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Vollstreckung

Keks-Millionär verklagt Nord/LB

Von Albrecht Scheuermann

Keks-Millionär Hermann Bahlsen wehrt sich gegen die drohende Vollstreckung aus Immobilienkrediten.
Herman Bahlsen

Herman Bahlsen

© dpa

Verlustinvestitionen in ostdeutsche Immobilien beschäftigen nicht selten die Justiz, weil Geldanleger sich über den Tisch gezogen fühlen und Schadensersatz erstreiten wollen. Auch im hannoverschen Landgericht geht es heute um eine Ost-Immobilie, die die Erwartungen nicht erfüllt hat. Allerdings hat der Fall seine Besonderheiten, was vor allem mit den Parteien zu tun hat: Auf der einen Seite steht Hermann Bahlsen, 82-jähriger Enkel des Gründers des hannoverschen Keks-Imperiums. Auf der anderen Seite steht die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB). Bahlsen hat die Bank verklagt, weil sie Geld von ihm fordert und mit Zwangsvollstreckung droht. Das Gericht soll dies für unzulässig erklären.

Bei dem Streit geht es um ein großes Immobilienvorhaben in Dresden: Dort entstand Mitte der neunziger Jahre ein „World Trade Center“. Entwickelt wurde das Projekt von der Hamburger Gesellschaft Büll & Dr. Lietke, die Nord/LB war in die Finanzierung eingebunden. An der Gesamtinvestition von umgerechnet rund 200 Millionen Euro konnten sich auch private Geldanleger beteiligen, denen eine attraktive Rendite in Aussicht gestellt wurde. Bahlsen investierte insgesamt gut 5 Millionen Euro. Davon bestritt er 1,5 Millionen Euro aus eigenen Mitteln, 3,5 Millionen Euro lieh er sich von der Nord/LB.

Damals herrschte noch viel Optimismus hinsichtlich der wirtschaftlichen Aussichten der neuen Bundesländer. Entsprechend üppig wurden auch die möglichen Einnahmen aus dem Immobilienprojekt kalkuliert, tatsächlich erreichten sie nicht einmal die Hälfte der Planzahlen. 2008 kam es zum Verkauf. Da der Erlös nicht einmal ausreichte, um die restlichen Darlehen zu tilgen, macht die Nord/LB noch eine Forderung von 1,65 Millionen Euro gegen Bahlsen geltend. Wenn er nicht zahlt, droht ihm die Zwangsvollstreckung.

Bahlsens Anwalt Ernst-August Bach meint jedoch, dass die Kalkulationen von vornherein völlig unrealistisch gewesen seien, so dass die versprochenen Renditen gar nicht seriös in Aussicht gestellt werden konnten. Zudem sei Bahlsen zugesichert worden, dass er nur mit seinem Eigenkapital hafte, wenn das Projekt wirtschaftlich scheitert. „Mein Mandant fühlt sich durch die Nord/LB betrogen“, sagt der Anwalt.

Die Bank wies die Behauptungen entschieden zurück. „Die Unterstellungen gegenüber der Nord/LB sind haltlos“, hieß es. Sie sehe daher einer gerichtlichen Klärung „in Ruhe entgegen und geht davon aus, dass ihre Position vom Gericht bestätigt werden wird“. Die Bank habe Bahlsen „zu keinem Zeitpunkt beraten“, sondern sich lediglich „als klassischer Kreditgeber“ an der Finanzierung des Projektes beteiligt. „Beratung und auch Wirtschaftlichkeitsberechnungen waren – wie bei solchen Projekten üblich – Angelegenheit der Projektentwickler. Gegen diese ist Herr Bahlsen bereits gerichtlich vor dem Landgericht Hamburg unterlegen“, erklärte die Nord/LB

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  • ein wenig Schadenfreude schadet ja nie... AS – 17.03.10
    Tja, beim Denken ans Vermögen
    leidet oft das Denkvermögen...
  • 20% Sonderabschreibung Ost Boris – 16.03.10
    Das waren noch Zeiten! Wenn nur die Immobilien auch was abgeworfen hätten.
  • @frank seeler – 16.03.10
    Erst einmal kann man reiche wie auch arme Menschen betrügen. Nichts daran ist OK.

    Jeder der denkt, wenn ich einer Bank vertrauen kann, dann der Oberbank, hier die NLB. REINGEFALLEN?

