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Zu Gast im INI

Kameras übertragen Live-OP am Gehirn

Von Nicola Zellmer

Prof. Madjid Samii steht für Exzellenz in der Hirnchirurgie. Zum INI-Jubiläum hat er vor etwa 100 Institutsdirektoren, Universitätsprofessoren und Hirnrchirurgie-Experten operiert.
Mit der Kamera dabei: Prof. Madjid Samii operierte vor 100 Zuschauern.

Mit der Kamera dabei: Prof. Madjid Samii operierte vor 100 Zuschauern.

© Nico Herzog

Der Mann ist ein Künstler. Das würde selbst ein Laie erkennen. Und die fast 100 Zuschauer, die sich im Hörsaal des International Neuroscience Institute (INI) die live aus dem Operationssaal übertragenen Hirnoperationen des INI-Gründers Prof. Madjid Samii ansehen, sind beileibe keine Laien. In den schmalen Stühlen sitzen Neurochirurgen aus aller Welt. Sie sind Institutsdirektoren, Universitätsprofessoren und selbst Experten in ihrem Bereich der Hirnchirurgie.

Eiji Kohmura aus dem japanischen Kobe etwa ist Spezialist für Hörnervtumoren (Akustikusneurinome). Dennoch ist er nach Hannover gekommen, um Prof. Madjid Samii operieren zu sehen, der am gestrigen Vormittag gleich bei drei Patienten mit der seltenen und extrem schwer zu operierenden Geschwulst das Messer angesetzt hat. „Mein Vater ist Mr. Akustikusneurinom“, erklärt Madjid Samiis Sohn Prof. Amir Samii. „Er hat die Operationstechnik für diesen Tumor entwickelt und standardisiert – und er hat weltweit die besten Ergebnisse.“

Madjid Samii operiert konzentriert, zielstrebig und zügig. Das Operationsfeld wirkt aufgeräumt. Aufgeschnittene Haut wird mit Heftstichen fixiert, damit sie nicht im ungeeigneten Moment ins Blickfeld fällt. Blutungen werden auf das Minimum reduziert und sofort abgesaugt, um stets optimale Sicht zu gewährleisten. Samiis Bewegungen sind effektiv und verraten seine jahrzehntelange Erfahrung. Wie ein Künstler mit dem Pinsel ein Kunstwerk erschafft, so restauriert der Neurochirurg das Kunstwerk Hirn, befreit es von Krebstumoren und verschafft den Nervenbahnen und funktionellen Zentren wieder ausreichend Platz, ohne sie dabei zu schädigen.

„Man lernt eine Menge bei ihm“, erklärt Mario Giardiano, der mit dem Hirn-Experten zusammen im INI arbeitet und die Liveübertragung im Hörsaal moderiert. „Professor Samii ist einfach besonders.“ Auf der Leinwand ist unterdessen zu sehen, wie Samii nach der Entfernung eines Hörnervtumors die letzten Feinheiten erledigt. „Bevor Sie zunähen, muss alles absolut sauber sein“, schärft er seinen Zuhörern ein. „Wenn Sie irgendwie das Gefühl haben, dass noch etwas Tumor vorhanden sein könnte, müssen Sie mit dem Endoskop nachschauen.“

Für den nächsten Eingriff wechselt Samii dann den Operationssaal. Der 60-jährige Iraner, den ein ausgedehnter hirneigener Tumor (Gliom) im Vorderhirn plagt, wird in die sogenannte Brain Suite geschoben. Dieser als Nummer eins bezeichnete Operationssaal verfügt über eine Technik, wie sie nur wenige Male auf der Welt zu finden ist. Neben dem hochmodernen Operationsmikroskop, das eine exakte Navigation in dem von Krebs befallenen Hirnareal erlaubt, steht ein Kernspintomograph im Saal, mit dem bei Bedarf noch während der Operation aktuelle Aufnahmen des Kopfes gemacht werden können. Das ist beispielsweise wichtig, um zu prüfen, wie die Nerven verlaufen, wenn der sie wegdrückende Tumor erst einmal entfernt ist.

