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Jugendliche Sucht nach Pornos steigt

Fachstelle Mediensucht Jugendliche Sucht nach Pornos steigt

24 Monate lang haben Mitarbeiter der Fachstelle Mediensucht in einem Präventionsprojekt an Schulen der Region junge Leute über Internetsucht aufgeklärt. Immer mehr Menschen wenden sich an die Medientherapeuten von „return“, weil sie ihren Konsum an Pornos bedenklich finden.

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Klären über den Konsum von Internetpornografie auf: Eberhard Freitag (l.) und Dietrich Riesen (r.) mit dem Auszubildenden Enis Ciplak.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. „Fit for Love?“ lautet der Titel eines Aufklärungsbuches. Und die Frage, ob und wie man fit für die Liebe wird, und auch die, woran es möglicherweise scheitert, hat „return“, die Fachstelle Mediensucht, in den vergangenen zwei Jahren mit vielen Jugendlichen diskutiert. 24 Monate lang haben Mitarbeiter der Einrichtung in einem Präventionsprojekt an Schulen der Region junge Leute über Internetsucht aufgeklärt. Gut 60 Veranstaltungen hat „return“ organisiert und dabei rund 2000 Jugendliche erreicht, aber auch Mitarbeiter pädagogischer Einrichtungen geschult. Die Klosterkammer Hannover hat das Projekt mit 20 000 Euro unterstützt.

Fest steht: Immer mehr Menschen wenden sich an die Medientherapeuten von „return“, weil sie ihren Konsum an Pornos bedenklich finden. Im Jahr 2008 kamen vier Klienten, die unter ihrer Abhängigkeit litten; für dieses Jahr rechnen die Mitarbeiter mit 60 Klienten, zumeist Männer. Fest steht nach Beobachtung der Therapeuten auch, dass der Konsum von Internetpornografie bei Jugendlichen kontinuierlich steigt. „20 Prozent der männlichen Jugendlichen schauen täglich Pornos im Netz“, sagt Eberhard Freitag vom Leitungsteam der Fachstelle - so das Ergebnis einer wegweisenden Untersuchung aus dem Jahr 2008. Heute, da nahezu jeder Jugendliche ein Mobiltelefon mit sich herumträgt, dürfte die Zahl höher ausfallen.

Junge Männer schauen häufiger Pornos

Mit Schülern von der achten Klasse an aufwärts haben Mitarbeiter der Beratungsstelle in den vergangenen zwei Jahren gesprochen. Enis Ciplak, mittlerweile 19, war in einer dieser Klassen. Der junge Mann, jetzt Auszubildender bei VW, fand die Beratung gut, sagte er beim gestrigen Pressegespräch. Ciplak ist kein Klient, aber er kennt es aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis, dass junge Männer häufig Pornos schauen - „weil sie keine Freundin haben oder weil sie Stress vergessen wollen“.

Das seien ganz typische Muster bei dieser Form der Abhängigkeit, sagt Freitag. Dazu kommt: Viele Pornokonsumenten hätten innere Drehbücher, wie Sexualität aussehen sollte, und wollten diese in der Realität umsetzen - oft gegen den Willen ihrer Partnerinnen.

Entzugserscheinungen und negative Konsequenzen

Die Gespräche in den Schulen seien nicht moralisierend verlaufen, so Mitarbeiter Dietrich Riesen. Vielmehr sei man stets zu dem Punkt gelangt, an dem Schüler auch „über Sehnsüchte sprechen“. Über die Sehnsucht nach einer festen Freundin, danach, die innere Leere zu füllen, oder auch danach, den Pornokonsum in den Griff zu bekommen. Denn bei dieser Sucht, sagt Eberhard Freitag, sei es wie bei anderen Süchten: Die Betroffenen steigerten die Dosis, litten unter Entzugserscheinungen und nähmen negative Konsequenzen in Kauf - etwa wenn sie auch während ihrer Arbeitszeit auf Pornoseiten gingen.

Der Bedarf an Hilfe scheint auf verschiedenen Ebenen groß zu sein. Im Oktober startet in der Fachstelle Mediensucht, die auch das Handbuch „Fit for Love?“ herausgegeben hat, eine neue Gruppe: Regelmäßig treffen sich an der Kirchröder Straße dann Ehefrauen pornosüchtiger Männer.

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