    Wie auch immer Frank: "1,5 Mio aus eigenen Mitteln und 3,5 Mio geliehen" Das ist doch nicht unserios! Frag einmal Häuslebauer, dort liegt das Eingenkapital zwischen 10 und 20 Prozent.

    1,5 Millionen, das sind 40 Prozent Eigenmittel. Damit bekommst Du von jeder Bank fast alles finanziert.

     

  • Scherzkeks Rubber Duck – 16.03.10
    Schon wenn da in diversen Fernsehsendungen "arme" Rentner beklagen das sie von den bösen Bankern um ihre sauer ersparten 100.000 € betrogen worden seien stellen sich mir Zweifel. Die Standardbehauptung "der Bankberater hat mir hoch und heilig versprochen dass die Anlage mit 15 % Rendite absolut risikolos ist" ist entweder eine Lüge oder man hat das Risiko vor lauter Gier verdrängt.

    Herman Bahlsen jedoch, ein gewiefter Geschäftsmann der es gewohnt ist mit Millionen umzugehen, sollte sich hier nicht selbst als Dorfdepp hinstellen. Die Richter würden sich ein hämisches Grinsen wohl kaum verkneifen können.
  • Kaffeekränzel nobody knows – 16.03.10
    Warum soll es dem großen Bahlsenkeks besser ergehen,als all den anderen kleinen Krümeln,die von den Banken "beraten" wurden?
  • Unglaublich Frank – 16.03.10
    1,5 Mio aus eigenen Mitteln und 3,5 Mio geliehen??? Na prima, dabei weiss schon Otto-Normalanleger, dass mann, wenn man schon "zockt", auch das Geld über haben sollte und nicht auf Pump investiert. Was hatte der Herr Bahlsen für Berater? War die Gier größer als der Verstand? Merkle lässt grüßen!
  • Man muss unterscheiden whoknows – 16.03.10
    Es gibt definitiv die Fälle wo Bankberater Kunden Produkte mit hohem Risiko aufgeschwatzt haben ohne über die Risiken aufzuklären. Da ist eine Bankhaftung unbedingt notwendig.

    Bei einem Geschäftsmann wie Bahlsen fällt es schwer sich vorzustellen, dass ihm etwas untergejubelt worden ist, sondern auch er hat die Lage falsch eingeschätzt, wollte den Profit und hat jetzt Pech gehabt. So ist es nun mal im Leben - das Geld ist noch da, es hat aber ein anderer.

    Dafür jetzt die Bank zu verklagen erscheint fragwürdig.
  • Das Grauen Tet – 16.03.10
    ...wenn Kekse reden könnten...
  • Risiken unerwünscht..aber Rendite wollen sie alle echo167 – 16.03.10
    Und wieder einer, der naiv an die Sache ran geht und hinterher meint beschissen wurden zu sein.
    Zunächst sollte man davon aus gehen, dass dem Herrn Bahlsen schon bewusst war, dass man bei einer derartigen Investition besser etwas genauer hin guckt. Er glaubte also, dass er mit Fremdkapital, welches er sich selbst von der Nord/LB geliehen hat, investieren könne und seine Rendite den FK-Zins übersteigen würde, so dass sich das Geschäft lohnen würde? Weiter glaubte er, dass er bloß an den Chancen und nicht an den Risiken partizipieren würde? Dieser Haftungsausschluss sei ihm zugesichert wurden - aber schriftlich hat er nichts??? Weshalb sollte so ein Geschäft für die Nord/LB interessant sein? Dann kann sie gleich selbst investieren, ohne Herrn Bahlsen zu bemühen..
  • Mafia hochseriös? Carl K. – 16.03.10
    Natürlich ist sie das. Ein Konzern wie jeder andere auch. Ich vermag keinerlei Unterschiede zu erkennen.
  • Landesbanken - Politik der verbrannten Erde (auf Kosten der Steuerzahler) hsot – 16.03.10
    Tja, die Landesbanken. Die Nord/LB ist genauso unseriös wie die LBB (Ihmezentrum), die ja einen Projektentwickler (US-Heuschrecke Charlyle) hatte, die dem hören nach nicht mal 1 % Eigenkapital einsetzten. Schaden für den Steuerzahler Ihmezentrum: 50 Mio. EUR sowie eine Bauruine in Hannover. Sind doch alle gleich unfähig, hauptsache der eigene Boni wird abgezogen. Dagegen ist IMHO die Mafia hochseriös!

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