Außerdem können die Neurochirurgen so ohne Aufwand feststellen, ob noch Tumorgewebe übrig ist. „Die Daten aus inzwischen mehr als 400 Operation in unserer Brain Suite zeigen, dass wir bei 45 Prozent der Fälle noch einmal nacharbeiten mussten“, sagt Amir Samii. Ohne das intraoperative Kernspin hätten die Patienten dazu ein zweites Mal in den Operationssaal gemusst.

Für Gustavo Carvalho ist die neue Technik hochspannend. Der brasilianische Neurochirurg, der perfekt Deutsch spricht, hat neun Jahre lang mit Madjid Samii im Nordstadtkrankenhaus gearbeitet. Nun ist er neugierig, was das eigene Haus des renommierten Neurochirurgen zu bieten hat. Gute Operationsmikroskope mit Navigationsmöglichkeiten habe man zwar auch in Brasilien, sagt Carvalho. Aber die Brain Suite ist auch für ihn neu.

Mario Giardiano hat inzwischen die Übertragung gestartet. Während der Patient für den Eingriff vorbereitet wird, erläutert der INI-Bildgebungsexperte Prof. Rudolf Fahlbusch die vorab aufgenommenen Kernspintomographien. Aus verschiedenen Perspektiven ist der Tumor als gelber Klumpen zu sehen. Direkt daneben liegen die violett gezeichnete Pyramidenbahn und die grün markierte Sehbahn. „Wenn wir den Tumor entfernen wollen, ist es wichtig, dass wir diese Strukturen schonen“, sagt Fahlbusch. Für Madjid Samii kein Problem. Vorsichtig arbeitet er sich von der harten Hirnhaut in den sogenannten Temporallappen des Gehirns vor, wo der Tumor laut den Kernspinaufnahmen zu finden sein muss. Und tatsächlich: „Das ist jetzt der Tumor“, sagt Samii und tippt mit seinem Instrument auf einen andeutungsweise grau schattierten Gewebebereich. „Sehen Sie den Unterschied zum gesunden Hirngewebe?“, fragt er die Zuschauer. Dann nimmt er Proben für die Gewebeuntersuchung. Sie wird nach der Operation zeigen, wie bösartig der Krebs war. Mit einem Spezialinstrument verödet der Neurochirurg Stück für Stück den Tumor und entfernt ihn. „Es befindet sich fast alles im Temporallappen. Außerdem hat der Tumor den Sehnerv und den Hirnstamm gequetscht.“ Kein Wunder also, dass der Patient Gedächtnisstörungen, Sehprobleme und eine beginnende halbseitige Lähmung hatte. Nach etwas mehr als einer Stunde chirurgischer Feinarbeit bringt die Kernspinkontrolle dann die erlösende Nachricht: Der Tumor konnte vollständig entfernt werden. Der 60-jährige Iraner wird sich noch eine Woche im INI erholen müssen, dann kann er nach Hause. Und er hat gute Chancen, dass Sehstörungen und Lähmungen völlig verschwinden.

Mit der Kamera dabei: Prof. Madjid Samii operierte vor 100 Zuschauern.

Mit der Kamera dabei: Prof. Madjid Samii operierte vor 100 Zuschauern.

© Nico Herzog

Festredner und einer der Ehrengäste ist Altbundeskanzler Gerhard Schröder, der den Bau des INI maßgeblich unterstützt hatte. Für den Rest der Woche ist das HCC fest in der Hand von Neurochirurg Samii und seinen Kollegen: Bis zum Sonntag läuft dort der Weltkongress der Neurochirurgie, zu dem Experten aus aller Welt angereist sind. Frühmorgens beginnen heute die wissenschaftlichen Vorträge, am Abend wird gefeiert.

