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Amoklauf-Inszenierung

Junges Schauspiel: Die Vorgeschichte einer Bluttat


Amokläufe an Schulen wie in Winnende, Erfurt oder im US-amerikanischen Columbine kosten Menschenleben, bringen unendliches Leid über die betroffenen Familien und entfachen hitzige öffentliche Diskussionen. Das Schauspiel Hannover inszeniert die Vorgeschichte eines auf der Bühne.
 Die Schüler proben eine Szene des Theaterstücks „komA“, in der ein Schüler von seinen Kameraden gehänselt wird.

Die Schüler proben eine Szene des Theaterstücks „komA“, in der ein Schüler von seinen Kameraden gehänselt wird.

© Handout / Junges Schauspiel

Alles dreht sich immer wieder um die Frage nach dem Motiv des Amokläufers. Doch einfache Antworten gibt es nicht. Eine Schule ist ein fein verzweigtes soziales Netz, aus dem manchmal Schüler herausfallen. Und in wenigen Fällen sieht so ein Schüler seinen einzigen Weg in der Gewalt. Doch jede Tat hat eine Vorgeschichte. Und eine solche Vorgeschichte will das Junge Schauspiel mit dem Stück „komA“, das am 9. April seine Erstaufführung in Deutschland hat, ergründen.

Welcher Ort könnte dafür besser geeignet sein als eine Schule? Ein Jahr nach dem Amoklauf von Winnenden soll das Publikum direkt mit den Ängsten und Sehnsüchten der Schüler und Lehrer konfrontiert werden. Unter der Regie von Mirko Borscht wird das Gymnasium Tellkampfschule zur Bühne. 19 Schüler von unterschiedlichen hannoverschen Schulen und zwei Lehrer der Tellkampfschule agieren als Schauspieler. Zwei Ensemblemitglieder des Schauspiels Hannover, die ebenfalls mitwirken, unterstützen die Jugendlichen.

Das fiktive Stück „komA“ von den österreichischen Autoren Georg Staudacher und Volker Schmidt, das im Jahr 2007 uraufgeführt wurde, will in Form eines Stationentheaters die mögliche Vorgeschichte eines Amoklaufs an einer Schule und dessen Ursachen und Zusammenhänge sichtbar machen. Die Zuschauer werden in vier Gruppen eingeteilt, die unterschiedlichen Figuren folgen und durch die Schule ziehen. Von der Turnhalle bis zum Lehrerzimmer dient das gesamte Gebäude als Spielstätte.

Die Schulleiterin Helma Kaienburg weiß, dass das Theaterstück nicht die Welt verändern wird, aber „es kann zum Nachdenken anregen“. Bei ersten Proben sei sie erschrocken gewesen, sagte sie: „Was wir gesehen haben, war in weiten Teilen unser schulischer Alltag.“ Zu sehen sei, wie wenig die Lehrer vom Leben der Schüler mitbekommen würden und wie wenige Signale sie aufschnappten. Jede Schule muss sich mit dem Thema Amoklauf und möglichen Ursachen auseinandersetzen. „Denn niemand kann sagen: So etwas passiert nicht bei uns.“
Die Resonanz zu dem Projekt sei bei Lehrern und Eltern positiv gewesen. Auch die Pädagogen arbeiten intensiv an dem Stück mit. Einmal pro Woche gibt es ein Treffen, bei dem sie die Lehrerfiguren entwickeln – welche Ängste haben die Charaktere, wie gehen sie mit diesen um?

Torsten Burow, Lehrer an der Tellkampfschule, hat viele Gründe, weshalb er sich sozusagen selbst spielt: „Ich arbeite hier seit 38 Jahren, und jetzt bekomme ich am Ende die Möglichkeit, die Schule aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.“ Für den 64-Jährigen schließt sich mit diesem Projekt der Kreis seines Berufslebens. Vor allem bei den Proben ist Burow bewusst geworden, wie wenig Lehrer von Schülern wissen. Denn die Schüler arbeiten nicht mit vorgegebenen Texten, sondern sie reden so, wie sie es auch sonst tun. Nur die Themen, über die sie sprechen, sind festgelegt.

Begleitend zum Projekt veranstaltet das Junge Schauspiel am 10. April den Thementag „Amoklauf an Schulen“.

Sarah Pancur

Weitere Aufführungen sind am 13., 14., 15., 20., 21. und 22. April geplant, jeweils um 19 Uhr, in der Tellkampfschule, Altenbekener Damm 83. Der Eintritt beträgt 18 Euro, ermäßigt 7,50 Euro. Karten sind am Staatstheater telefonisch unter (0511) 999911 11 erhältlich.

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