer gemacht habe, sagte der Historiker. Damals war das Hannovers Landadel, der seine Privilegien durch die Verfassung geschmälert sah. Schon in London hatte sich der aus England stammende Ernst August 1832 in einem Streit um Wahlrechtsreformen gegen jede Modernisierung gestemmt - und gegen seinen Bruder, den moderateren Wilhelm IV.: "Das ganze war auch eine Familiengeschichte", sagt Vogtherr.

In seinem Buch mit dem programmatischen Titel „Macht versus Recht“ (C.H. Beck, 383 Seiten, 49 Euro) hat der Staatsrechtler Jörn Ipsen den Staatsstreich akribisch seziert. Eine Schlüsselrolle schreibt er Ernst Augusts reaktionärem Minister Georg von Schele zu, der als Einflüsterer und Strippenzieher zugleich agierte. Sein Urteil über das Königreich Hannover fällt wenig schmeichelhaft aus: Er attestiert ihm einen "Rückfall in die Despotie".

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