Der alte, vor knapp 50 Jahren vom Architekten Dieter Oesterlen gebaute Plenarsaal soll zumindest teilweise, womöglich sogar ganz abgerissen werden. Das sehen die Architektenentwürfe vor, die mit ersten Preisen ausgezeichnet worden sind.
Einem dieser Pläne zufolge würden die Betonmauern zum Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platz und zur Leine weitgehend erhalten bleiben, die Front zum Platz der „Göttinger Sieben“ aber müsste weichen – und durch eine neue, überwiegend gläserne Konstruktion ersetzt werden. Wie aus Kreisen der Jury verlautete, haben sich die anwesenden Vertreter des Denkmalschutzes mit dieser Variante einverstanden erklärt. Sie soll auch bei vielen Jury-Mitgliedern auf Wohlgefallen gestoßen sein. Dieser Plan nimmt Anklang an Überlegungen, die schon 2002 unter dem damaligen Landtagspräsidenten Rolf Wernstedt (SPD) angestrengt worden waren, aber anschließend wegen Geldmangels nach dem Regierungswechsel zu CDU und FDP nicht umgesetzt wurden.
Die Jury hat gestern Abend an einem geheim gehaltenen Ort – nach HAZ-Informationen war es das Henriettenstift – auch mehrere andere Vorschläge erörtert. Zu denen, die es ebenfalls auf die ersten Plätze geschafft haben, gehören Ideen, den alten Plenarsaal vollständig abzureißen. Der Neubau sollte dann modern mit viel Glas gestaltet werden. Einige Entwürfe legen nah, eine betont runde Form zu wählen. In der Endauswahl waren gestern noch 16 Entwürfe von ursprünglich 60.
Die Jury prämiert die ersten fünf Preise, ohne dass damit allerdings schon über den Umbau an sich entschieden wäre. Wichtig ist die Sitzung der Baukommission in den nächsten Wochen, die sich für einen der prämierten Entwürfe entscheiden muss – und das muss nicht der von der Jury ausgewählte erste Platz sein. Ohnehin handelt es sich bei den jetzt ausgezeichneten Wettbewerbsarbeiten zunächst um grobe Entwürfe, die später noch konkretisiert werden müssen. Dafür ist maßgeblich, welcher Entwurf von der Baukommission favorisiert wird.
Für den Umbau des Parlaments sind 45 Millionen Euro vorgesehen, die Hauptarbeiten sollen bereits Mitte des Jahres beginnen. Eine Debatte war vor allem um die Zukunft des alten Oesterlen-Baus entbrannt. Eine breite Mehrheit im Landtag hatte einen Abriss des Gebäudes nicht ausgeschlossen, was unter anderem von Denkmalschützern vehement kritisiert wurde. Im Parlament hatten nur die Grünen dafür plädiert, den alten Plenarsaal wenigstens teilweise zu erhalten und zu sanieren.
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Kommentare
Architekt Yi will Abriss! H. Hannover – 17.02.10
Bravo Herr Yi! Weg mit dem Oesterlen-Bau! Aber bitte nicht Ihren Entwurf realisieren, denn den werden wir in den nächsten Jahrzehnten genauso wie den Oesterlen-Bau abreissen müssen!Plenarsaal nobody knows – 14.02.10
Genau!!!Baut noch so einen Glasklops wie die Nord LB.Die Gebäudereinigerinnung wird es euch danken(immer schön die Folgekosten außer Acht lassen!).Liebe Protestler und Politikverdrossene, leser – 14.02.10
...dann behaltet doch am besten euren schönen Landtag. Vielleicht verdient Hannover ja tatsächlich nichts Schöneres. Offenbar ist man mit Oesterlens "Meisterwerken" ja doch gar nicht so unzufrieden, wie man als halbwegs geschmackvoller Betrachter meinen könnte.Und an all jene, die hier in alter, abgelatschter Manier lauthals das Ende der Demokratie, die Dekadenz der Parteien (der mit der Tiefgarage war wirklich gut!) und was-weiß-ich noch alles verkünden: Wer von euch hat von seinem Wahlrecht Gebrauch gemacht? Wer von euch hat eine Bürgerinitiative oder ein sonstiges Bündnis gegründet, um sich politisch zu engagieren? Ist das nicht Stammtisch-kompatibel? Oder sind eure Stimmen nur hier im anonymen Forum so laut?
