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Stadt räumt Flüchtlings-Notunterkünfte

Keine Zeltdörfer mehr Stadt räumt Flüchtlings-Notunterkünfte

Das Leben in Zelten unter riesigen Hallendächern soll für Flüchtlinge in Hannover bald vorbei sein. Die Stadt plant, bis September mehrere Notunterkünfte zu räumen. Dazu zählen der Deutsche Pavillon, ein Baumarkt in Badenstedt und ein ehemaliger Möbelmarkt in Vahrenwald.

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Noch leben hier 160 Flüchtlinge: Deutscher Pavillon an der Expo-Plaza - hier beim Aufbau der Zelte.

Quelle: (Foto: Katrin Kutter)

Hannover. Im Umland Hannovers sind die Notunterkünfte schon länger geräumt.

Alle Turnhallen, auf die die Stadt in den vergangenen Monaten als Notlager für Flüchtlinge zurückgreifen musste, sind ohnehin bereits geleert, die Flüchtlinge sind von dort in feste Gebäude oder neue Containerdörfer umgezogen. Nun sollen in den kommenden Wochen die letzten verbliebenen Flüchtlinge aus den großen Notunterkünften umziehen und damit das Leben in Zeltprovisorien hinter sich lassen. Zu ihren Zielorten zählt außer Containerdörfern etwa das ehemalige Maritim-Hotel gegenüber dem Rathaus. Dort leben derzeit rund 300 Menschen, ausgelegt ist die Unterkunft für 550 Flüchtlinge.

Der Zutritt in die Flüchtlingsunterkunft im Deutschen Pavillon ist für Journalisten verboten. Nun haben Flüchtlinge selbst Fotos von ihrem Alltag gemacht und sie der HAZ zu Verfügung gestellt.

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Zuletzt hatten Asylsuchende im Deutschen Pavillon über mangelnde Privatsphäre und Mäuse in den Schlafstätten geklagt. Grund für die Räumung der Notunterkünfte aber sind die rückläufigen Flüchtlingszahlen. Nach Angaben der Stadtverwaltung schickt das Land nur noch zehn bis 30 Flüchtlinge pro Woche nach Hannover. Im Herbst 2015 waren es bis zu 300 Menschen pro Woche.

Die Stadt hofft, bald auch andere Großunterkünfte räumen zu können - etwa die Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Oststadtkrankenhaus. „Die Nutzung des Gebäudes ist aus der Not geboren, eigentlich wollen wir das ehemalige Krankenhaus-Grundstück als Bauland für Wohnungen vermarkten“, sagt Kämmerer Marc Hansmann (SPD). Wenn es die Situation zulässt, werde die Stadt das Gebäude räumen und die Flüchtlinge dezentral unterbringen. Ein Zeitpunkt sei noch nicht absehbar. Hansmann leitet derzeit die Stadtverwaltung anstelle von Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD), der im Urlaub weilt.

Dennoch will die Stadt provisorische Kapazitäten für den Notfall bereithalten. „Wir können nicht vorhersehen, wie viele Flüchtlinge wir tatsächlich bis zum Jahresende aufnehmen müssen“, sagt Hansmann. Welche Notunterkunft als Reserve bestehen bleibt, hänge von den Konzepten zur Gebäudenachnutzung der ab.

Zehn Männer pro Zelt, dazwischen laufen Mäuse und Ratten und keine Perspektive auf einen Umzug: Flüchtlinge haben am Mittwoch mit einer Demo auf die Zustände in der Notunterkunft Deutscher Pavillon aufmerksam gemacht.

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Von den drei Zelt-Hallen gehören der Stadt der ehemalige Möbelmarkt in Vahrenwald und der Deutsche Pavillon. Der ehemalige Möbel-Boss-Markt ist mit rund 200 Menschen noch ausgelastet. Für das Ausstellungshaus auf dem Expo-Gelände hat die Stadt dem Vernehmen nach 5,5 Millionen Euro gezahlt. Dort leben jetzt noch 160 Flüchtlinge. „Sie sollen möglichst bis zum September in neuen Modulbauten untergebracht werden“, sagt Stadtsprecher Alexis Demos. Wie es ab Herbst mit dem dann leer stehenden Deutschen Pavillon weitergeht, ist bisher unklar.

Zur Diskussion steht, ob die Stadt den Pavillon veräußert oder selbst nutzt, möglicherweise als Veranstaltungszentrum. Dann aber müsste viel Geld investiert werden, denn das Gebäude genügt nicht mehr Brandschutzbestimmungen. Die Sprinkleranlage müsste komplett erneuert werden. Den ehemaligen Baumarkt in Badenstedt, in dessen Inneren die Flüchtlinge ebenfalls in einem Zeltdorf lebten, hat die Stadt nur gemietet. Das Gebäude ist nach Auskunft der Stadt bereits geräumt.

Acht neue Unterkünfte bald bezugsbereit

Hunderte Flüchtlinge sollen in den kommenden Wochen die Notunterkünfte verlassen und in feste Wohnstätten umziehen. Acht neue Unterkünfte nimmt die Stadt Hannover daher bis zum Herbst in Betrieb.

Das Containerdorf in der Laher-Feld-Straße 33 können Nachbarn am heutigen Mittwoch, 27. Juli, schon besichtigen. Von 16 bis 18 Uhr bleibt die Wohnanlage geöffnet, Flüchtlinge sind dort noch nicht eingezogen.

Im Containerdorf auf dem Waterlooplatz werden im August die ersten Neuankömmlinge erwartet. Die Anlage steht unmittelbar neben der Waterloosäule. Der Standort für eine Flüchtlingsunterkunft war in der Ratspolitik umstritten. CDU, FDP und Teile der SPD hielten die Lage für ungeeignet. Die Flüchtlinge lebten auf dem Platz neben der verkehrsreichen Lavesallee wie auf dem Präsentierteller, hieß es. Zudem bestehe die Gefahr, dass gewaltbereite Fußballchaoten bei Heimspielen von Hannover 96 auf ihrem Weg zum Stadion Bewohner belästigen. Am Ende stimmte die Ratspolitik aber mehrheitlich für den Bau der Wohncontainer.

Weitere Modulbauten werden bis Herbst in folgenden Straßen eröffnet: Wülferoder Straße (Kronsberg), Woermannstraße (Badenstedt), Am Nordhang (Ahlem) und Kampstraße (Misburg). Zudem stellt die städtische Immobiliengesellschaft GBH zwei Wohnheime fertig. Sie befinden sich in der Straße Am Bahndamm (Ahlem) und in der Hebbelstraße (List). Die GBH errichtet derzeit mehrere Gebäude, die zunächst als Wohnheime dienen, später aber leicht in Gebäude mit Mietwohnungen umgewandelt werden können.

asl

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