Nicht nur aus der Wissenschaft ist Prominenz vertreten. Samii wird Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft die Hand schütteln, darunter VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, AWD-Gründer Carsten Maschmeyer, VGH-Vorstandschef Robert Pohlhausen, Oberbürgermeister Stephan Weil und dessen Amtsvorgänger Herbert Schmalstieg. Auch der Bürgermeister von Samiis Geburtsstadt Teheran ist dabei: Mohammad Bagher Ghalibaf berichtet vom Fortgang der Arbeiten für das Iran-INI, das in der Hauptstadt nach hannoverschem Vorbild entsteht. Zuvor trägt Ghalibaf sich mit dem iranischen Botschafter Ali Reza Sheikh-Attar ins Goldene Buch der Stadt Hannover ein. Als Vertreterin des China-INI, das in Peking in die Höhe wächst, ist Prof. Ling Feng angereist. Und die Gäste von allen Kontinenten können sich über ganz besondere Klänge freuen: Sopranistin Carmen Fuggiss und 25 Musiker des Opernorchesters geben Kostproben aus ihrem Repertoire.

Juliane Kaune

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  • offener Brief an den Oberbürgermeister Günter Haberland – 25.07.10
    Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Weil,

    mit Erstaunen und Empörung entnehmen wir einem Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, daß sich mit dem Bürgermeister Teherans und dem iranischen Botschafter in Deutschland zwei hochrangige Vertreter eines menschenverachtenden, totalitären Gewaltregimes ins Goldene Buch der Stadt Hannover eintragen durften.

    Wie Sie sicher wissen, werden Menschenrechte und Demokratie im Iran mit Füßen getreten. Friedliche Demonstranten sind seit den Präsidentschaftswahlen im letzten Jahr zu Tausenden verhaftet, unter unmenschlichen Bedingungen in Gefängnissen festgehalten und dort gefoltert und ermordet worden. Mit durch diese Folter erpressten "Geständnissen" wurden und werden sie zu langjährigen Haftstrafen oder gar zum Tode verurteilt von einer Justiz, die diesen Namen nicht verdient, sondern willfähriges Werkzeug einer gewissenlosen, menschenverachtenden Herrschaftsclique ist.

    Haben Sie, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, hiervon noch nichts gehört? Wissen Sie nicht, daß sowohl der iranische Botschafter in Deutschland als auch der Bürgermeister Teherans hervorgehobene Vertreter dieses verbrecherischen Systems sind?
    Mit der Eintragung ins Goldene Bucch Ihrer Stadt und der Festveranstaltung zum INI-Geburtstag, an der Sie zusammen mit diesen beiden Personen teilgenommen haben, haben Sie diesem Regime eine Plattform zur Selbstdarstellung geboten, was in der iranischen Staatspresse denn auch entsprechend gefeiert wurde.

    Ein solcher Fehler darf eigentlich einem demokratisch gewählten Politiker in Deutschland nicht unterlaufen. Deshalb fordern wir Sie auf, sich von dem Verhalten dieser beiden Personen öffentlich zu distanzieren und klar und deutlich zu sagen, daß Ihre Stadt und Ihre Partei in keiner Weise das iranische Regime unterstützen.

    Der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf hat sich in vorbildlicher Weise einstimmig dazu entschieden, einen Großteil der 50 iranischen Flüchtlinge, die zur Zeit unter beklagenswerten Umständen in der Türkei festsitzen und von Deutschland aufgenommen werden sollen, in seine Stadt zu holen. Er will erklärtermaßen damit ein Zeichen setzen, daß Deutschland mehr als diese 50 von mehr als 4.000 in der Türkei befindlichen iranischen Flüchtlingen aufnehmen soll.
    Wir meinen, Hannover sollte diesem Beispiel folgen und sich ebenfalls zu einer solchen Aufnahme bereiterklären, schon, um den verheerenden Eindruck, den der Eintrag von Mohammad Bagher Ghalibaf und Ali Reza Sheikh-Attar ins Goldene Buch der Stadt erweckt hat, zu korrigieren. Wir bitten Sie, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sich persönlich hierfür einzusetzen.


