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Kassen lehnen immer mehr Krankenfahrten ab

Neue Verordnung Kassen lehnen immer mehr Krankenfahrten ab

Die Änderung im Gesetzbuch klingt unbedeutend, aber im Alltag sorgt die neue Krankentransport-Regelung zunehmend für Ärger. Seit Ende Juli stehen ärztlich verordnete Fahrten zur ambulanten Behandlung unter Genehmigungsvorbehalt der Krankenkasse – und immer mehr Kassen nutzen den Paragrafen und verweigern die Zustimmung. 

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Die Kosten für einen Krankentransport mit einem Taxi oder Mietwagen müssen immer mehr Patienten selbst tragen.

Quelle: dpa (Symbolfoto)

Hannover. Betroffen sind vor allem hochbetagte Patienten, die noch zu Hause leben und auf Anraten ihres Hausarztes dringend einen Facharzt aufsuchen müssen. Ohne Vorabgenehmigung der Kasse müssen sie die Fahrt im Taxi oder Mietwagen selber zahlen.

Marie Theresia Lautenschlager, niedergelassene Allgemeinmedizinerin in Linden, ist über die Sturheit einiger Kassen entsetzt. Immer wieder muss sie sich in jüngster Zeit mit Kassenmitarbeitern über die Notwendigkeit eines Krankentransports streiten. „Die ärztliche Versorgung im häuslichen Umfeld ist gefährdet, wenn das so weitergeht“, sagt sie. „Es geht um die Lebensqualität älterer Menschen, die mit Unterstützung der Krankenkasse in der Lage sein müssen, einen Spezialisten aufzusuchen.“

Der jüngste Fall, der Lautenschlager in Rage bringt, betrifft eine sehbehinderte 80-Jährige, bei der sie regelmäßig Hausbesuche macht und die allein in einer Altbauwohnung im dritten Stock lebt. Da Glaukom-Verdacht besteht, überwies die Ärztin die alte Dame zum Augenarzt; demnächst ist außerdem der Besuch eines Nephrologen geplant, da die 80-Jährige Nierenbeschwerden hat. Den Transportschein für die Fahrt zur Facharztpraxis lehnte die zuständige Krankenkasse, die Knappschaft, jedoch ab.
In einem weiteren Fall ging es um eine Patientin, die eine künstliche Hüfte bekommen hat und zügig Krankengymnastik brauchte. Die Krankenfahrt wurde nicht genehmigt – mit dem Hinweis, dass erst bei Pflegestufe III eine Kostenübernahme angemessen sei. 

Schlechte Erfahrungen hat die Lindener Hausärztin auch mit der AOK gemacht. Die Fahrt einer stark gehbehinderten Frau zum Chirurgen wurde nicht erstattet – die AOK reagierte nicht auf die Vorlage der Ärztin und saß das Anliegen einfach aus. 

„Kontrolle ist in Ordnung“, sagt Lautenschlager. „Aber die Ablehnung einer ärztlichen Verordnung ist untragbar.“ Außerdem werde am Ende wahrscheinlich kein Geld gespart. Nicht auszuschließen ist, dass beim nächsten Mal der weitaus teurere Rettungswagen gerufen wird, der ohne Vorabgenehmigung der Kasse kommt und Patienten abholt – in die Klinikambulanz.

Der Passus, der nun für Ärger sorgt, war bereits vor Verabschiedung der Reform heftig umstritten. Krankentransportunternehmen hatten in Berlin protestiert. Die Linken im Bundestag hatten vor langen Wartezeiten für Patienten, mehr Bürokratie und Kostensteigerungen gewarnt. Zudem sei es problematisch, wenn Kassenmitarbeiter über eine ärztlich verordnete Leistung und „zwingend medizinische Gründe“ für eine Fahrt entschieden, hieß es. 

Das Bundesgesundheitsministerium hatte dagegen betont, dass es um eine gesetzliche Klarstellung gehe. Die Genehmigungspflicht sei seit 2003 politischer Wille – aber juristisch missverständlich im Gesetzbuch verankert.

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