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Eine Bombenfete
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Schadensersatz gefordert Eine Bombenfete

Es sollte einfach nur eine nette Party werden, mit der etliche Abiturienten des Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasiums (KWR) im September 2011 den Beginn ihres Studiums feiern wollten. Die Nachwehen dieser Feier werden für die heute 20-jährige Mieterin zu einem Alptraum.

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Nach einer Abi-Feier von KWR-Schülern sah der Gemeindesaal in Isernhagen-Süd übel aus – aber wer war’s?

Quelle: Michael Zgoll

Hannover. Die evangelisch-lutherische Gemeinde hat die 20-Jährige, die damals den Vertrag abgeschlossen hatte, verklagt, fordert 3700 Euro Schadenersatz für die Instandsetzung des verwüsteten Gemeindesaals. Die nun in Dresden immatrikulierte Studentin und etliche ihrer früheren Mitschüler aus dem Zooviertel bestreiten die Vorwürfe. Der Streit währt schon mehr als anderthalb Jahre – jetzt fand eine weitere Sitzung im Amtsgericht Hannover statt.

Laut Aussage einer Putzfrau soll sich der Saal am Morgen nach der Feier in einem verheerenden Zustand befunden haben: Der Boden sei verklebt gewesen, eine Toilette verunreinigt, sie habe Fußspuren auf Tischen und Gerüche „wie in einer Kneipe“ wahrgenommen. Außerdem moniert der Kirchenvorstand einen heruntergerissenen Vorhang, eine eingedellte Zwischenwand und beschädigte Tischplatten. Die Beweisführung wird allerdings dadurch erschwert, dass die Putzfrau keine Fotos anfertigte, sondern bei ihrer Arbeit viele Spuren beseitigte. So wurden etwa die Bilder vom ruinierten Parkettfußboden, die Anwalt Cord Stahlmann als Beweismittel präsentierte, erst später aufgenommen.

Die angehende Studentin, selbst Gemeindemitglied von St. Philippus, bekam die Räumlichkeiten 2011 zu einem Spottpreis vermietet: 75 Euro plus 25 Euro für die Reinigungskraft. Pastorin Kirsten Fricke bedauert, dass die Gemeinde nun um Schadensersatz prozessieren muss: „Dabei haben wir schon mehrere Vergleichsvorschläge unterbreitet.“ Außerdem habe man die Schäden an der untersten Grenze angesetzt; würde man etwa das stumpfe und geschwärzte Parkett komplett abschleifen und versiegeln lassen, käme man auf eine weit höhere Gesamtschadenssumme als 3700 Euro. Auf sich beruhen lassen wolle der Kirchenvorstand den Fall keinesfalls: „Wir haben schließlich eine Verantwortung der Gemeinde gegenüber.“

Vier Studenten, die zum Organisationsteam der Party zählten und jetzt als Zeugen vernommen wurden, stellen die Sachlage vollkommen anders da. Nach der Feier, bei der rund 60 Gäste aus KWR und Freundeskreis zusammengekommen seien, hätten sie die Tische gesäubert, den Boden gefegt und gewischt sowie die Toiletten gereinigt. Die Zwischenwand habe man gar nicht benutzt, den Vorhang keinesfalls abgerissen. „Als wir den Saal frühmorgens verließen, war alles sauber und ordentlich“, sagte eine 20-Jährige, die jetzt in München studiert. Sie und die Beklagte hätten am Tag nach der Party extra noch einmal in Isernhagen-Süd nach dem Rechten geschaut.

„Solch gegensätzliche Beschreibungen einer Sachlage habe ich in meinem Berufsleben selten erlebt“, sagte Rechtsanwalt Dieter Weisbach, der die Unterzeichnerin des Mietvertrags vertritt. Auch Richterin Annjet Steckhan sprach von „großen Differenzen zwischen den Zeugenaussagen“. Sie deutete aber an, dass sie der Sichtweise der Gemeinde zuneigt und empfahl der Studentin, einen Vergleich anzunehmen. Diese will jedoch, inklusive eines Haftpflichtversicherungsbetrags von 500 Euro, höchstens 800 Euro zahlen, während das letzte Kompromissangebot von St. Philippus bei 2100 Euro liegt – plus Anwaltskosten. Mitte August ist der nächste Verhandlungstermin. Dann geht es darum, ob noch ein Sachverständiger zur Bewertung der Schäden herangezogen werden muss.

dpa

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