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96-Jugendspieler wollten Spielhalle überfallen

Ermittlungen der Polizei 96-Jugendspieler wollten Spielhalle überfallen

Drei Fußballer aus dem Nachwuchsleistungszentrum von Hannover 96 haben gestanden, einen Überfall auf eine Spielhalle geplant zu haben – mit Sturmmaske und Gaspistole. Kurz vor der Tat hatte die 18- und 19-Jährigen dann aber der Mut verlassen. Hannover 96 hat die Spieler suspendiert, solange die Ermittlungen der Polizei laufen.

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Quelle: dpa/M.

Hannover. Weil sie aber an ihrem Fluchtfahrzeug die Kennzeichen ausgetauscht und es später im Halteverbot geparkt hatten, sind sie aufgeflogen: Die Polizei brach den Wagen auf und entdeckte die Werkzeuge. Das Ganze ereignete sich am 2. Februar. Hannover 96 hat die drei, darunter den Mannschaftskapitän, bereits beim Spiel gegen Erfurt am Sonntag nicht auflaufen lassen. „Wir können nicht zur Tagesordnung übergehen“, sagt Geschäftsführer Martin Bader: „Sie sind vom Training suspendiert, solange die Ermittlungen laufen.“

Die Polizei wertet die Tat nicht als Dummejungenstreich. Sie ermittelt gegen die geständigen Mitglieder der U19-Mannschaft wegen des Verdachts des versuchten Raubes, Verstoß gegen das Waffengesetz, Diebstahl von Autokennzeichen und Urkundenfälschung. Mannschaftskapitän Marcel L., Stürmer Mohamad D. und Abwehrspieler Enes B. sollen Sturmhaube, Schals, Handschuhe und einen Schreckschussrevolver im Audi A 3 des Vaters eines der Nachwuchstalente verstaut haben und sich dann auf den Weg nach Lauenau (Schaumburg) gemacht haben. Dort sollen sie von zwei anderen Autos die Kennzeichen entwendet und an den Audi montiert haben. Obwohl die Vorbereitungen für den Überfall bereits so weit fortgeschritten waren, machten sie kurzfristig doch noch einen Rückzieher. „Zu den Motiven für den Rücktritt von der Tat können wir uns noch nicht äußern“, sagt Gabriela Mielke von der Nienburger Polizei, bestätigt aber: „Sie haben die Vorwürfe in ihrer ersten Befragung teilweise eingeräumt.“ 96-Geschäftsführer Martin Bader sagt gegenüber der HAZ: „Die Jungs haben eine Riesendummheit gemacht. Es ist niemand zu Schaden gekommen, das ist das einzig Gute. Es entschuldigt aber nicht ansatzweise, was die Jungs vorhatten.“

Unklar ist, warum die Spieler überhaupt den Plan zum Spielhallen-Überfall gefasst hatten. Beim Verein erhalten Spieler dieser Klasse in der Regel eine dreistellige Aufwandsentschädigung. Dem Vernehmen nach sollen Spielschulden der Antrieb gewesen sein. Behördensprecherin Mielke machte dazu am Montag „keine Angaben. Die Beschuldigten müssen zunächst noch ein zweites Mal vernommen werden“. Den Tatort in Lauenau hatte die drei offenbar mit Bedacht gewählt. Einer der Fußballer wohnt in Messenkamp, einer Gemeinde in unmittelbarer Nähe, und kannte daher vermutlich Umgebung und Spielhalle.

Aufgefallen war der Audi mit den zwei unterschiedlichen Kennzeichen der Besatzung eines Streifenwagens des Kommissariats Nordstadt. Die Beamten nahmen Kontakt zum Halter des Audi, dem Vater des 18-Jährigen, auf. Dann flog die ganze Geschichte auf.

Geschäftsführer Bader war froh, dass zumindest niemand zu Schaden gekommen ist: „Das hat sich hochgeschaukelt, wie bei einem Videospiel, bei dem man ins nächste Level geht. Gott sei dank sind sie umgekehrt und nach Hause gefahren und haben das Auto im Halteverbot geparkt. Sie haben auch sofort bei der Polizei alles zugegeben. Auch wir haben mit ihnen lange Gespräche geführt.“

Bader räumte gegenüber der HAZ ein, es bestehe Nachholbedarf bei der Betreuung der jungen Spieler außerhalb des Sports: „Wir müssen dafür sorgen, dass sie auch nach dem Training Halt finden. Das können wir zurzeit räumlich und personell nicht anbieten. Deshalb ist auch unser im Bau befindliches Nachwuchsleistungszentrum so wichtig, weil die Spieler dort auch pädagogisch und psychologisch betreut werden können.“ Ähnlich äußerte sich der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, Jens Rehhagel. Zwar sei es Aufgabe der Nachwuchsbetreuer, ihren Schützlingen bei Problemen im Alltag Hilfe anzubieten. Das sei aber nicht immer machbar, „schließlich können wir nicht 24 Stunden am Tag neben den Jungs stehen“.Er kündigte an, sich „bald mit den Jungs und ihren Eltern an einen Tisch“ zu setzen. Er schließe allerdings nicht aus, dass sie eine Zukunft im Verein haben.

Neues Zentrum für den 96-Nachwuchs

Hannover 96 lässt derzeit das 1921 erbaute und unter Denkmalschutz stehende Eilenriedestadion in ein modernes Nachwuchsleistungszentrum umbauen. Rund 20 Millionen Euro soll das Projekt kosten. Den finanziellen Aufwand trägt allein der Verein. Auf dem Gelände entstehen sechs Trainingsplätze, drei Kleinfelder, eine Sporthalle, ein Gebäude für ärztliche und physiotherapeutische Behandlungen sowie ein Sportinternat.
Die Baumaßnahme ist ein ambitioniertes Projekt. Das Spielfeld im denkmalgeschützten Stadion wird um 90 Grad gedreht. Das Tribünengebäude bleibt erhalten, es wird im Inneren Umkleidekabinen und Nebenräume beherbergen. Einen Teil der Ränge will man zur VIP-Tribüne umgestalten. Gleichzeitig wird an der Stammestraße ein neues Breitensportzentrum mit eigenem Klubhaus für die übrigen Sportarten gebaut.

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Geplanter Überfall

Die drei Nachwuchsspieler von Hannover 96, die einen Überfall auf eine Spielhalle in Lauenau geplant haben sollen, kommen aller Voraussicht nach glimpflicher davon als vermutet. Wie die Staatsanwaltschaft Bückeburg Freitag itteilte, hat sie besonders schwerwiegende Tatvorwürfe fallen gelassen.

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