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Randale in Kröpcke-Center

Jugendliche Zerstörungswut mit lebenslangen Folgen

Von Vivien-Marie Drews

Ihr Motiv klingt denkbar banal. Ein bisschen Spaß wollten sie haben. Mehr nicht. So beteuern es die vier Jugendlichen, die am Wochenende nachts in das Kröpcke-Center drangen, Waschbecken aus den Verankerungen rissen, Rigipswände eintraten, Wasserleitungen beschädigten, ihrer Zerstörungswut freien Lauf ließen.
Kein Spaß mehr: Das Wasser sickerte durch das gesamte Gebäude am Kröpcke.

Kein Spaß mehr: Das Wasser sickerte durch das gesamte Gebäude am Kröpcke.

© Florian Wallenwein

Bei der Polizei heißt es, die Jugendlichen seien inzwischen voller Reue.

Das ist alles andere als verwunderlich. Der Schaden geht in die Millionen, eines der großen Innenstadtgeschäfte musste einen Tag lang schließen, Leitungswasser hat Inventar und Technik beschädigt. Am Tag danach stellt sich die Frage: Welche Form von Spaß trägt so zerstörerische Züge? Und wie bloß konnten die vier Schüler und Auszubildenen im Alter von 17 bis 19 Jahren einer derart fixen Idee verfallen und sich ihre Zukunft innerhalb weniger Minuten verbauen? Denn sollten sie für den entstandenen Schaden haften müssen, wird sich wohl ihr gesamtes Leben im Schatten eines Schuldenbergs abspielen.

Nach Angaben der Polizei haben die Ermittler inzwischen drei der vier jungen Täter vernommen. Alle sind geständig, alle räumen ein, dass Alkohol im Spiel war. „Wie betrunken sie während der Tat waren, lässt sich nicht mehr nachvollziehen“, sagt Polizeisprecherin Martina Stern. Als die Beamten die Jugendlichen am Sonntagnachmittag stellten, war der Alkoholpegel längst verflogen. Etwa 16 Stunden zuvor waren die vier über eine provisorische Treppe in das Gebäude gelangt, das derzeit mit Millionenaufwand umgebaut und erweitert wird. In den oberen, leer stehenden Etagen zerstörten sie alles, was ihnen in den Weg kam. Unter anderem demolierten sie einen Waschraum und beschädigten dabei mehrere Wasserleitungen. Das sollte schwerwiegende Folgen haben.

„Da lief ein regelrechter Wasserfall an der Fassade runter“, sagt Kai Prenzel. Der Hannoveraner hatte sich am Sonntag gegen 9.25 Uhr zum Brötchenholen in Richtung Mövenpick aufgemacht und kurz darauf das Wasser bemerkt, das aus den Außenwänden des Kröpcke-Centers strömte. Prenzel alarmierte die Feuerwehr. Fast gleichzeitig erreichte der Anruf eines Wachmanns, der auf der Baustelle seinen Dienst tat, die Leitstelle.

„Wir waren fast vier Stunden im Einsatz“, berichtete am Dienstag ein Feuerwehrsprecher. Mit mehreren Pumpen beförderten die Einsatzkräfte das Wasser aus dem Gebäude, das bis in die Verkaufsräume des Modegeschäfts Peek & Cloppenburg in den unteren Etagen durchgesickert war und dort vermutlich den Großteil des Schadens anrichtete. Aus dem Modeunternehmen gab es gestern keine Stellungnahme. Bekannt ist aber, dass außer Bekleidungsstücken auch zahlreiche Einrichtungsgegenstände beschädigt sind, Teppiche und Parkett aufgeweicht und die Rolltreppen zunächst nicht zu benutzen waren. Am Dienstag war alles so weit repariert, dass der Geschäftsbetrieb wieder starten konnte.

Möglicherweise hätte niemand den vier Geständigen die Tat jemals nachweisen können. Am Sonntagnachmittag aber kehrten zwei der Täter zur Baustelle zurück, offenbar um Freunden ihr zerstörerisches Werk zu präsentieren. Ein Wachmann wurde auf die Gruppe aufmerksam und rief die Polizei. Die Verdächtigen gestanden ohne Umschweife.

