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Aus der Stadt Kirche im Internet zu verkaufen
Hannover Aus der Stadt Kirche im Internet zu verkaufen
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11:00 13.11.2012
Von Conrad von Meding
Nachnutzer gesucht: Die Gerhard-Uhlhorn-Kirche am Leineufer in Linden-Nord Quelle: Natalie Becker
Hannover

410.000 Euro Mindestgebot erwartet die Stadtkirchenkanzlei, die das Angebot „Kirche an der Leine“ betreut. Im Text dazu heißt es trocken: „Die Ausstattung des Gebäude ist kirchentypisch (Altar, Orgel, Kirchenbänke, etc.)“.

Das weithin sichtbare Gebäude am Leineufer von Linden-Nord ist als Einzimmerwohnung inseriert. Und nach den Erfahrungen aus Stöcken, wo die Gegner einer Kirchenaufgabe den Denkmalschutz erfolgreich eingeschaltet haben, hat dieses Inserat auch einen Zusatz: „Es ist davon auszugehen, dass das Kirchengebäude bereits die Denkmaleigenschaft besitzt.

Eine Aufnahme in die Liste der denkmalgeschützten Gebäude ist jedoch noch nicht erfolgt“, heißt es im Internet. Auf Diskussionsseiten wie Facebook erörtern Studierende bereits, ob sie das Gebäude mithilfe eines Geldgebers kaufen und zur Groß-Wohngemeinschaft umbauen sollen. Im Nachbarland Holland etwa, wo der Umgang mit aufgegebenen Sakralgebäuden deutlich entspannter ist als hierzulande, werden viele Kirchen auch als Künstlerateliers oder Wohnhäuser genutzt.

Folgenutzung willkommen

Beim Stadtkirchenverband hat man bereits klargestellt, dass nicht jede Folgenutzung willkommen ist. Eine Umwidmung als Moschee etwa komme nicht infrage - soweit reicht trotz jahrzehntelangen interkulturellen Dialogs die Nähe der Religionen nicht. Das Verkaufsangebot sei daher nur als privates Bieterverfahren zu verstehen. Die Summe beziffert das Mindestgebot, und über das umzusetzende Konzept behält die Kirche sich ohnehin das Mitspracherecht vor.

Das markante, 1963 vom Architekten Reinhard Riemerschmid entworfene Kirchengebäude mit dem steilen Kupferdach ist wegen des auch in Linden andauernden Mitgliederschwunds der evangelisch-lutherischen Gemeinde überflüssig. Die Uhlhorn-Gemeinde hatte sich bereits 2009 mit der nahen Bethlehemgemeinde zur Gemeinde Linden-Nord zusammengeschlossen. Das Gemeindehaus ist längst anderweitig genutzt, was aus dem schlanken, freistehenden Glockenturm wird, ist bislang offen.

Das Gebäudeinnere besteht tatsächlich im Wesentlichen aus einem großen Sakralraum, der bis in die Spitze des hohen Walmdachs ragt. Auf den Fotos des Internetangebots sind der würdevolle Altar, das Christuskreuz und die Orgel über dem Eingangsportal gut zu erkennen. Ob sie am Ende wirklich mit der Kirche verkauft werden, dürfte vom Konzept des Meistbietenden abhängen.

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