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Aus der Stadt Hannovers Stadtkämmerer geht zu Enercity
Hannover Aus der Stadt Hannovers Stadtkämmerer geht zu Enercity
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00:15 25.11.2016
Hannovers Kämmerer Marc Hansmann (SPD) wechselt zu den Stadtwerken.  Quelle: Surrey
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Hannover

Die Stadt Hannover habe Hansmann für dieses Amt vorgeschlagen, sagte Oberbürgermeister Stefan Schostok am Dienstag: „Dadurch werden wir in Zukunft eine extrem gute Verbindung haben.“

Über einen möglichen Wechsel von Hansmann zu den Stadtwerken hatte es im Rat bereits vor Monaten Spekulationen gegeben – der Kämmerer hatte diese jedoch dementiert. Seinen Sinneswandel begründet er mit der unternehmerischen Herausforderung, die Stadtwerke in das digitale Zeitalter zu führen: „Das ist hoch spannend, deshalb reizt mich diese Aufgabe.“

Der städtische Kämmerer und Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke, Marc Hansmann, wechselt 2017 in den Vorstand der Stadtwerke. Das gab er bei einer Pressekonferenz bekannt.

Wie andere Versorger leidet auch Enercity unter den Folgen der Energiewende. Wegen des großen Angebots an Ökostrom sind die Kraftwerke in Linden und Mehrum weniger am Netz und fallen als Gewinnbringer weg. Zuletzt haben die Stadtwerke mit 2500 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 2,3 Milliarden Euro erzielt, unter dem Strich blieb ein Gewinn von knapp 89 Millionen Euro übrig.

Die Landeshauptstadt hält rund 75 Prozent der Anteile und stellt damit den Chef des Aufsichtsrates, der den Vorstand kontrolliert. In dieser Funktion hat Hansmann im vergangenen Jahr die Suche der Nachfolgerin des scheidenden Vorstandsvorsitzenden Michael Feist maßgeblich vorangetrieben, seit April beaufsichtigt er die Tätigkeit von Susanna Zapreva – künftig wird sie seine Chefin sein. „Ich habe da keine Bauchschmerzen“, sagte Hansmann am Dienstag. Seine Tätigkeit an der Spitze des Aufsichtsrates nehme er im Auftrag der Stadt als Dezernent wahr, mit ihm als Person habe das wenig zu tun.

Kommentar

"Wie in alten schlechten Zeiten"

Der neue Enercity-Vorstand will künftig als Team enger zusammenarbeiten. Dazu gehöre auch, dass man die Zuständigkeiten nicht mehr so strikt trenne wie bisher, sagte Zapreva. So soll sich Hansmann zwar auch im neuen Job mit um die Finanzen kümmern, gleichzeitig aber ebenso die Technik in den Blick nehmen. „Es ist wichtig, dass wir bei der anstehenden Neuausrichtung von Anfang an geschlossen auftreten“, sagte Zapreva.

Im vergangenen Herbst hatten der alte Vorstand und der Aufsichtsrat das Konzept „K2025“ beschlossen. Es sah unter anderem vor, bei den Stadtwerken innerhalb der nächsten zehn Jahre jede achte Stelle abzubauen – auch weil die Gewinne um fast ein Drittel schrumpfen.

Die neue Vorstandschefin hält von dieser Strategie offenbar nicht viel – sie visiert unter dem Titel „Enercity 4.0“ andere Ziele an. „Wir wollen die treibende Kraft der digitalen Energiewende sein“, sagte Zapreva, ohne Details zu nennen. Vorliegen soll das neue Konzept im Februar 2017.

Geschäft ist schwieriger geworden

Das Geschäft der Stadtwerke ist schwieriger geworden. Mit der Öffnung der Energiemärkte muss sich auch der Versorger aus Hannover dem Wettbewerb stellen. Bisher ist es gelungen, die Abwanderung von Kunden zur Konkurrenz in Grenzen zu halten – aber wegen der Vergleichsportale im Internet achten die Verbraucher heute genauer auf die Preise von Strom und Gas. Enercity baut deshalb andere Geschäftsfelder aus: Zum einen wächst die Tochter Danpower im Wärmemarkt, zum anderen trägt die Beteiligung an der Münchner Thüga AG einen großen Teil zum Gewinn bei.
Die Thüga macht die Besitzverhältnisse bei Enercity kompliziert: Die Holdinggesellschaft ist an rund 100 Stadtwerken bundesweit beteiligt – mit 24 Prozent auch an Enercity. Gleichzeitig gehören die hannoverschen Stadtwerke wiederum zu den größten Anteilseignern der Thüga. Zu dieser Überkreuzbeteiligung ist es gekommen, als sich der alte Mutterkonzern Eon wegen kartellrechtlicher Auflagen von der Holding trennen musste. 

Das sind die Reaktionen auf den Wechsel

Der Wechsel von Finanzdezernent Marc Hansmann (SPD) in den Stadtwerke-Vorstand stößt in der Politik quer durch die Parteien auf ein positives Echo.

  • Hannovers CDU-Chef Dirk Toepffer lobt Hansmann als ausgewiesenen Finanzfachmann. Normalerweise müsste man ganz genau hinschauen, wenn ein leitender Rathausmitarbeiter in die Spitze eines kommunalen Unternehmens wechselt, meint Toepffer. „Aber bei Hansmann habe ich da keine Probleme“, betont er. In die Stadtverwaltung reiße Hansmanns Weggang eine große Lücke, sagt Toepffer. „Ich bin gespannt, wie diese Lücke gefüllt wird“, sagt er.
  • Auch Toepffers Parteikollege Dieter Küßner lobt den Wechsel. Hansmanns Aufgabe sei es künftig, Mittler zwischen dem Vorstand, den Arbeitnehmern, der Stadtgesellschaft und der Politik zu sein, sagt Küßner, der im Aufsichtsrat der Stadtwerke sitzt.
  • Nach Ansicht von FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke verliert die Stadt einen exzellenten Finanzexperten – und die Stadtwerke gewinnen einen. Nach der Vorlage des Doppelhaushaltes in der vergangenen Woche könne Hansmann beruhigt gehen, allerdings sei der Posten eine große Herausforderung für seinen Nachfolger.
  • FDP-Chef Patrick Döring meint, der Stellenwechsel werfe ein neues Licht auf Hansmanns Haushaltsrede. In seiner Rede habe er die Bedeutung der Beteiligungsunternehmen der Stadt Hannover besonders hervorgehoben. „Damit hat er sich die Bühne bereitet, die er jetzt selbst betritt“, sagt Döring. Er selbst komme für den Posten des Kämmerers nicht infrage, sagt Döring auf Nachfrage. „Ich bin als Beamter nicht geboren.“
  • Hannovers SPD-Chef Alptekin Kirci bezeichnet Hansmann als eine gute Wahl für das kommunale Unternehmen. „Er weiß, wie man mit Politikern umgeht“, sagt er.
  • Hannovers Grünen-Chef Daniel Gardemin sieht in dem Kämmerer einen „Fachmann erster Güte“. Jetzt müsse ein Nachfolger mit ähnlicher Qualität gesucht werden, meint er. „Aber niemand ist unersetzlich.“

Unter den Politikern heißt es, dass Hannsmann zuletzt mehrere Angebote gehabt haben soll, das Rathaus zu verlassen, unter anderem aus der Staatskanzlei. Das längere Zeit schlechte Verhältnis mit Oberbürgermeister Stefan Schostok soll sich allerdings zuletzt deutlich verbessert haben.

Von Jens Heitmann, Mathias Klein
 und Andreas Schinkel

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