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Katzen müssen ab heute im Haus bleiben

Maßnahmen wegen Vogelgrippe Katzen müssen ab heute im Haus bleiben

Wegen der Vogelgrippe dürfen Katzen ab heute in Teilen von Stadt und Umland draußen nicht mehr frei herumlaufen. Hunde müssen in bestimmten Gebieten zudem an der Leine geführt werden. Damit soll verhindert werden, dass das Vogelgrippe-Virus verbreitet wird. Wird die Anordnung verletzt, droht ein Bußgeld.

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„Hoffentlich nimmt der Kater nicht die Wohnung auseinander.“

Quelle: dpa

Hannover. Harte Zeiten für Katzenhalter: Seit heute dürfen ihre Vierbeiner in Teilen von Stadt und Umland nicht mehr frei draußen herumlaufen. Grund ist das H5N8 Virus, das die Region Hannover erreicht hat. Am Hufeisensee in Isernhagen wurde in der vergangenen Woche ein toter Vogel entdeckt, der nachweislich am Vogelgrippevirus erkrankt war. Damit sie das Virus nicht weiter verbreiten, müssen nun Katzen daheim und Hunde an der Leine bleiben.

Für sogenannte Outdoor-Katzen und ihre Besitzer kann diese Anordnung großen Stress bedeuten. „Da die Tiere es nicht gewöhnt sind, sich nur im Haus aufzuhalten“, sagt Tierärztin Martina Roth aus Isernhagen. „Den Tieren wird schnell langweilig, weil sie ihren Jagdtrieb nicht ausleben können und sie im Haus wenig Beschäftigung haben.“ Manche Tiere werden aggressiv und hyperaktiv, nehmen die Wohnung auseinander oder markieren alle Gegenstände. „Bei uns rufen viele besorgte Halter an, die nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, wenn die Katze sich nur drin aufhält“, sagt Roth. Die Tierärztin rät, die Tiere im Haus viel zu beschäftigen und gegebenenfalls ein Katzengeschirr auszuprobieren, damit ein angeleinter Spaziergang im Freien möglich wird. „Viele Tiere randalieren gerade in den ersten Tagen viel, gewöhnen sich dann aber schnell an die eingeschränkte Freiheit“, sagt Roth. Es gebe aber auch Katzen, die sich so lange an die Türklinke hängen, bis die Tür aufgeht. „Katzenhalter sollten auf alle Fälle ihre Türen gut verriegeln, damit ihre Vierbeiner das Haus auch wirklich nicht verlassen“, rät sie.

Zur ganz großen Not hat sich die Haustierindustrie etwas Besonderes einfallen lassen: Neben Medikamenten gibt es sogenannte Pheromon-Stecker. Diese werden in die Steckdose gesteckt und verströmen von dort den beruhigenden Botenstoff. Dies sollte aber nur „in Ausnahmefälle geschehen“, meint die Tierärztin. Wer Angst hat, dass seine Katze bei Abwesenheit die Wohnung zerstört und keinen Stein mehr auf dem anderen lässt, sollte sein Tier in einen Raum sperren, in dem nicht viel kaputt zu machen ist oder eine geräumige Transportbox als Aufenthaltsort wählen.

Auch bei Tierarzt Martin Wentker in Langenhagen haben schon viele besorgte Katzenhalter angerufen. „Schön ist diese Maßnahme für die Tiere nicht. Aber sie ist wichtig“, sagt Wentker. Auch wenn er die Hauspflicht nicht als Dauerzustand sieht.

Lara Hank weiß, wie gefährlich das H5N8 Virus für Katzen sein kann. Die Tierarzthelferin hat in den letzten Tagen mit vielen besorgten Katzenhaltern gesprochen. Hank selbst hat auch einen Freigänger zu Hause. Der siebenjährige Tequila genießt jeden Tag seine Freiheit in Großburgwedel. „Er freut sich jeden Morgen, wenn ich ihn rauslasse“, erzählt Hank. In den nächsten Wochen darf der Kater allerdings nicht vor die Tür. „Hoffentlich nimmt er dann nicht die ganze Wohnung auseinander“, sagt seine Besitzerin. Tequila sei zwar ein ruhiges Tier und auch daran gewöhnt nachts drinnen zu sein, aber tagsüber liebe er seine Freigänge. Lara Hank hofft, dass sie ihren Kater mit Leckerchen und Spielzeug beschäftigen kann. Nur im äußersten Notfall will sie ihm etwas zur Beruhigung geben. „Ich vertraue darauf, dass Tequila sich ruhig verhält“, sagt Hank. Sie will sich natürlich an die Vorgaben halten.

Das wollen auch die Trumpas aus Oldhorst tun. Aber: Wohl nur Katerchen, eine ihrer beiden „Stallkatzen“, werde sich ohne Weiteres einsperren lassen. „Mal sehen, ob wir jedes Schlupfloch dicht machen können“, sagt Gerli Trumpa.

Wenn sich Katzen- und Hundehalter nicht an die Anordnung halten, drohen ihnen Bußgelder. „Wenn wir einen Hinweis auf Missachtung der Anordnung erhalten, gehen wir dem nach und sprechen eine mündlichen Anordnung aus. Die Einhaltung wird später wieder kontrolliert und mit einem individuellen Bußgeld bestraft“, sagt Carmen Pförtner, Sprecherin der Region Hannover. „Wir appellieren an alle, diese Maßnahme ernst zu nehmen und umzusetzen, damit wir die Ausbreitung des Virus eindämmen können.“ Pförtner rät allen Katzenbesitzern, die Tiere im Haus zu beschäftigen und aktiv zu halten. „Es können auch Ausnahmegenehmigungen beantragt werden. Jeder Antrag wird genau geprüft und individuell entschieden“, sagt Pförtner.

Das H5N8-Virus: Ein Import aus Asien

Es gibt drei Typen von Grippeviren: A, B und C. Die gewöhnlich beim Menschen auftretende Grippe wird von Viren der Typen A und B verursacht, die weltweit vorkommende Vogelgrippe von Erregern des Typs A. Die Viren enthalten auf ihrer Oberfläche Eiweiße, die mit der Abkürzung H (Hämagglutinin) und N (Neuraminidase) bezeichnet werden. Es gibt 16 H-Subtypen und 9 N-Subtypen. Je nach der Kombination dieser Stoffe in der Hülle des Virus entstehen Namen wie etwa H5N8, für die sich die Bezeichnung Vogelgrippe oder Geflügelpest eingebürgert hat.

Wasservögel sind die natürlichen Wirte solcher Viren. Sie erkranken gewöhnlich kaum, übertragen den Erreger aber auf das weniger resistente Zuchtgeflügel. Bei Hühnern, Puten und Gänsen mutieren die Viren zu hochansteckenden Formen, die die eigentlichen Erreger der Geflügelpest darstellen.

Das nun in Europa aufgetauchte Virus H5N8 war zuvor aus Asien bekannt. In Europa ist es zuerst 1983 nachgewiesen worden, und zwar in einer Geflügelhaltung in Irland. Der erste dokumentierte Fall in Deutschland betraf im November 2014 einen Mastputenbetrieb in Heinrichswalde in Mecklenburg-Vorpommern.

Für den Menschen gilt das Virus als ungefährlich. Bisher sind auch keine Fälle bekannt, in denen Hunde oder Katzen krank geworden sind. Sie können den Erreger aber aufnehmen und weiter verbreiten.  

Von Julia Polley, Anna 
Beckmann, Martin Lauber und Bernd Haase

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