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Aus der Stadt Wieder kein Weihnachtskarpfen aus dem Maschsee
Hannover Aus der Stadt Wieder kein Weihnachtskarpfen aus dem Maschsee
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00:17 14.12.2017
So war es 1990: Die Karpfen im Maschsee werden abgefischt und als Festtagsessen für Weihnachten und Silvester verkauft. Quelle: Viola Hauschild
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Hannover

Jahrzehntelang gehörte ein Fischstand am Maschseeufer zum gewohnten Bild der Vorweihnachtszeit. Nach dem Abfischen des Stadtsees im Spätherbst verkaufte der Maschseepächter vor dem Fest seinen Fisch. Silbern glitzernde Zander, bläulich gestreifte Barsche, räuberische Hechte, vor allem aber natürlich Weihnachtskarpfen. Im vergangenen Jahr hatte nur an Heiligabend ein Notverkauf für vier Stunden geöffnet, weil zu wenig verwertbarer Fisch im See war. In diesem Jahr soll es gar keinen Verkaufsstand geben, wie auch schon 2015 und 2014. Keine Weihnachtskarpfen aus dem Maschsee, wieder einmal.

Das Abfischen des Maschsees gehört in Hannover zu einer langen Tradition. Ein Überblick. 

„Wir können keinen Maschseekarpfen verkaufen, weil wir leider keinen Maschseekarpfen zum Anbieten haben“, sagt Marco Neumann. Seit 2016 ist er Pächter der Fischereirechte im Maschsee und hat einen Vertrag mit der Stadt, der vorsieht, dass er das Gewässer bewirtschaftet und vor Weihnachten Fisch verkaufen muss. „Das würde ich gerne“, sagt Neumann, „aber die Kormorane haben alles weggefressen.“ 

Schon im vergangenen Jahr hatte Neumann den Fischverkauf erst auf den letzten Drücker angeboten. Ursprünglich hieß es, der See sei „jahrelang nicht gepflegt worden“, deshalb sei nicht genug Fisch in den erforderlichen Größen im See. Kurz vor Weihnachten besserte der Pächter dann doch nochmal nach und öffnete einen Verkaufsstand am Fährhaus. „Um guten Willen zu zeigen“, wie es damals in einer Mitteilung hieß. Neumann versprach damals im Gespräch mit der HAZ, dass es 2017 besser wird: Er wollte Jungfisch in den See setzen. 

1200 zweijährige Karpfen hat er nach eigenen Angaben in diesem Frühjahr im Maschsee ausgesetzt. Aber als er sie jetzt rausholen wollte,seien kaum noch welche in die Netze gegangen. „Und die, die wir gefangen haben, haben schwere Verletzungen von den Attacken der Raubvögel – die sind total zerbissen, die will keiner kaufen“, sagt Neumann. Zu Hunderten säßen die Komorane in den Bäumen am See und stürzten sich auf den schmackhaften Fisch. „Kein Wunder“, sagt Neumann: „In der Masch werden die Tiere bejagt, am Maschsee aber nicht – da kommen sie hin und fressen sich voll.“ Nicht nur Karpfen sei betroffen, sondern auch junger Zander. 

Stadt muss See verpachten

780 000 Quadratmeter groß ist der Maschsee – ein optimales Gewässer für Fische. Die Stadt vergibt die Pacht in regelmäßigen Abständen an einen Fischer, der das Gewässer nachhaltig bewirtschaften muss. Das heißt, er muss dafür sorgen, dass das Mischungsverhältnis von Alt- und Jungfischen stimmt, indem er zum Beispiel Laichgebiete pflegt oder Altfische entnimmt, wenn diese zuviel fressen und dadurch dem Nachwuchs die zum Wachsen benötigte Nahrung nehmen.

Jahrelang hatten kommerzielle Fischwirte den See bewirtschaftet, zunächst einer aus dem Weserraum, dann ein Fischwirt aus Hemmingen. Nachdem der Hemminger Insolvenz angemeldet hatte und der Fischbestand im Maschsee jahrelang nicht mehr gepflegt wurde, bot der hannoversche Fischereiverein an, die Bewirtschaftung des Sees zu übernehmen. Die etwa 4000 Mitglieder wollten die Pflege des Sees und das Abfischen sowie den Verkauf von Weihnachtskarpfen übernehmen, im Gegenzug aber einige Angelplätze für Freizeitangler am Westufer einrichten. Die Stadt entschied sich dagegen – und vergab 2016 die Pacht an Marco Neumann. Der betreibt mit seinem Bruder Thore seit 2008 eine Fischzucht in Moisburg nahe Hamburg. med

Die schwarzen Komorane gelten unter Anglern und Fischwirten als hoch gefräßig. Sie schlucken 200 bis 300 Gramm schwere Jungfische am Stück herunter. Weil der Raubvogel lange Zeit massiv bejagt wurde, gingen seine Bestände europaweit stark zurück. 2010 wurde er Zum Vogel des Jahres erklärt – inzwischen aber wird er an vielen Gewässern zur Plage und dezimiert dort auch die Bestände von gefährdeten Arten wie Aal oder Edelfischen. Immer öfter werden daher Abschussgenehmigungen erteilt. 

Wie es am Maschsee weitergehen soll, weil Fischereipächter Naumann noch nicht. „Wir müssen wohl größere Fische einsetzen“, sagt er. Das Problem: Die Kundschaft will Portionsfische mit 1,5 bis maximal zwei Kilo Fanggewicht, aber keine vier oder fünf Kilo schweren Karpfen, die vor den Komoranen sicher wären. Die größeren Fische, sagt Neumann, „die können wir nur als Laichfische benutzen, damit sie Nachwuchs in anderen Teichen zeugen“. 

Von Conrad von Meding

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