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Aus der Stadt Taxi-Kunden in Hannover werden künftig gefilmt
Hannover Aus der Stadt Taxi-Kunden in Hannover werden künftig gefilmt
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00:15 04.11.2016
In einigen Taxis in Hannover sind nun Überwachungskameras installiert. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Die Geräte, von denen rund 400 schon geliefert sind, machen in den ersten zwei Minuten der Fahrt zehn bis zwölf Fotos des Fahrgastes. Anlass für die Maßnahme sind laut Geschäftsführer Wolfgang Pettau immer mehr Fälle von Zahlungsverweigerung sowie Drohungen und handgreiflichen Übergriffen gegen Fahrer.

„Die Angst fährt immer mit“, sagt Pettau. „Besonders, wenn mehrere Fahrgäste einsteigen, kann es für den Fahrer gefährlich werden. Er ist schließlich alleine“, sagt Pettau. Brenzliche Situationen gebe es jedes Wochenende. Weniger geholfen ist allerdings etwa weiblichen Fahrgästen, die sich vom Fahrer belästigt fühlen.

Während in anderen öffentlichen Verkehrsmitteln Überwachungskameras seit Jahren zur Verbesserung der Sicherheit eingesetzt werden, war dies in Taxis stets aus Gründen des Datenschutzes untersagt. „Ein permanentes Überwachen des Fahrgastinnenraumes sehen wir immer noch als rechtswidrig“, sagt Christian Lüttgau, Referatsleiter bei der Niedersächsischen Landesbeauftragten für Datenschutz. „Bei dem System von Hallo Taxi wurden alle unsere Vorgaben beachtet.“

Bis Ende des Jahres will Pettau in allen 583 Fahrzeugen Kameras installiert haben. Die Kosten betragen etwa 1000 Euro pro Wagen. Nur, wenn eine Fahrt tatsächlich zustande komme, würden Aufnahmen in Form von Bildern gemacht, sagt Pettau. Die verschlüsselten Fotos sollen im Alarmfall an die Polizei übergeben werden. „Bei einer Vorabkontrolle wurde das System internen und externen Datenschutzbeauftragten vorgestellt und akzeptiert. Es gab keine Einwände“, so Pettau. Sein Unternehmen habe sich über Monate hinweg intensiv mit den Datenschutzbeauftragten beraten. Zwar habe der Taxifahrer die Möglichkeit, weitere Fotos in Gefahrensituationen auszulösen, aber es gebe keinen durchgängigen Mitschnitt. „Das System ist technisch aufwendiger, aber dafür sehr schonend“, lobt Datenschützer Lüttgau.

Vorherige Pläne, Kameras in den Fahrzeugen zu installieren, waren stets gescheitert. „Der Datenschutz war bisher immer im Weg und hat direkt einen Finger drauf gehalten“, sagt Ingo Schröder, Geschäftsführer des Mitbewerbers Mein Taxi. Er sei überrascht, dass jetzt doch Kameras in Taxis erlaubt seien: „Verbände von Taxifahrern in der Region versuchen schon jahrelang, Überwachungssysteme durchzusetzen, um die Sicherheit unserer Fahrer zu stärken.“ Die „Überfallschutzkameras“ seien der richtige Weg: „Taxifahrer sind definitiv gefährdet. Es muss auf jeden Fall etwas geändert werden“, so Schröder.

In Bremen hat die Berufsgenossenschaft für Transport und Verkehrswirtschaft bereits im Jahr 2008 damit begonnen, „Überfallschutzkameras“ in Taxis einzubauen. Mit einigem Erfolg: „Die Quote der Übergriffe auf Taxifahrer ist dort fast auf null zurückgegangen“, sagt Pettau.

Die Üstra darf
 überwachen – vorerst

In Stadtbahnen und Bussen der Üstra gibt es bereits seit 2006 Überwachungskameras. Gefilmt wird durchgehend – 24 Stunden am Tag. „Über 90 Prozent unserer Fahrgäste geben bei Befragungen an, dass sie sich durch unser System sicherer fühlen“, sagt Üstra-Sprecher Udo Iwannek.

Vor zwei Jahren hatte die niedersächsische Landesdatenschutzbeauftragte Barbara Thiel angeordnet, die Überwachung einzustellen. Nachdem die Üstra Widerspruch eingelegt hatte, entschied das Verwaltungsgericht Hannover Anfang des Jahres zugunsten des Nahverkehrsunternehmens. Die Kameras dürfen vorerst weiterlaufen. Mittlerweile befasst sich das Oberverwaltungsgericht mit der Frage.

„Die Forderungen sind weltfremd“, findet Iwannek – etwa die, die Überwachung zeitlich und örtlich zu begrenzen. Da Fahrgäste über die Aufzeichnung informiert werden müssen, sei dies unmöglich durchzuführen. „Der Bahnfahrer müsste quasi eine Durchsage machen, dass man nun in einen gefährlichen Stadtteil fährt.“

Nach Angaben von Iwannek gibt es viele Beispiele, dass Straftaten dank der Videotechnik erfolgreich aufgeklärt wurden. Auch sei die Zahl der Sachbeschädigungen in überwachten Fahrzeugen zurückgegangen.

fa

Von Friederike André

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