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Immer weniger Paten und Taufen

Kirchen Immer weniger Paten und Taufen

Paten sollen Kinder von der Taufe bis zur Konfirmation begleiten. Doch den Kirchen gehen die Paten aus, denn das Amt dürfen nur Kirchenmitglieder übernehmen – und auch die Zahl der Taufen sinkt dramatisch.

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„Von klein auf mit dem Glauben vertraut“: Pastor Burandt mit Petra Maass und der kleinen Sophie, die Ostermontag getauft werden soll. 

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Im Altarraum bewegt sie sich so unbefangen wie im eigenen Wohnzimmer. Die fast zweijährige Sophie sitzt auf den Stufen unter dem großen Wandmosaik vom verlorenen Sohn und knabbert am Luther-Keks, während ihre Mutter in der evangelischen Lukaskirche mit dem Pastor spricht.

„Ich möchte, dass meine Tochter von klein auf mit dem Glauben vertraut ist“, sagt Petra Maass. „Sie soll wissen, dass sie von Gott behütet wird.“ Und deshalb will die 29-Jährige ihre Tochter in der Vahrenwalder Kirche taufen lassen. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, wie es in der Inschrift auf dem historischen Taufstein hier heißt.

Sophie gehört damit zu einer Minderheit. Genaue Zahlen gibt es nicht, doch grob geschätzt wird in der Landeshauptstadt nur noch jedes dritte neugeborene Kind in einer der beiden großen Kirchen getauft - und die Zahl der Taufen sinkt fast kontinuierlich. „Das ist für mich persönlich viel dramatischer als die Austrittszahlen“, sagt Propst Martin Tenge, oberster Katholik der Region Hannover.

Demografische Falle

Oft wollen Eltern ihre Kinder später selbst über ihre Kirchenmitgliedschaft entscheiden lassen. Gerade das müsste eigentlich ein Argument für die Taufe sein, sagt Tenge: „Nur wenn sie die Kirche von innen kennenlernen, können sie später selber eine gut begründete Entscheidung treffen.“

Gleichwohl stecken die Kirchen in einer demografischen Falle: Wer heute ungetauft bleibt, wird später auch die eigenen Kinder in der Regel nicht taufen lassen. Der Kirchenschwund potenziert sich so - mit dem Nebeneffekt, dass bereits heute in vielen Fällen geeignete Taufpaten fehlen.

„Eine Frau, die ich mir als Patin für Sophie gewünscht hätte, kam leider nicht infrage - sie ist kein Kirchenmitglied“, sagt Petra Maass. Die beiden großen Kirchen legen Wert darauf, dass mindestens einer der Paten der eigenen Konfession angehört. Weitere Paten - bei den Katholiken dann Taufzeugen genannt - dürfen auch Mitglied anderer christlicher Kirchen sein. Atheisten, Ausgetretene oder Muslime kommen nicht infrage.

„Paten haben ja die Aufgabe, die Eltern bei der christlichen Erziehung zu unterstützen“, sagt Lukas-Pastor Christian Bogislav Burandt, der die kleine Sophie am Ostermontag taufen wird. Traditionell sind Paten bis zur Konfirmation dafür zuständig, ihre Schützlinge im Leben und im Glauben zu begleiten. Wenn in diesen Wochen wieder Konfirmation gefeiert wird, endet für viele ein Amt, das sie vor Jahren übernommen haben. Pate zu sein ist also eine Daueraufgabe. Da könne es nicht egal sein, wie ein Pate es mit der Religion hält, sagt Burandt.

Früher waren es Paten, die im Todesfall der Eltern die Vormundschaft für das Kind übernahmen. Heute wünschen sich junge Eltern meist enge Freunde als Paten, die damit gewissermaßen Teil der Familie werden. Die Konfession spielt für sie dabei kaum keine Rolle - für die Kirchen jedoch sehr wohl.

Immer ein religiöses Bedürfnis

Theologisch ist die Taufe ein Sakrament, ein besonderes Heilszeichen Gottes also. „Sie ist nicht Bedingung für seine Zuwendung, sie macht diese nur sichtbar - so wie die Liebe nicht mit der Hochzeit beginnt“, sagt Propst Tenge. Aber sehen nicht viele junge Eltern die Taufe eher als ein Willkommen-im-Leben-Fest für ihre Kinder? Eine Familienfeier, bei der die Kirche den traditionellen Rahmen zuliefern und bei der Wahl der Paten besser nicht dreinreden soll?

Pastor Burandt überlegt einen Moment. Seit 18 Jahren ist er in der Lukaskirchengemeinde; Dutzende von Kindern hat er hier getauft. Auch bei den weniger frommen Eltern sei da immer ein religiöses Bedürfnis im Spiel gewesen, sagt er: „Bei der Geburt eines Kindes spüren viele Menschen, wie wenig wir unser Leben in der eigenen Hand haben - Gott ist ihnen wichtig bei diesem Lebenseinschnitt“, sagt er. Dass nicht jeder Taufpate werden könne, akzeptierten die meisten Eltern.

Scheu vor hohen Kosten

Pastor Burandt kann viele Geschichten von der Suche nach Paten erzählen. „Ich habe schon Erwachsene getauft, damit sie selbst Paten werden konnten“, sagt er. Dann war da das Kind ausländischer Eltern, die keinen Protestanten kannten, der als Pate infrage gekommen wäre: „In dem Fall übernahm ein Kirchenvorsteher das Amt“, sagt Burandt. Auch als eine afrikanische Familie sich geschlossen taufen ließ, suchte die Gemeinde in den eigenen Reihen nach passenden Paten.

In der Lukaskirche gibt es am Ostermontag ein großes Tauffest. Seit einigen Jahren hat das Tradition in der Gemeinde: Gleich mehrere Kinder werden auf einmal getauft, anschließend gibt es ein gemeinsames Mittagessen im Gemeindesaal. „Viele Eltern wollen ihre Kinder taufen lassen, haben aber eine gewisse Scheu vor einem großen Fest oder kein Geld für eine teure Feier“, sagt Pastor Burandt. Zahlreiche Gemeinden organisieren inzwischen solche Feste - und vermitteln bei Bedarf gleich Paten mit, die vorm Kirchenrecht bestehen können.

Auch die kleine Sophie soll am Ostermontag getauft werden. „Ich suche noch nach einem Taufspruch“, sagt ihre Mutter. Protestantische Paten hat sie inzwischen gefunden. Und auch eine Frau, die das Amt übernehmen wird. Eine Katholikin.

Wer darf Pate werden?

Die Taufe ist das „ökumenische Sakrament“: Der Ritus, der die Verbundenheit eines Menschen mit Gott bezeugt, wird von vielen christlichen Konfessionen wechselseitig anerkannt. Für die Übernahme des Patenamtes gibt es dennoch strenge Regeln.

Katholisch: Taufpate kann jeder getaufte und gefirmte Katholik über 16 Jahren werden. Wenn es einen katholischen Paten gibt, können weitere Taufzeugen auch anderen Kirchen angehören, sofern diese in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) sind. Es sind auch Taufen ganz ohne Paten möglich.

Evangelisch: Pate dürfen getaufte und konfirmierte Protestanten werden. Wer selbst als Erwachsener (im religionsmündigen Alter ab 14 Jahren) getauft wird, muss nicht konfirmiert sein, um Pate werden zu können. Mindestens ein Pate soll evangelisch sein, weitere können einer ACK-Kirche angehören. Paten sind nur bei Kindertaufen nötig, bei der Taufe von Erwachsenen nicht unbedingt.be

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