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Karstadt-Haus in Hannover vor der Schließung

Nach Insolvenz Karstadt-Haus in Hannover vor der Schließung

Für die hannoverschen Karstadt-Mitarbeiter scheint jetzt traurige Wirklichkeit zu werden, was seit der Insolvenz der Warenhauskette im Sommer bereits als drohendes Szenario diskutiert wurde: Am Montag haben sich die Anzeichen verdichtet, dass das Heim- und Technikhaus geschlossen wird.

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Gehen bald die Lichter aus? Das Heim- und Technikhaus von Karstadt scheint auf der konzernweiten Liste der zu schließenden Filialen zu stehen.

Quelle: Martin Steiner

Für Dienstagvormittag hat Karstadt-Geschäftsführer Peter Krause zu einer Mitarbeiterversammlung eingeladen. Über Inhalte gab niemand Auskunft, doch nach HAZ-Informationen wird dort aller Voraussicht nach das Aus für die Filiale in der Großen Packhofstraße/Ecke Osterstraße verkündet.

Wie viele Arbeitsplätze die Schließung des einen der drei verbliebenen hannoverschen Karstadt-Häuser kosten würde, steht noch nicht fest. Kenner der Szenerie rechnen aber mit einem Verlust von 80 bis 100 Jobs. Auch über einen Termin für die Aufgabe der Filiale gibt es derzeit nur Mutmaßungen, spekuliert wird über Ende März. Zu der heutigen Mitarbeiterversammlung wird auch Rolf Weidmann, der Beauftragte des Insolvenzverwalters, aus Essen erwartet, wo die Karstadt-Zentrale ansässig ist. „Und Herr Weidmann wird sicher nicht anreisen, um uns Schokoladenweihnachtsmänner zu schenken und ein frohes Fest zu wünschen“, sagt Hannovers Betriebsratschef Rolf Stenzel bitter. Wegen der jüngsten Nachricht sei gestern eine außerordentliche Betriebsratssitzung anberaumt worden, um zu beraten, wie die Arbeitnehmervertretung mit der zu erwartenden neuen Situation umgehen will. „Wir werden das nicht unkommentiert hinnehmen“, meint Stenzel vielsagend.

Die Stimmung in den drei Karstadt-Häusern sei am Montag „katastrophal“ gewesen, nachdem der Termin für die Mitarbeiterversammlung bekannt gegeben wurde. „Die Leute wissen, was das zu bedeuten hat“, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Die Beschäftigten, die zuletzt mit dem Abschluss des Sanierungstarifvertrages deutliche Zugeständnisse beim Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie tariflichen Vorsorgeleistungen gemacht hatten, waren sich bewusst, dass auf die Mitte November bekannt gegebene Schließung von sechs Karstadt-Häusern bundesweit noch mindestens sieben weitere folgen würden. Das Heim- und Technikhaus war immer wieder als potentieller Schließungskandidat gehandelt worden, unterschiedliche Investoren hatten sogar schon vor der Karstadt-Insolvenz Interesse an der Immobilie geäußert. Unter anderem war die Acrest Property Group, die das ehemalige SinnLeffers-Haus in direkter Nachbarschaft umbauen will, in diesem Zusammenhang genannt worden. Zuletzt hatte es dort geheißen, vor Beginn des nächsten Jahres gebe es keinen neuen Sachstand.

Wenn das Heim- und Technikhaus tatsächlich aufgegeben wird, bedeutet das allerdings nicht, dass ausschließlich die direkt dort beschäftigten Mitarbeiter gehen müssen. Es müssen auch Beschäftigte der anderen beiden Filialen bangen. Für eine Entscheidung würden sogenannte Auswahlrichtlinien für alle rund 400 hannoverschen Mitarbeiter hinsichtlich Alter, Familienstand, Betriebszugehörigkeit oder Gesundheitszustand aufgestellt, sagt Stenzel. Karstadt-Geschäftsführer Krause möchte sich vor der heutigen Versammlung nicht zur Zukunft am Standort Hannover äußern. Stenzel weist darauf hin, was eine mögliche Schließung zum 31. März 2010 bedeuten würde: „Viele Kollegen müssten dann ihre Kündigung noch bis zum Jahresende bekommen – und damit sozusagen unter den Weihnachtsbaum.“

Von Neckermann zum Karstadt-Haus

Das Gebäude des Heim- und Technikhauses in der Großen Packhofstraße, für dessen Zukunft es nun düster aussieht, hat der Karstadt-Konzern 1977 vom damaligen Mitbewerber Neckermann übernommen. Im Jahr darauf wird die Immobilie nach Umbauten zum Karstadt-Einrichtungshaus, zu dem damals auch noch ein Möbelsortiment gehört. 1993 wird die Möbelabteilung aufgegeben. 1998 ziehen dann Fernseher, Computer und CD-Player aus dem damals noch bestehenden Technikhaus in der Bahnhofstraße (heute New Yorker) in die Immobilie in der Großen Packhofstraße, die fortan als Heim- und Technikhaus firmiert.

Neben dem Gebäude mit rund 10.000 Quadratmetern Verkaufsfläche gibt es noch das Mode- oder Haupthaus in der Georgstraße, das Flaggschiff von Karstadt in Hannover (17.000 Quadratmeter), sowie das Sport- und Hobbyhaus (7200 Quadratmeter), das sich wie das von der Schließung bedrohte Warenhaus ebenfalls in der Großen Packhofstraße befindet. Im Sport- und Hobbybereich gibt es derzeit etwa 50 Vollzeitstellen, im Modehaus sind es rund 100, im Heim- und Technikhaus noch einmal 90 volle Stellen. Längst nicht alle Mitarbeiter sind allerdings jeweils in Vollzeit beschäftigt. Das ehemalige Karstadt-Bettenhaus in der Schillerstraße steht mittlerweile bis auf den Schnäppchenmarkt im Erd- und Untergeschoss leer. Ein Kaufinteressent hat sich noch nicht gefunden.

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