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Kirche erstreitet Abriss der Corvinuskiche

Streit um Denkmalschutz Kirche erstreitet Abriss der Corvinuskiche

Die evangelische Kirche darf die Corvinuskirche in Stöcken zum Abriss freigeben. Das hat das hannoversche Verwaltungsgericht am Dienstag entschieden. Das Urteil ist ein klarer Sieg für die Gemeinde Ledeburg-Stöcken und eine empfindliche Niederlage für das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege sowie die Verfechter eines Erhalts des Kirchengebäudes.

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Die Corvinuskirche darf nach einem Gerichtsbeschluss abgerissen werden.

Quelle: Thomas

Hannover. Richter und Experten hatten sich am Dienstag zum Ortstermin in der Moorhoffstraße getroffen. Die 4. Kammer des Verwaltungsgerichts stellte schließlich fest: Es sei nicht zu erkennen, dass der 1962 geweihte Sakralbau eine besondere architektonische und städtebauliche Bedeutung oder Vorbildcharakter für den Bau anderer Kirchen habe. Eine Einstufung als Baudenkmal sei demnach nicht gerechtfertigt.

Sollte das Urteil Bestand haben, wäre der Weg für einen Verkauf und möglichen Abriss der bereits entwidmeten Corvinuskirche geebnet – ganz im Sinne der evangelisch-lutherischen Gemeinde aus Ledeburg-Stöcken. Sie möchte sowohl die Corvinus- als auch die anderthalb Kilometer entfernte Bodelschwinghkirche veräußern. Mit dem Erlös soll für die Gemeinde die katholische St.-Christophorus-Kirche am Stöckener Markt erworben werden. Da Verwaltungsrichter Ingo Behrens eine Berufung zuließ, wird bis zu einer endgültigen Entscheidung wahrscheinlich noch einige Zeit ins Land gehen.

Der Streit um die Zukunft der Corvinuskirche scheint beendet: Verwaltungrichter stimmten dem Abriss der des Gebäudes zu.

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Gewöhnlich würde man erwarten, dass eine Gemeinde versucht, eine Lanze für ihr altes Domizil zu brechen. Nicht so in diesem Fall: Im Kirchenschiff nahe der Hogrefestraße beschworen Vertreter der Amtskirche Dienstagvormittag ein ums andere Mal die bauliche Bedeutungslosigkeit des Gemäuers. „Die Corvinuskirche ist kein Zeugnis der Architekturgeschichte“, erklärte Martin Krause, Leiter des Amtes für Bau- und Kunstpflege der Landeskirche. Es gebe Vorläufer von höherer baulicher Qualität; geklinkerte Wände oder Schieferboden würde man beispielsweise auch bei St. Martin in Linden finden. „Wir haben schon viele kirchliche Baudenkmale im Bestand“, ergänzte Krause, „deshalb sollte sich die Zahl von Bauwerken jüngeren Datums in Grenzen halten.“ So seien allein von 1960 bis 1964 in Hannover 24 neue Kirchen entstanden.

Angesichts sinkender Mitgliederzahlen sind die evangelische wie die katholische Kirche bundesweit dazu übergegangen, sich von Gebäuden zu trennen. Im Fall der Corvinuskirche stellten sich allerdings die Erben des Architekten quer und mobilisierten das Landesamt für Denkmalpflege. Dessen Gebietsreferent Rocco Curti verwies auf die fünfeckige Geometrie des von Roderich Schröder entworfenen Kirchenschiffs mit seinem zentral gelegenen Mittelpunkt. Insbesondere hob er die von Betonstreben durchzogene, netzartige Dachkonstruktion, die aus Holz und Beton zusammengefügten Bankreihen sowie die schwebend konstruierte Emporentreppe und das Industrieglas der Fensterfronten hervor. Bis auf die Deckenbeleuchtung sei das gesamte Kirchenschiff noch im Originalzustand erhalten.

Die 4. Kammer aber machte in ihrem Urteil deutlich, dass dies für eine Aufnahme in das Denkmalverzeichnis nicht ausreiche. Die Behörde habe die Corvinuskirche als schützenswert eingetragen, ohne im Zuge eines Vergleichs mit anderen Kirchengebäuden zu klären, ob ihr tatsächlich eine besondere Bedeutung zukomme. Die von den Denkmalschützern angeführte Begründung, insbesondere der Turm setze einen städtebaulichen Akzent, greife zu kurz. „Wir können nicht jedes Gebäude unter Schutz stellen, nur weil es gut sichtbar ist oder in einem Stadtteil eine gewisse Bedeutung hat“, stellte Behrens klar.

Entwidmung der Corvinuskirche wurde durch Ingrid Spiekermann durchgeführt.

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Hintergrund: Denkmalschutz von Kirchen

Der Schutz kirchlicher Denkmäler ist in Deutschland zunächst Angelegenheit der Kirchen selber. Dennoch behält sich der Staat die Hoheit über den gesamten Denkmalschutz einschließlich der Kirchen vor. In der Praxis stimmen sich kirchliche und staatliche Denkmalpflege ab. Bei großen Eingriffen in die Gebäude oder einem Abriss muss die Kirche sich mit der staatlichen Denkmalpflege ins Benehmen setzen. Das regeln staatskirchenrechtliche Verträge und die Denkmalschutzgesetze der Bundesländer.
Die evangelische Kirche verfügt über knapp 21 000 Kirchen und Kapellen, mehr als 16 600 davon stehen unter Denkmalschutz. Die katholische Kirche hat 24 500 Kirchen und Kapellen, 23 000 davon sind denkmalgeschützt. In den vergangenen zehn Jahren wurden 0,4 Prozent der katholischen Kirchengebäude verkauft oder abgerissen. Um die Denkmalpflege kümmern sich bei den Kirchen eigene Bauämter und im Bereich der evangelischen Kirche eine eigene Stiftung. Staatliche Zuschüsse für den Erhalt denkmalgeschützter Kirchen machen weniger als zehn Prozent des Gesamtvolumens aus. Für besonders bedeutende Kirchengebäude im Rang nationalen Kulturerbes gibt es Sonderregelungen, etwa beim Kölner Dom.

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