Die Kritiker monieren, der Fachbereich Jugend sei nicht richtig aufgestellt, um die wachsenden Herausforderungen in der Jugendarbeit – etwa in Zusammenhang mit straffälligen und verwahrlosten Minderjährigen und einem zunehmenden Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen – zu bewältigen. Die Mitarbeiter der Region seien zu selten vor Ort und in den einzelnen Kommunen zu schlecht vernetzt, um Missstände rechtzeitig zu erkennen und mit den Schulen und sozialen Einrichtungen vor Ort die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Leitende Polizeibeamte, deren Mitarbeiter täglich mit auffälligen Minderjährigen zu tun haben, teilen diese Einschätzung.
Von insgesamt 21 Kommunen in der Region führen derzeit nur die Städte Hannover, Burgdorf, Laatzen, Langenhagen, Lehrte und Springe ein eigenes Jugendamt. In den 15 übrigen Kommunen übernimmt die Region Hannover diese Aufgabe. Dafür unterhält die Region insgesamt fünf Jugendhilfestationen in Barsinghausen, Burgwedel, Garbsen, Neustadt und Hannover. So ist etwa das Team Sozialer Dienst im Haus der Region in Hannover für die Jugendlichen aus den kilometerweit entfernten Kommunen Hemmingen, Pattensen, Ronnenberg, Seelze und Sehnde zuständig. „Wir haben es mit einem ziemlichen Fleckenteppich zu tun“, sagt Silke Stokar, Mitglied der Regionsversammlung (Grüne) und ehemalige Bundestagsabgeordnete. Vor allem die Präventionsarbeit leide darunter. „Jede Kommune braucht ein eigenes Jugendamt.“
Polizeidirektor Jürgen Ermerling unterstützt diese Forderung. Als Leiter der Polizeiinspektion Garbsen ist er für den gesamten Bereich zwischen Neustadt im Norden und Springe im Süden zuständig. Besonders kritisch sieht er, dass die Stadt Garbsen kein eigenes Jugendamt hat. In den Stadtteilen Auf der Horst und Berenbostel werden manche Kinder schon ab dem 13. Lebensjahr straffällig oder kommen mit Drogen in Berührung. „Um sie aufzufangen, ist das reibungslose Handeln der Jugendhilfe in Kooperation mit den örtlichen Netzwerken dringend notwendig“ Jahrelang hat Ermerling in Burgdorf gearbeitet, dort stellt die Stadt das Jugendamt. „Die Erfahrung hat gezeigt: Die kommunale Jugendhilfe ist da, wenn sie gebraucht wird. Die Wege sind einfach kürzer, die Jugendlichen profitieren.“
In einem Punkt sind sich die Kritiker einig: Sie wollen die Jugendhilfearbeit der Region nicht inhaltlich bemängeln. „Es ist ein strukturelles Problem. Die Fälle landen als anonymer Vorgang auf dem Papierstapel“, sagt der Vorsitzende der CDU-Regionsfraktion, Eberhard Wicke. „Mit einem Jugendamt vor Ort, ist man einfach näher dran, als wenn man von der Zentrale aus versorgt wird“, sagt auch der Jugendexperte der SPD-Regionsfraktion, Rudolf Alker.
Rolf-Axel Eberhardt, Bürgermeister in Wunstorf, würde gern ein eigenes Jugendamt unterhalten. „Die Situation ist unglücklich. Die Region ist groß, da verzögern sich viele Abläufe.“ Ein eigenes Jugendamt aber sei schlicht zu teuer. Das meint auch der Garbsener Bürgermeister Alexander Heuer. Der Stadt entstünden Folgekosten von mehr als 1,9 Millionen Euro. „Dieser finanziellen Zusatzbelastung der Stadt stehen nach Überzeugung der in diesem Aufgabenbereich vor Ort tätigen Mitarbeiter keine nennenswerten Vorteile in der Zusammenarbeit gegenüber“, schrieb er an den SPD-Landtagsabgeordneten Maro Brunotte aus Langenhagen. Dieser hatte der Stadt Garbsen vor einigen Tagen ebenfalls den Aufbau eines eigenen Jugendamtes empfohlen.
Vivien-Marie Drews und Mathias Klein
Kommentare
@Mike Mad Allessehender – 29.07.10
Es stimmt schon das die Karten für Schüler mit einem Abschluss eines Gymnasiums immer schlechter stehen.Allerdings können auch Jugendliche mit einem Hauptschulabschluss was erreichen, sie dürfen nur nicht sagen: "So mein Pflichtzeit ist um jetzt hab ich kein Bock mehr".
Wenn sich die Jugendlichen anstrengen können sie auch was erreichen.
Ich beispielsweise habe nach meinem Realschulabschluss die Fachoberschule besucht.
Ich hab so sehr gebüffelt um gute Noten zu bekommen das ich mich jetzt zwischen 12 Ausbildungsstellen entscheiden konnte.
Jetzt geh ich zur Uni und lerne weiter.
Was ich sagen will ist: Wenn man seine Chancen nutzt, hat man gar kein Problem ein Ausbildungsplatz zu bekommen.
Außerdem gibt es Firmen wie der größten Malereibetrieb Norddeutschlands (Name ist mir entfallen), der bildet aus egal was für ein Abschluss man hat oder was für Vorstrafen man hat.
Solche Betriebe gibt es mehrfach in Deutschland die dafür sorgen das jeder eine Ausbildung haben kann (auch wenn es nicht umbedingt die ist, die man sich wünscht)
2 Freunde von mir, machen bei der Malereifirma ihre Ausbildung und sind total zufrieden (auch wenn der eine Busfahrer werden wollte).
Im großen und ganzen ist die Sache mit der Ausbildung einfach nur davon abhängig wie motiviert man ist sich anzustrengen und zu lernen (ein bisschen Glück ist auch dabei).
Früher hab ich NIE gelernt und dem entsprechend sahen meine Noten aus, hab dann irgendwann die Kurve bekommen und bin echt froh drüber.
Man kann sich nur drüber aufregen wenn Jugendliche ihr Leben einfach so "wegwerfen" in dem sie nicht lernen.
Ein Bekannter zum Beispiel würde alles dafür geben Arbeiten zu können (geht aber nicht weil er ein Herzinfarkt hatte und deswegen arbeitsunfähig).
Ein Appel an die gesamte Jugend:
Nutzt eure Chancen, lernt fleißig auch wenn es nervig und "uncool" ist. Tut ihr dies nicht sieht es in 99% aller Fälle nicht sehr rosig für eure Zukunft aus.
Jugend Deutschlands Mike Mad – 28.07.10
„Dieser finanziellen Zusatzbelastung der Stadt stehen nach Überzeugung der in diesem Aufgabenbereich vor Ort tätigen Mitarbeiter keine nennenswerten Vorteile in der Zusammenarbeit gegenüber“Stimmt genau, denn die Jugend von heute hat morgen eh keine Chance mehr, schon garnicht unter Gymnasialstufe oder wenn sie aus dem falschen Stadtteil kommt. Warum noch investieren? Solange Entscheidungsträger Aktienkurse höher einschätzen als unsere Kinder solange wird Deutschland sterben!