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Aus der Stadt Jugendzentrum in Kleefeld steht vor dem Aus
Hannover Aus der Stadt Jugendzentrum in Kleefeld steht vor dem Aus
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00:15 09.07.2017
Von Gabi Stief
Fast 200 Jugendliche haben das Jugendzentrum in den vergangenen sechs Jahren besucht. Quelle: Uwe Dillenberg
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Hannover

Der evangelische Stadtkirchenverband spart. Jüngstes Opfer unter den kirchlichen Einrichtungen: das einzige Jugendzentrum im Stadtteil Kleefeld. Es soll Ende 2017 geschlossen werden. Bereits seit Jahren befinde sich die Einrichtung wirtschaftlich in der Schieflage, begründet Stadtjugendpastor Torsten Pappert die Entscheidung des Verbandstages. Die Zuschüsse der Stadt, jährlich etwa 94 000 Euro, reichten nicht aus, um die Kosten zu decken. Pappert vermisst eine intensive Diskussion über die Finanzierung offener Jugendeinrichtungen. Zwar bemühe sich die Stadt seit Jahren um eine Neuorganisation der Kinder- und Jugendarbeit - „allerdings fehlen noch entscheidende Schritte“. Für Verbände werde es immer schwieriger, ein „Normalangebot“ kostendeckend zu betreiben.

Kirche zahlt immer mehr

Im Gegensatz zu vielen anderen Jugendeinrichtungen ist die Kirche in der Kleefelder Hölderlinstraße nicht Mieter, sondern Hausherr. Was normalerweise ein Vorzug ist, erweist sich in diesem Fall als Nachteil: Alle Nebenkosten und Unterhaltskosten für das weiträumige ehemalige Pfarramt, in dem auf drei Etagen Jugendlichen aus der Nachbarschaft Räume zum Spielen, Musizieren, Tanzen, Boxen und Klönen und ein großer Garten mit Grillplatz angeboten werden, gehen zulasten des Stadtkirchenverbands. Die üblichen Mietzuschüsse der Stadt entfallen. Seit Längerem habe man nach einer städtischen Immobilie für das Jugendzentrum gesucht, um zu sparen, sagt Pappert. Jedoch ohne Erfolg. Die Stadt beteiligt sich zwar an der Finanzierung der anderthalb Mitarbeiterstellen. Die jährlichen Tarifsteigerungen bleiben jedoch unberücksichtigt, sodass die Kirche Jahr für Jahr mehr aus der eigenen Kasse beisteuern muss. Stadtweit betreibt die evangelische Kirche weitere vier Jugendtreffs, unter anderem in Linden und Vahrenwald.

Kerstin Schmidt, eine der beiden Mitarbeiterinnen im Kleefelder Jugendzentrum, bedauert den Beschluss des Stadtkirchenverbands und hofft noch auf eine Wende. 189 Jugendliche, überwiegend im Alter von zwölf bis 14 Jahren, haben in den vergangenen sechs Monaten das Zentrum besucht, viele regelmäßig. Die meisten haben ausländische Wurzeln, kommen aus weniger begüterten Elternhäusern und suchen Ansprechpartner für ihre Alltagsprobleme. Nach der Schließung stünden sie wieder auf der Straße, bedauert Diakonin Schmidt. „Sie brauchen jemanden zum Reden und einen Ort zum Treffen.“ Ähnlich sieht das Bezirksbürgermeister Henning Hofmann (SPD). Das Aus sei empörend. Der Stadtteil brauche dringend auch künftig Einrichtungen für Jugendliche.

Tatsächlich ist das Angebot in Kleefeld bescheiden. Zusätzlich zum Jugendzentrum, das die gesamte Woche über am Nachmittag geöffnet ist, betreibt die AWO an drei Tagen in der Woche einen offenen Kindertreff namens „Camelot“. Das nächste städtische Jugendzentrum, eines von insgesamt 14, befindet sich im Roderbruch. Eine Arbeitsgruppe, die sich einige Jahre lang mit der Neuorganisation der Kinder- und Jugendarbeit beschäftigte, stellte in ihrem Bericht 2015 fest, dass im Stadtbezirk Buchholz-Kleefeld mehr Familien leben als im stadtweiten Durchschnitt. Die Kinderarmut sei doppelt so hoch wie im gesamten Stadtgebiet. Zum Kleefelder Jugendzentrum vermerkt der Bericht als dringende Aufgabe: Aufstockung auf zwei Mitarbeiterstellen und Umzug in ein städtisches Gebäude.

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