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Nach Rücktritt des Pastors

Kirche sieht keine Alternative zum Sparkurs

Von Veronika Thomas

Wie geht es weiter, nachdem Pastor Hans-Martin Joost am Dienstag überraschend seinen Rücktritt erklärt hat? Am Sparkus in Stadtkirchenverband und Diakonischem Werk will man nichts ändern.
Foto: Unser Archivbild zeigt Hans-Martin Joost in der Kleiderkammer des Diakonischen Werks in der Burgstraße.

Unser Archivbild zeigt Hans-Martin Joost in der Kleiderkammer des Diakonischen Werks in der Burgstraße.

© Behr

Hannover. Wie geht es in Stadtkirchenverband und Diakonischem Werk weiter, nachdem Pastor Hans-Martin Joost am Dienstag überraschend seinen Rücktritt erklärt hat? Hannovers Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann versucht, die Lage nüchtern zu bewerten.  „Die Pfarrstelle wird landesweit ausgeschrieben, vielleicht auch darüber hinaus. Das muss mit der Landeskirche noch besprochen werden“, sagt der 58-Jährige. Ziel sei es, diese Stelle möglichst zeitnah wieder zu besetzen.

Heinemann gehört zu dem Kreis der zwei, drei Vertrauten, die Joost in seine Rücktrittsentscheidung von Anfang an mit eingebunden hat. „Für die engste Leitung war dieser Schritt nicht überraschend, wir haben einige Wochen über verschiedene Lösungen gesprochen“, sagt Heinemann und fügt hinzu: „Ich habe Respekt vor dieser Entscheidung.“ Joost habe festgestellt, dass der Weg, den er beruflich eingeschlagen hatte, für ihn auch zu einer körperlichen Belastung geworden sei. Wie berichtet, tritt der 55-jährige Leiter und Geschäftsführer des Diakonischen Werks aufgrund gesundheitlicher Beschwerden zum 15. Februar zurück. Sein Rücktritt steht auch in Zusammenhang mit dem Sparkurs des evangelischen Stadtkirchenverbands, von dem auch die Diakonie betroffen ist.

Heinemann hält diesen Schritt eindeutig für den klügeren, als schlimmstenfalls ein Scheitern in Kauf zu nehmen: „Wir als Kirche plädieren ja öffentlich auch dafür, im Falle eines Burn-outs rechtzeitig darüber zu sprechen.“ Joost hatte sich im vergangenen Jahr einer Bandscheibenoperation unterziehen müssen und in diesem Zusammenhang von einem Überlastungssyndrom gesprochen. Er will jetzt ein (bezahltes) Studiensemester nehmen.

Das große Sparen in Stadtkirchenverband und Diakonischem Werk wird ohne Abstriche fortgesetzt. Anders als Länder oder Kommunen nimmt die Kirche keine Kredite auf. „Wir müssen der schmerzlichen Realität ins Auge sehen und unsere Häuser verkleinern“, sagt Heinemann, für den massive Sparrunden keine neue Erfahrung darstellen. „Schon vor meiner Zeit in Hannover mussten wir in Wiesbaden schmerzliche Restrukturierungen bewältigen. Das Positive daran war, dass wir das seinerzeit als Neuanfang gesehen haben.“ Hans-Martin Joost hingegen sei mitten in den Sparprozess hineingeraten. „Das war für ihn zeitweilig sehr anstrengend, und er hat sich gewünscht, dass manches schneller geht“, sagt Heinemann. Grundsätzlich sei es aber kein Widerspruch, gleichzeitig Aufgaben als Manager und Seelsorger zu übernehmen.

Das Diakonische Werk beschäftigt als eingetragener Verein 290 Mitarbeiter. Zu dessen Aufgaben gehören unter anderem zwei Pflegeheime, die Altenhilfe, Wohnungslosenhilfe, Beratungszentren und die Arbeit mit Migranten. Weitere 50 Mitarbeiter sind beim Stadtkirchenverband beschäftigt. Dazu gehören 63 Kirchengemeinden in Hannover, Garbsen und Seelze mit rund 205 000 Mitgliedern. Beide „Unternehmen“ sollen eine einheitliche Rechtsform erhalten.

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