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Aus der Stadt Keine Einigkeit zum Wolf
Hannover Aus der Stadt Keine Einigkeit zum Wolf
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00:17 03.03.2016
Von Conrad von Meding
Bedrohung oder Bereicherung? Das HAZ-Forum diskutiert den Umgang mit dem Wolf in Niedersachsen. Quelle: Koerner/dpa/HAZ Montage
Hannover

Die Positionen sind ziemlich unversöhnlich. Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft, sagt voraus, dass sich die Wolfspopulation in drei Jahren verdoppeln wird. "Unser Problem wird nicht die Größe des Biotops, sondern die Akzeptanz in der Bevölkerung", warnt er. Viehhalter Martin Holm, Vorsitzender der Organsiation der Mutterkuhhalter in Niedersachsen, weist darauf hin, dass die Nutztierhalter für eine große Artenvielfalt im Land sorgten. Wenn diese aus Angst vor Wolfsrissen aufhörten, dann sei für den Schutz des Wolfes eine Vielzahl von anderen Arten gefährdet. Auch Almut Kottwitz, Staatssekretärin im Umweltministerium des Landes, ist in den letzten Tagen skeptischer geworden. "Ich habe eigentlich weniger Angst vor Wölfen als vor freilaufenden Hunden auf der Straße. Allerdings müssen uns die neuesten Informationen zu dem Munsteraner Wolf nachdenklich machen - deshalb werden wir ganz genau hingucken." Der Problemwolf hat seine Scheu vor Menschen verloren, er soll jetzt zunächst mit Gummigeschossen vergrämt werden. Kottwitz schloss auf dem Podium aber auch nicht aus, dass er "entnommen" wird, wenn die Vergrämung nichts nutzt. Also: erschossen. Die Sicherheit der Menschen gehe vor.

Naturschützer und Wolfsfreund Christian Berge sieht eine "Panikmache" am Werk. Die Geschichte der Brüder Grimm spuke weiter in den Köpfen und erzeuge Angstbilder. "Der Wolf nimmt den Jägern nicht das Fleisch weg", stichelte auf dem HAZ-Podium im Anzeiger-Hochhaus, und: "Der Wolf ist ungefährlicher als jeder Rottweiler, der Ihnen unangeleint auf der Straße begegnet." Das gab Gemurre aus dem Publikum.

Die Wolfsskeptiker waren auch im Publikum deutlich in der Überzahl. Und die Besucher stellten gute Fragen. Nicht alle konnten beantwortet werden - etwa die eines Gastes, der wissen wollte: "Wie steht es eigentlich um die Akzeptanz für den Wolf in den klassischen Wolfsländern wie Rumänien?" Darauf wusste keiner eine Antwort. Berge immerhin konnte berichten, dass es in Italien, wo die Wölfe schon viel länger heimisch sind, kaum zu Problemen komme. Und auch in Deutschland, wo es seit insgesamt 15 Jahren wieder Wölfe gebe, seien keine tödlichen Vorfälle bekannt. "Mit Hunden dagegen gibt es jedes Jahr vier tödliche Zwischenfälle."

Ein Besucher sagt: "In Kanada sind die Wölfe scheuer als in Europa. Das liegt daran, dass dort die Abschussgebühr weniger kostet als eine Packung Zigaretten." An Staatssekretärin Kottwitz gewandt sagt er: "Ich kann nicht verstehen, dass bei dem Thema so rumgeeiert wird. Ein Wolf, der sich an den Menschen gewöhnt hat, ist gefährlich." Kottwitz antwortet: "Ich will nicht rumeiern - aber wer einen Wolf schießt, der riskiert fünf Jahre Gefängnis. Wir müssen erstmal alles probieren. Wir fangen jetzt an mit Vergrämen." Besucher wie Heinz Pyka von der Jägerschaft forderten einen "unideologischen Umgang" mit dem Thema. "Ich finde, dass der Wolf eigentlich nach Europa gehört.

Bedrohung oder Bereicherung? Am Montagabend trafen sich Experten, um über den Wolf in Niedersachsen zu diskutieren.

Ich frage mich aber, wie die Vergrämung ernsthaft funktionieren soll." Staatssekretarin Kotwitz räumte ein, dass es damit keine Erfahrung gebe. "Das müssen wir jetzt erst lernen." Jägerpräsident Dammann-Tamke stellte klar, dass es bei der Jägerschaft derzeit kein Interesse gebe, den Wolf zu schießen. Langfristig aber wolle man nicht ausschließen, dass die Population begrenzt werden müsse. In Finnland etwa gehe man viel entspannter mit dem Thema um. Dort sei eine Obergrenze festgelegt - wenn es mehr Wölfe gebe, würde ihre Zahl reduziert.

Ob das ein Modell auch für Nniedersachsen sein könne, wollte Kottwitz noch nicht sagen. Man wolle die Situation gemeinsam mit dem Bund kn einer groß angelegten Studie prüfen.

HAZ-Redakteur und Moderator Heiko Randermann beendete die muntere Diskussion nach anderthalb Stunden - mit der Erkenntnis, dass es so bald keine Lösung geben werde. "Wir müssen eine Balance finden und sind noch lange nicht am Ende der Debatte", sagte Randermann. Vom Publikum gab es Applaus - und die Diskussionen gingen in kleinen Runden noch weiter.

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