Verbleibender Lavesbau als Dinklas Mausoleum? pepitta – 14.02.10
Beim 1. Preis wirkt der verbelibende Lavesbau mit Portikus wie ein Mausoleum, ja: wie das Mausoleum für Dinkla.Nicht im Berggarten gelegen, sondern im "Dinklaschen Hofgarten".
Ironie der Geschichte, dass Könige von heute es den Königen von damals gleichtun wollen?
Ein Wort: Jens – 13.02.10
"Katastrophe"Das trifft es aus meiner Sicht sehr gut.
70 Millionen Euro - wer an die 45 glaubt, glaubt auch an den Osterhasen - werden hier ohne jedes politische Gespür verprasst.
Nicht in eine Investition oder Instandhaltung, sondern in einen unwichtigen Protzbau.
Wie das finanziert werden soll? Selbstverständlich durch Schulden.
Ich bin ja mal gespannt, wann irgendjemandem auffällt, dass die dann wieder frei stehende Fassade des Leineschlosses auch noch saniert werden muss, für läppische weitere 25 Millionen. Aber dann ist man ja wieder in Zugzwang und die paar Schulden machen den Kohl auch nicht mehr fett.
Nur noch wundern kann ich mich über die auffällig neutrale Rolle, die Madsack in dieser Sache einnimmt.
Unglaublich Frank – 13.02.10
Liebe "Expertenjury", dann sollten SIE auch diesen Irrsinn bezahlen. Offenbar haben sie zu viel Geld - bei den öffentlichen Kassen ist das anders, was ihnen sicher entgangen ist oder es ist ihnen sch...egal! Kann man mal die Namen dieser "Experten" haben!Umbau etc. Väterchen Frost – 13.02.10
Ich kann mich noch genau an die Debatte erinnern, die geführt wurden, ja sogar beim Tag der offenen Tür des Landtages, als die Umbau/Abrisspläne das erste Mal publik wurden. Die Proteste waren sehr berechtigt, wie ich finde und hatten damals zur Wirkung, das angeblich in Regierungskreisen nocheinmal über einen Umbau statt über einen kompletten Abriss diskutiert werden sollte.Nun, ca. ein halbes bis dreiviertel Jahr später haben sich unsere ehrenwerten Volksdeppen wohl gedacht, dass der Bürger von heute ein Gedächtnis wie ein Sie besäße und das alles vergessen hat. Da kann man ja dann auch mal beschließen, was vorher zu Recht vom Bürger kritisiert wurde, noch dazu an einem geheimen Ort. Soviel zur zukünftigen Transparenz der Regierung samt ihres neuen Gebäudes. Glatte Volksverdummung, um diesen Begriff hier mit aller Vorsicht zu gebrauchen. Aber in diesem Falle ist er wohl angebracht. Und ja, die Politiker glauben, dass der Bürger bescheuert ist. Das glauben die sogar im ernst! Wahnsinn, oder? Solch eine Regierung und auch die Opposition gleich mit, sollte von ihren Mandaten entfernt werden und durch neue, vertrauenswürdigere ersetzt werden. Auch wenn das leider Utopie ist, was anderes ist nicht denkbar. Wer 45 Millionen in Zeiten der Geldknappheit von Kommunalen Haushalten für einen lächerlichen und überflüssigen Neu/Umbau ausgibt, anstatt sie dem Bürger, der sie verdient hätte, zur Verfügung zu stellen ( Schulsanierung, Straßenausbesserung neue Arbeitsplätze etc.), der sollte abgewählt werden und in der politischen Versenkung hinabsteigen und nach Möglichkeit dort versauern. Demokratie?? Wo denn, in diesem Lande??? Sicher nicht! Willkürherrschaft und Selbstverherrlichung, bzw. Verschwendertum sonder gleichen, das ist der Fall. Mit Demokratie hat das nichts zu tun. Aber mit uns kann man es ja machen. Wen wundert es, dass niemand mehr wählen geht für eine bessere Regierung, außer die Pattköppe deren Marionetten bereits an der Macht sind? Mich nicht und das ist traurig und zutiefst erschütternd.
danke michi wahnsinn – 13.02.10
du sprichst mir aus der seele. und jetz ab aufs klo...ich kann Michi – 13.02.10
gar nicht so viel essen, wie ich kotzen will...In der Jury sitzen sicherlich Dieter Bohlen und Heidi Klumm! So ein Kasper-Theater! Gut dass es Guido Westerwelle, der mich mit dem nötigen Vokabular ausstattet! "Spätrömische Dekadenz" trifft den Nagel auf den Kopf und "Die, die den Sozialstaat mit Füßen tretten, müssen sich entschuldigen!" passt auch nicht schlecht.