„Über die Hintergründe lässt sich nur spekulieren“, sagt Gerd Kuznik, Leitender Psychologe an der Hannoverschen Kinderheilanstalt. „Möglich ist etwa, dass die Jugendlichen aus der Norm ausbrechen wollten – das kann mit einem Wunsch nach Selbstwertsteigerung zusammenhängen.“ Womöglich hätten sich die Jugendlichen während der Tat gegenseitig hochgeschaukelt.

Warum es am Sonntag die beiden 17-Jährigen zurück auf das Gelände zog, kann nach Einschätzung des Psychologen unterschiedliche Gründe haben. „Das kann mit dem Wunsch nach Anerkennung zu tun haben“, sagt Kuznik. Denkbar sei aber auch, dass die Jugendlichen unterbewusst den Wunsch verspürten, sich und ihre Schuldgefühle zu offenbaren.

Hinzu kommt nun eine weitere drückende Last: Alle Täter müssen, wenn sie strafmündig sind, für die mutwillige Zerstörung haften, und das vermutlich über Jahrzehnte. Da sie den Schaden durch eine Straftat anrichteten, hilft auch eine Privatinsolvenz nur teilweise. „Ein Verbraucherinsolvenzverfahren mit Restschuldbefreiung umfasst keine Deliktsforderungen“, sagt Rechtsanwalt Volker Römermann. Immerhin lassen sich mit dem Instrument aber die Folgen abmildern. Noch aber ist nicht ausgeschlossen, dass die Täter nur für einen Teil des Schadens aufkommen müssen. Nach Einschätzung von Ralf Bredehöft vom Versicherer VGH, muss unterschieden werden. „Es gibt den Schaden, den die Jugendlichen vorsätzlich anrichteten, als sie die oberen Etagen des Gebäudes auseinandernahmen. Der zweite Schaden entstand, als das Wasser durch das Gebäude sickerte“, sagt Bredehöft. Dass dies mit Vorsatz geschah, sei wohl nur schwer nachzuweisen. „In dem Fall würde die Haftpflichtversicherung zumindest für diesen Teil des Schadens zahlen.“ In der Regel seien Jugendliche und Auszubildene über die Haftpflichtversicherung ihrer Eltern abgedeckt.

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  • Psychologen Trish – 25.02.10
    Es ist schön das die Psychologen von heute alles auf ein niedriges Selbswert gefühl reduzieren. Ich finde, solche meinungen sollten erst Kundgetan werden wenn man die Täter Psychologisch betreut ha, anstatt hier irgendwelche "veralgemeinerungen" kund zu tun. Es gibt neben einem Niedrigen Selbswertgefühl auch noch andere nette dinge die Jugendliche dazu bringen die Kontrolle zu verlieren was dann duch Alkoholkonsum auch gleich noch mal verstärl´kt wird. Man kann jetzt auch sagen "Die wolten ihre Aggresionen/Wut herauslassen". Aber dann steht auch immer die Frage im Raum, wodurch diese, warscheinlich, unterschwellige Wut ausgelöst wurde.
  • @ RS Dr. Hans Olg – 24.02.10
    Wie undifferenziert können eigentlich Laien denken ohne Sach- und Rechtskenntnis und ständig Äpfel mit Birnen vergleichen? :P
  • @ K.Meine Rubber Duck – 24.02.10
    Zitat. " Mein Mitgefühl gilt insbesondere den Eltern der Täter."

    Die Eltern sind nach amtlichem Sprachgebrauch "Erziehungsberechtigte". M. A. sind Eltern jedoch Erziehungsverpflichtete. Wer bitte sollte es denn sonst tun?

    Die haben in diesem Fall ganz offensichtlich versagt. Deshalb wäre es m. A. mehr als angemessen wenn die Eltern für den Schaden, den ihre missratenen Sprösslinge da mutwillig angerichtet haben, zur Verantwortung gezogen werden.


