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Aus der Stadt Kanadische Gruppe gastiert beim GOP-Wintervariete
Hannover Aus der Stadt Kanadische Gruppe gastiert beim GOP-Wintervariete
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00:21 11.11.2017
Von Uwe Janssen
Quelle: GOP
Hannover

Er trommelt. Und trommelt. Und trommelt. Auf allem, was Frédéric Lebrasseur vor die Hände kommt. Oder vor die Füße. Oder ihm im Weg ist. Vor allem, und das ist das Besondere: Lebrasseur trommelt auch, wenn es eigentlich nicht mehr geht. Von mehreren Männern wird er samt Schlagzeug über die Bühne getragen - der wuschelbärtige Derwisch kommt nicht aus dem Takt. Keulen fliegen aus vier Richtungen vor, hinter und über ihm - er duckt sich nicht weg, sondern schnappt sich zwischendurch eine, trommelt mit ihr und wirft sie weiter.

"Machine de Cirque" treten beim GOP-Wintervariete in Herrenhausen auf.

Vom 25. November bis 14. Januar in der Orangerie Herrenhausen. Karten für „Machine de Cirque“ gibt es an allen HAZ-Ticketshops, im GOP an der Georgstraße und unter variete.de

Vielleicht sollte man auch nichts anderes erwarten von einem, der von sich sagt, er sei „mit den Drumsticks in den Händen geboren“. Der Lehrersohn aus dem kanadischen Quebec ist ein, wenn nicht der Dreh- und Angelpunkt der Show „Machine de Cirque“, die vom 25. November bis zum 14. Januar 2018 im Wintervarieté des GOP in der Orangerie Herrenhausen gastiert.

Es ist eine Show, die vielleicht mehr als andere die zentrale Idee der GOP-Welt verkörpert: die Idee selbst. Den kreativen Einfall, der über die reine Übung hinausführt und unterschiedliche Fertigkeiten so miteinander verbindet, dass etwas Neues, im besten Fall etwas ganz anderes entsteht. In Ostkanada brüten sie in dieser Hinsicht seit vielen Jahren Herausragendes aus. Der Cirque du Soleil beispielsweise steht auch in der Biografie einiger „Machine“-Künstler. Für die schräge Truppe soll das GOP-Engagement das Sprungbrett nach Europa sein. Das Entwickeln neuer Darstellungsformen hat bei der Compagnie oberste Priorität. Dafür lädt sie internationale Spezialisten, Künstler wie Techniker, zum Ideenaustausch ein und fördert in ihrer Heimatregion Quebec lokale Talente.

„Machine de Cirque“ macht sich frei von fast allen Varietégewohnheiten. Das Bühnenbild besteht aus einem wuchtigen Gerüst, das Turngerät, Musikinstrument, Requisitenlager, Aufenthaltsort und Kulisse zugleich ist. Statt eine Nummer auf die andere folgen zu lassen, sind besonders anfangs viele Künstler auf diesem Gerüst gleichzeitig in Aktion, nebeneinander, gegeneinander, miteinander. Alle sind Akrobaten, alle sind auch Musiker. Und Komödianten, die sich nicht scheuen, ihre eigene Profession zu einer Lachnummer zu machen.

Die Keulenschlacht, in die Lebrasseur gerät, ist allein schon meisterhaft, durch ihn wird sie jedoch Teil des Ganzen, Teil der Maschine. Ein Pole-Artist wird zum Paternoster, wenn er Kollegen auf seinem Rücken an der Stange aus der zweiten Gerüstetage nach unten befördert. Ein Trapez hängt nicht an der Decke, sondern wird von anderen Artisten über eine Seilzugkonstruktion gehalten - was mit der einen oder anderen amüsanten Überraschung für den Mann auf der Schaukel verbunden ist.

Platz braucht die Show. „Das könnten wir so im GOP nicht spielen“, sagt der hannoversche Varietédirektor Dennis Bohnecke, „aber für die Orangerie ist das Stück prädestiniert. Da können wir uns richtig austoben mit dem Bühnenbild.“ Für ihn sei das Stück, das GOP-Kreativdirektor Werner Buss mitentwickelt hat, beispielhaft für die moderne Konzeptshow, die das traditionelle Ansager-Varieté längst abgelöst habe.

Kunstrad- oder Einradnummern sind spektakulär, aber frei von jedem Pathos, weil Regisseur Vincent Dubé (der vor Jahren mal beim RTL-“Supertalent“ mitgemacht hat) lieber auf Humor setzt. Eine Nackte-Männer-mit-Handtuch-Nummer kennen Wintervarieté-Besucher schon aus dem vergangenen Jahr bei „Wet“, doch auch hier wusste Dubé, dass er noch einen draufsetzen muss. So wird das Stück eben zur virtuosen Akrobaten-Jonglage-Handstand-Komödie, bis ins kleinste Detail choreografiert und immer jugendfrei.

Am Ende, nach einer waghalsigen Schleuderbrettnummer, bei der die Künstler auch mal in die Oberetage des Gerüsts katapultiert werden, stehen alle Künstler so auf der Wippe, dass sie perfekt in Balance ist. Auch hier mit der Ukulele im Zentrum: Frédéric Lebrasseur. Natürlich.

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