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Aus der Stadt Karneval in Hannover
Hannover Aus der Stadt Karneval in Hannover
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14:13 18.02.2012
Von Stefanie Kaune
Auch dieses Jahr wieder beim Umzug dabei: Martin Argendorf und seine Lindener Narren. Quelle: Steiner
Hannover

Im Rheinland haben sie dieser Tage an so vielen randlosen Riesenbrillen und überdimensionalen Linksscheiteln aus Pappmaché gebastelt, dass es fast schon wieder originell wäre, beim Rosenmontagsumzug keinen mit dem Konterfei von Bundespräsident Christian Wulff dekorierten Karnevalswagen durch die Straßen fahren zu lassen. Und exakt so wird es am heutigen Sonnabend beim 21. Karnevalsumzug in Wulffs Wahlheimat Hannover sein. „Es gibt keinen Festwagen zum Thema Wulff“, sagt Herbert Wildhagen, geschäftsführender Präsident des Komitees Hannoverscher Karneval.

Das liegt aber nicht daran, dass man besonders originell sein will. Und auch nicht daran, dass man hier dem Präsidenten nicht zu nahe treten mag, wie Wildhagen versichert. Der Grund ist vielmehr, dass im Karnevalentwicklungsland Niedersachsen Logistik und Geld für die aktuelle Politikerschelte mittels auf vier Rädern aufgebockter Riesenköpfe fehlen. Sagt jedenfalls Wildhagen. „Wir können nicht auf die jeweilige politische Lage reagieren wie die Kollegen im Rheinland“, erklärt er. „Da bauen Profifirmen für viel Geld die Wagen, bei uns machen das Laien in ihrer Freizeit.“ Darum seien die Themen langfristig geplant.

Wer oder was denn aber nun statt Wulff auf den Wagen beim Umzug eine Rolle spielen wird, weiß man im Präsidium des Komitees auch nicht so recht. Sicher ist auf jeden Fall: Elf Festwagen werden durch die Straßen rollen, ebenso viele Musikzüge sind dabei, und 24 Tanz- und Showgruppen sind unterwegs. Mit rund 2000 Teilnehmern rechnen die Veranstalter. Zwei Tonnen Kamellen und eine Tonne „anderes Wurfmaterial“ wie Blumen und kleine Stofftiere sind am Start.

 Losmarschiert wird dieses Jahr wieder um 13.11 Uhr vom Trammplatz aus. 2011 war der Beginn des Narrenumzugs wegen des Heimspiel von Hannover 96 gegen Bayern München um zwei Stunden nach vorn verlegt worden, damit sich Narren und Fußballfans nicht in die Quere kommen. Dieses Mal wird in der AWD-Arena am Sonntag gegen Stuttgart gespielt – kein Problem für die Karnevalisten. Über den Friedrichswall geht es zur Karmarschstraße und über Marktstraße und Osterstraße zum Platz der Weltausstellung. Weiter ziehen die Narren von dort zur Marktkirche und durch die Knochenhauerstraße zur Georgstraße und über den Kröpcke, bis der Zug am Georgswall endet. In der nahen HBX-Brauerei am Aegi gibt es dann eine kostenlose „After-Zug-Party“. Anderthalb bis zwei Stunden wird der Marsch dauern.

Karnevalisten sind Optimisten, und darum kündigt man tapfer an, dass heute zwischen 80. 000 und 100.000 Schaulustige am Straßenrand erwartet werden. Doch diese Zahl wurde zuletzt 2009 erreicht. Im Jahr darauf wollten die Narren bei heftigem Schneefall immerhin noch 50.000 Zuschauer gesehen haben, während die Polizei deren Zahl mit 25.000 angab. Der Tiefpunkt war dann Anfang März 2011 erreicht, als nur noch rund 12.500 Menschen an der Zugstrecke standen und den Karnevalisten zuwinkten. Der frühe Start um 11.11 Uhr sei ein Problem gewesen, meint Wildhagen. „Um diese Zeit sind viele am Sonnabend noch nicht gern unterwegs.“ Nach dem enttäuschenden Besucherzuspruch hatten die Karnevalisten angekündigt, über mögliche Gründe für das Desinteresse nachzudenken und vielleicht etwas zu verändern. Das scheinen heute indessen olle Kamellen zu sein. Im Prinzip bleibe alles beim Alten, heißt es vom Komitee Hannoverscher Karneval.

 Einen prominenten Zugbegleiter haben die Narren dieses Jahr indessen auf jeden Fall verloren: Oberbürgermeister Stephan Weil, in den vergangenen Jahren in der Regel immer dabei, lässt sich durch Bürgermeister Bernd Strauch vertreten.

Was man über den Karneval vielleicht noch nicht wusste:

  • Wo der Begriff Karneval herkommt, ist Sprachforschern bis heute nicht klar. Eine These besagt, dass sich Karneval von carrus navalis ableitet, was Schiffskarren bedeuten soll. So wurden einst neue Schiffe auf Rädern durch die Stadt gezogen – eine Art Karnevalsumzug. Andere glauben, dass sich das Wort auf carne levare bezieht (Fleisch wegnehmen) – Hinweis auf das Fasten.
  • Die ersten Karnevalsumzüge sollen schon vor 5000 Jahren vor Christus in Mesopotamien durchgeführt worden sein. In Hannover lud das Komitee Hannoverscher Karneval im Gründungsjahr am 11. November 1966 zumindest zu einem Autokorso durch die Stadt. Den ersten richtigen Umzug gab es dann 1992.
  • Der 20. Karnevalsumzug in Hannover dauerte im vergangenen Jahr etwa zwei Stunden. Im Vergleich zu anderen Städten ist das eher eine kleine Vorstellung. Im Rheinland dauert ein Karnevalsumzug fast den gesamten Tag. Die längste Karnevalsvorstellung bei einer Narrenparty lieferte 2007 die rheinische Gruppe Dä Radschläger. Sie unterhielten ihr Publikum 33 Stunden lang – und landete damit im Guiness-Buch der  Rekorde.
  • In Köln gibt es alternative Karnevalsumzüge – sogenannte Geisterumzüge. Seit 1981 wird offiziell gefeiert. Damals hieß das Motto anlässlich des Golfkrieges „Kamelle statt Bomben”.
  • Wie in Köln haben auch hannoversche Karnevalisten regionale Lieder. Bekannt ist zum Beispiel „Der lustige Hannoveraner“. Ein Textauszug: „Unser Herzog hat uns wohl bedacht / Bier und Branntwein uns mitgebracht / Musikanten zum Spielen / hübsche Mädchen zum Vergnügen / zu Lust und Plaisir / Lust´ge Hannoveraner, die sind wir!“ Man singt aber auch gern einfach „Viva Hannovera“.
  • Manche Karnevalstraditionen gehen auch in der Jeckenhochburg Köln verloren. Neun Mal luden Messeorganisatoren zur Interkarneval, eine Schau für Karnevalszubehör. Dort gab es den Dom als Mütze, Frisbees aus Süßigkeiten und blinkende Orden. Doch 2011 wurde die Messe aufgegeben – zu wenig Aussteller, zu wenig Besucher.
  • Auch in Hannover bemühen sich Vereine, Persönlichkeiten mit Preisen auszuzeichnen. So wurde der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff 2010 Ehrensenator der Lindener Narren. Diese Würde soll ihm auch nach dem Rücktritt bleiben. „Das ist ein Amt auf Lebenszeit, und wir haben immer gut mit ihm zusammengearbeitet“, sagt Sprecherin Dinah Wicke.
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