    Mit freundlichen Grüßen

    Günter Haberland
    -Vorsitzender-

    --
    United4Iran Düsseldorf e.V.
  • offener Brief an den Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover Günter Haberland – 25.07.10
    Dieser Kommentar wurde wegen Dopplung von der HAZ.de-Redaktion gelöscht. Bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen unter: www.haz.de/nutzungsbedingungen
  • INI ,Samii, Iran NEDA – 24.07.10
    leider man sieht nur eine Seite, das Geld was Stadt und Land gibt wird bei solche Herren Samii und seine Familie gut gesichert – Projekt in Dubai !!! (Einladung Teheran Bürgermeister... und sein Kommentar gegen Westen).
    Ich hoffe , HAZ schreibt was Herr bei Herr Bürgermeister gesagt hat- Einladung war anlasst 10 Jahre INI.
    Heute in 2 größte Tageszeitung in Teheran auf erste Seite ganz groß darüber wird geschrieben und sie fühlen sichbestätigt, dass die Politik von Iran ok ist.
    Ich bin nicht gegen INI.
    ich finde das sogar sehr gut, nur leider inzwischen wird Herr Samii durch andere Politik ausgenutzt(beide Seitig).
    Er braucht Anerkennung in Iran bei Mollas und deren Geld für neues Projekt in Iran dafür mache er weg bereit für Propaganda iranische Regierung.

    Ich hoffe, Herr samii sich von dieser Art Begegnung distanziert.

    vieeleicht Herr Samii , Herr Bürgermeister und Land kennt diese Name:NEDA
  • Unkritische Haltung der HAZ und des Rathauses Jörg – 23.07.10
    Nichts gegen die erfolgreiche gute Arbeit von INI, aber wenn einfach so iranische Vertreter eines gewalttätigen diktatorischen Regimes sich ohne jede Bemerkung dazu ins Goldene Buch der Stadt Hannover eintragen dürfen, dann ist das so ähnlich wie in den 30ern, als deutsche Politiker der NSDAP in vielen Nationen hofiert wurden.


    Der Bürgermeister von Theheran ist ein linientreuer Soldat des Regimes Achmadinejad - und mitverantwortlich für die gewaltsame Niederschlagung der Freiheits-Demonstrationen in der Hauptstadt 2009 mit unzähligen Toten. Ausserdem hat er mit dafür gesorgt, daß die Sharia in Theheran durchgesetzt wurde.

    Wie Herr Weil, Herr Schröder und Herr Schmalstieg ungenierlich daneben stehen, während Verbrecher gegen die Menschlichkeit sich ins Goldene Buch eintragen, ist mir ein Rätsel.

    Und die HAZ hat an dieser Stelle auch versagt und nimmt - wie so oft und quasi üblich - die Dinge ungeprüft so hin wie sie sind. Mit solchen Sachen verliert die Gesellschaft, hier die Stadt Hannover und seine Zeitung, weiter an moralischer Autorität und hat offensichtlich längst den entsprechenden Wertekonsens aufgekündigt.


  • Behandlung von Kassenpatienten privat – 22.07.10
    Ich finde es Schade, wenn mancher hier so tut, als würde das INI keine Patienten gesetzlicher Krankenkassen behandeln. Dem ist nicht so. Und wenn man sich mit der Homepage des Unternehmens befaßt wird das durchaus deutlich. Das kann ich jedem ernsthaft Interessierten nur raten.
  • Tolle Klinik Privat – 22.07.10
    Geld hin Geld her -was dieser Mann leistet ist toll! Unsere Tochter arbeitet dort und wir sind wahnsinnig stolz auf sie! Übrigens sind wir auch nur Kassenpatienten!!!!
  • Video auch für alle? Mark – 21.07.10
    Und wo kann man sich dies Video nun angucken oder ist es nur für auserwählte Leute?

    Mich würde das Video mal interessieren
  • Kassenpatienten Privat – 21.07.10
    Wie schade das dem normalen Kassenpatienten die Behandlungsmöglichkeiten in dieser PRIVATKLINIK (für die das Land dennoch mit 43 Millionen € bürgt!) verweht bleiben....

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    30159 Hannover
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