    Mein Mitgefühl gilt vielmehr den Bauleuten und Reinigungskräften sowie den Mitarbeitern von P&C, die den ganzen Dreck nun wegmachen müssen.
  • Randale RS – 24.02.10
    Zitat aus dem Artikel:
    "Der zweite Schaden entstand, als das Wasser durch das Gebäude sickerte“, sagt Bredehöft. Dass dies mit Vorsatz geschah, sei wohl nur schwer nachzuweisen."

    Motto : Ich rammte dem Opfer mein Messer in den Bauch. Dass es dadurch schwere gesundheitliche Schäden erlitt, konnte ich nicht wissen. Ich bin ja kein Arzt.

    Wie weltfremd sind sind manche Menschen (Juristen) eigentlich.
  • @ K Meine R Schenker – 24.02.10
    "Mein Mitgefühl gilt insbesondere den Eltern der Täter."

    Mein Mitgefühl für diese Erziehungs- und Wertevermittlungsversager hält sich in Grenzen.
  • @ Frau Drews Dr. Hans Olg – 24.02.10
    "Alle Täter müssen, wenn sie strafmündig sind, für die mutwillige Zerstörung haften,..."
    Sie sollten wissen, dass die Strafmündigkeit nun rein gar nichts mit der zivilrechtlichen Deliktsfähigkeit zu tun hat, will sagen, die Frage nach der Strafmündindigkeit ist losgelöst von der Haftung. Sie vermischen das hier und geben insofern eine falsche Information, die sich so leider auch in der heutigen Printausgabe findet.
    Das geht besser!
  • Zerstörung durch Jugendliche Feder – 24.02.10
    Sie sollten auf jedenfall für das, was sie angerichtet haben aufkommen! Man hat das Gefühl, das es keinen Respekt mehr vor materiellen Dingen anderer gibt. Da bauche ich nur unsere Kreissporthalle, die nicht nur von den Sportvereinen sondern auch von der Schule genutzt wird, angucken - alles kaputt!!! Dies ist aber nicht während den Trainingszeiten der Sportvereine passiert. Wenn das so weitergeht: ARMES DEUTSCHLAND!!!
  • Grobe Fahrkässigkeit Die Stimme der Vernunft – 24.02.10
    Seit wann zahlt eine Haftpflichtversicherung bei grober Fahrlässigkeit ? Ich weis das, dies bei KFz-Versicherungen der Fall ist, aber bei eine Privathaftpflicht?

    Wenn jemand eine Wasserhahn abtritt, tritt dort sofort eine große Menge Wasser aus. Wer dann nicht Maßnahmen ergreift die Folgen seines Tuns zu verhindert (Notfalls die Feuerwehr ruft) der handelt meiner Ansicht nach grob fahrlässig. Aber es wird sich wohl irgendein "psychologischer Gutachter" finden der das Gegenteil beweist.

    Dankbar bin ich der HAZ , das hier klar herausgestellt wird das solches Handeln LEBENSLANGE Folgen hat und das man sich auch nicht durch eine Privatinsolvenz da herausstehlen kann.

    Ich fände es schön wenn dieses Thema aktuell auch in den Schulen angesprochen wird (Sozialkunde etc) um es den Jugendlichen noch mal klar zu machen das das eigene Handeln Folgen hat.
  • Jugend u Randale K Meine – 24.02.10
    "Aktionen" dieser Art sind kein neues Phänomen.
    Einbruch u Verwüstung auf Baustellen, in Gatenlauben oder leerstehenden Gebäuden ist fast ein Alltagsdelikt.

    Allerdings wurde hier ein Prestigeobjekt verwüstet und es entstand ein enormer Schaden.

    Mein Mitgefühl gilt insbesondere den Eltern der Täter.
  • Selbstwertsteigerung Rubber Duck – 23.02.10
    indem man Türen einschlägt und Wasserhähne abtritt? Wie wenig Selbstwertgefühl kann ein Jugendlicher denn heutzutage haben?

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