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Kaum Sprachlernklassen für Zuwanderer

Integrationsprozess Kaum Sprachlernklassen für Zuwanderer

Experten und Entscheidungsträger sind sich einig: Der Erwerb der deutschen Sprache und eine gute Bildung sind Grundvoraussetzungen für den Integrationsprozess. Doch auch drei Jahre, nachdem der Rat der Stadt mit diesem Ziel den Lokalen Integrationsplan (LIP) verabschiedet hat, gibt es noch Probleme.

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Beim Lokalen Integrationsplan sollen Sprachförderung und Bildung von Kindern mit Migrationshintergrund im Mittelpunkt stehen.

Quelle: dpa (Archiv)

Spracherwerb und gute Bildung als Grundvoraussetzung einer funktionierenden Integration: Auch drei Jahre nach Verabschiedung des Lokalen Integrationsplans durch den Rat der Stadt gibt es Probleme - unter anderem beim Spracherwerb, bei der Hausaufgabenhilfe und bei der Anerkennung von Bildungsabschlüssen von Zuwanderern. Das ist die gemeinsame Zwischenbilanz, die jetzt rund 250 Hannoveraner mit und ohne Migrationshintergrund beim Integrationsforum gezogen haben.

2008 hatten die Ratspolitiker mit dem LIP einen neuen Schwerpunkt bei der Integrationspolitik gesetzt: Sie stellten Sprachförderung und Bildung von Kindern mit Migrationshintergrund in den Mittelpunkt. Bei dem jüngsten Integrationsforum stellten Vertreter von Wohlfahrtsverbänden, Migrantenorganisationen, aus Wirtschaft, Gewerkschaften und Politik nun den LIP gewissermaßen auf den Prüfstand. Fast 70 Eingaben mit Forderungen und Verbesserungsvorschlägen waren im Vorfeld im Rathaus eingegangen; in fünf Fachforen wurde dann darüber diskutiert.

Vor allem im Forum „Bildung“ wurde deutlich, dass es für neu zugewanderte Kinder schwierig ist, die deutsche Sprache zu erlernen. Denn schulpflichtige Kinder haben keinen Anspruch auf einen vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderten Integrationssprachkursus. Für ihren Spracherwerb sind die allgemeinbildenden Schulen und damit das Land Niedersachsen zuständig. Im Zuge der rückläufigen Zuwandererzahlen richten die Schulen jedoch kaum noch Sprachlernklassen ein – mit der Folge, dass die Schüler aufgrund unzureichender Sprachkenntnisse das Schuljahresziel nicht schaffen oder schlimmstenfalls die Schule ohne Abschluss verlassen müssen. Das gilt für Schüler der Sekundarstufen I und II. Auch die Deutschkurse für deren Eltern reichen offenbar nicht aus, um einigermaßen Deutsch zu lernen.

Einer der Forumsteilnehmer, dem das Problem bekannt ist, war Hans-Helmut Kruse. Er betreut mit einer Gruppe Ehrenamtlicher lernschwache Kinder individuell zu Hause mit großem Erfolg – und er sieht in der Form der Hausaufgabenbetreuung an den Ganztagsschulen ein Manko. „Wenn 35 Schüler gemeinsam Schularbeiten machen sollen, ist das vertane Zeit, weil die nötige Ruhe fehlt“, weiß er aus Erfahrung.

Eine in allen Fachforen genannte Forderung war zudem die nach mehr interkultureller Kompetenz: Nicht nur in Schulen, auch in Bürgerämtern, der Arbeitsverwaltung und den Jobcentern sei dies notwendig. Die Internetseite der Stadt www.hannover.de zum Beispiel sollte mehrsprachig gestaltet werden, erklärten die Forumsteilnehmer. Harald Härke, Personalchef der Stadtverwaltung, führte aus, dass seit dem Jahr 2000 rund 1200 Rathausbeschäftigte interkulturelle Fortbildungen besucht hätten; bis 2015 sollen es 2000 sein. Zudem soll die Zahl der Auszubildenden mit Migrationshintergrund in der Verwaltung bis dahin auf 20 Prozent steigen, noch sind es 14 Prozent. Der Anteil der Beschäftigten mit Migrationshintergrund wiederum beträgt bereits zwölf Prozent – laut LIP sollte erst 2015 eine Quote von zehn Prozent erreicht werden.

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