Glauben die eigentlich, dass der Wähler bescheuert ist und sich so etwas gefallen lässt? So eine unsinnige, derart kranke Verschwendung von Steuergeldern? Der Wähler hat eben nur einmal in fünf Jahren was zu sagen, die Zeit dazwischen ist geprägt von Gier, Selbstsucht und Interessenpolitik.
Auch wenn ich neben dem Schreiben des Kommentars ordentlich esse....zum Kotzen reicht es leider immer noch nicht.
Extrem passend whoknows – 12.02.10
Extrem passend ist es das die Kommision sich wohl in einem Krankenhaus getroffen hat, denn es ist extrem krank, dass für den planarsaal weniger Abgeordneter 45mio zur Verfügung stehen sollen, wärend z.B. 2Mio die nötig gewesen wären um am EU schulobstprogramm telzunehmen nicht vorhanden waren. Klar das hätte nur vielen Schülern ein gesundes frühstück ermöglicht, dass ist natürlich nicht so wichtig wie ein neuer Plenarsaal.Man kann auch anders sagen, die haben einfach den Schuss noch nicht gehört was eigentlich wichtig ist.
Baukommission Bürger – 12.02.10
Das mit der Baukommission würde mich dann doch auch mal näher interessieren. Wozu brauchen die denn eine Expertenjury wenn am Ende doch wieder die Politiker (unter Ausschluss der Öffentlichkeit?) entscheiden, dass sie vor allem eine Tiefgarage für ihre Dienstwagen brauchen und deshalb der Abriss-Entwurf umgesetzt werden wird?Rigoros ist famos Stier – 12.02.10
Die Göttinger Sieben sind kitschig. Oesterlens Plenarsaal ist veraltet. Wenn schon neu, dann richtig.Landtag zorro – 12.02.10
Kommentar wurde von HAZ.de gelöscht. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen unter www.haz.de/Nutzungsbedingungen.... links der leine – 12.02.10
Also ehrlich. Der Teil vom Oesterlen-Bau zum Platz der Göttinger Sieben ist doch noch der attraktivste. Das verstehe ich nicht.Und an alle Freunde eines Abrisses, die es ja auch hier im Forum gibt oder gab: Eine runde Front, oder schlimmer, ein runder Neubau, wären für die Symmetrie des Leineschlosses ja wohl eine Katastrophe!
Ich habe keine Ahnung wie die Entwürfe aussehen. Vielleicht gefällt mir sogar der eine oder andere. Aber für den sensiblen Ort wird es keinen besseren Plenarsaal geben als den jetzigen! Der hat wenigstens schon Geschichte und besteht eben nicht aus "transparentem" Glas und Stahl. Spätestens in 20 Jahren werden viele das nicht mehr modern finden und dem Oesterlenbau nachtrauern!
Jury für rigorose Steuerveruntreuung JS – 12.02.10
SO sollte die Überschrift des Artikels und der Tenor dessen sein.Wer entscheidet da eigentlich? Rubber Duck – 12.02.10
Wer sitzt in der "Fachjury", die diese 16 aus 60 Entwürfen ausgewählt hat?Wer sitzt in der Jury, die nun 5 der 16 Entwürfe prämieren soll?
Wer sitzt in der Baukommission die, unabhängig von den Vorentscheidungen der Juroren, einen Entwurf prämieren soll?
Und wer trifft dann letztlich die endgültige Entscheidung, evtl. über die Köpfe aller Fachleute hinweg?
Das hätte die HAZ schon mitteilen sollen damit der interessierte Bürger nachvollziehen kann was da von wem in wessen Interesse entschieden wird. Klar ist bisher nur wer nichts zu sagen hat. Der Bürger und Steuerzahler nämlich, der hat nur die 45 Mio. zu berappen (am Ende könnte es auch das Doppelte sein)und die Schnauze zu halten.