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Nachgefragt

Fürst: „Eine fürchterliche Sache“

Nachgefragt bei Michael Fürst,
 Vorsitzender des
 Landesverbandes 
der Jüdischen
 Gemeinden
 Niedersachsen.

Steinwürfe auf jüdische Tänzer, und das nicht im Nahen Osten, sondern in Hannover. Was sagen Sie dazu?

Das ist eine ganz fürchterliche Sache – jedenfalls wenn die Berichte darüber zutreffen. Denn es bedeutet, dass Kinder in dieser Stadt derart instrumentalisiert werden, dass sie nicht mehr unvoreingenommen zu einer Tanzveranstaltung gehen können, sondern dort mit Steinen anrücken. Das ist eine erhebliche Belastung des bislang ungestörten, teilweise sogar guten Verhältnisses zwischen jüdischen und arabisch-muslimischstämmigen Menschen in Hannover.

Ein spontanes Handeln der Jugendlichen schließen Sie aus?

Das ist wegen der mitgebrachten Steine und des kindlichen Alters der Steinewerfer unwahrscheinlich. Ich glaube eher, dass Eltern oder sonstige Familienmitglieder die Kinder angeleitet haben, als dass ganze Organisationen dahinterstehen. Das Verhältnis zwischen Jüdischer und Palästinensischer Gemeinde ist eigentlich recht gut. Wenn türkische oder muslimische Verbände diese Steinwürfe initiiert haben sollten, müsste man auch auf staatlicher Ebene ganz anders darüber nachdenken. Dann ginge es auch um zusätzliche Schutzmaßnahmen für Juden in Deutschland.

Hat so ein Vorgang womöglich etwas mit der Politik von Türkei-Premier Erdogan zu tun?

Man muss sich vor Augen halten, dass die Beziehungen Israels zur Türkei jahrzehntelang sehr gut waren. Jetzt verfolgt Erdogan allerdings einen Islamisierungs- und Radikalisierungskurs, der anstelle weitsichtigen Miteinanders eine Politik der Provokationen verfolgt. Das hat schon beim Weltwirtschaftsforum 2009 in Davos begonnen, und es hat sich mit der Gaza-Flottille fortgesetzt. Wenn sich von diesem Kurs Menschen in Hannover zum Steinewerfen motiviert fühlen, ist dies ein Alarmsignal, das auch die deutsch-türkischen Beziehungen nicht unberührt lassen kann.

Interview: Daniel Alexander Schacht

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Hannover in Zahlen

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