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Wollte Mutter ihr Kind wirklich töten?

Fund in Vahrenwald Wollte Mutter ihr Kind wirklich töten?

Hat sich die Mutter um ihr zwei Wochen altes Kind gekümmert, das am Donnerstag in Vahrenwald gefunden wurde? Unklar ist bisher auch, ob das zweite Kind, dessen sterbliche Überreste die Ermittler fanden, lebend oder tot auf die Welt kam. Der Anwalt von Laura S. kritisiert ihre U-Haft.

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Im vierten Stock eines Mehrfamilienhauses lebt Laura S. mit ihrem Freund.

Quelle: Julian Stratenschulte

Hannover. Das neugeborene Baby, das die Polizei am Donnerstag in einem Koffer in einer Vahrenwalder Wohnung gefunden hat, ist offenbar älter als bisher gedacht. Die Staatsanwaltschaft hatte am Freitag von einem Alter von höchstens wenige Tagen gesprochen. Im Haftbefehl gegen die mutmaßliche Mutter Laura S. ist das Alter des noch lebenden Babys jedoch mit zwischen 10 und 14 Tagen angegeben. Unklar ist bisher auch, ob das zweite Kind, dessen sterbliche Überreste die Ermittler ebenfalls in dem Koffer fanden, lebend oder tot auf die Welt kam. Beides könnte Einfluss darauf haben, ob der Vorwurf der versuchten Tötung gegen Laura S. aufrecht zu erhalten ist.

Da der Zustand des überlebenden Mädchens im Krankenhaus als stabil bewertet wurde, ist denkbar, dass sich die Mutter zuvor um den Säugling gekümmert haben muss. „Damit ist der Vorwurf der versuchten Tötung sehr dünn, denn warum hätte sie sich gerade an diesem Tag entscheiden sollen, das Kind umzubringen?“, sagt S.’ Anwalt Björn Nordmann gegenüber der HAZ.

Tat als Folge postnataler Depression?

Weiterhin habe der Koffer nicht in einer Abstellkammer gestanden, wie im Haftbefehl angegeben, sondern in einem Zimmer, das später einmal das Esszimmer werden sollte. Dort lagerte das junge Paar, das erst im Sommer in die Wohnung in Vahrenwald gezogen war, vorübergehend Gegenstände. Zudem sei der Koffer nicht komplett verschlossen gewesen. „Es ist also möglich, dass Laura S. überfordert war, das Kind eingewickelt und in den Koffer gelegt hat und erst einmal zur Arbeit gegangen ist“, sagt Nordmann. Solch ein Verhalten zeigten häufig Mütter mit postnataler Depression. Medizinern zufolge kann eine solche Depression ein Verhalten bis zur Unzurechnungsfähigkeit auslösen.

Gegen Lebensgefährten wird bisher nicht ermittelt

Für Nordmann schließen sich daran viele Fragen an. Sollte das Kind tatsächlich bereits länger als eine Woche in der Wohnung gelebt haben, ist seiner Meinung nach die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch der 19-jährige Lebensgefährte davon wusste - zumal der gemeinsame Hund des Paares die Kinder sicher bemerkt habe. Gegen den jungen Mann wird jedoch aktuell nicht ermittelt.

Was das tote Baby anbetrifft gibt Nordmann zu bedenken: „Möglicherweise war das Kind eine Totgeburt, und sie konnte sich nicht davon trennen.“ Wann und woran das Baby gestorben ist, muss noch ermittelt werden, daran arbeitet die Rechtsmedizin zurzeit. Mit ersten Ergebnissen rechnet Staatsanwältin Kathrin Söfker in dieser Woche.

Nordmann hat währenddessen einen Antrag auf Haftprüfung im Fall Laura S. beim zuständigen Landgericht eingereicht. Seiner Meinung nach besteht kein Grund für eine Untersuchungshaft. „Eine Flucht ist sehr unwahrscheinlich, Wiederholungsgefahr besteht nicht und auch keine Gefahr für die Allgemeinheit“, sagt er. Auf ihn mache Laura S. den Eindruck, als sei sie mit der Situation völlig überfordert. Zudem sei sie nicht aktenkundig. Auf seinen Rat hin habe sie bisher zu allen Vorwürfen geschwiegen, das werde ihr nun negativ ausgelegt.

Laura S. hatte erst im vergangenen Monat eine Ausbildung zur Hotelfachfrau in einem bekannten hannoverschen Hotel angefangen. Auch privat soll es keine nennenswerten Probleme gegeben haben. Laut Nordmann beschreibt ihre Mutter die Beziehung zwischen S. und ihrem Freund als harmonisch, die beiden hätten sich in der neuen Wohnung geordnete Verhältnisse geschaffen.

Isabel Christian

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