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Mitgliederschwund

Kirchenvertreter beraten über Zukunft ihrer Gemeinden

Von Simon Benne

Bis 2030 verliert die Evangelische Kirche in Deutschland laut Prognosen ein Drittel ihrer Mitglieder - und muss mit halb so viel Geld auskommen. Rund 250 Kirchenvertreter berieten über die Ausrichtung der Kirche. Die Weichen für die Zukunft: Neue Diakoniezentren, mehr Jugendarbeit und vernetzte Gemeinden.
Die evangelische Kirche in Hannover will ihre Gemeinden stärker vernetzen. (Symbolbild)

Die evangelische Kirche in Hannover will ihre Gemeinden stärker vernetzen. (Symbolbild)

© Ralf Decker

Zwei Tage lang sind sie in Klausur gegangen. Rund 250 Kirchenvertreter berieten bei einem „Zukunftstag“ in der IGS Mühlenberg am Wochenende darüber, wie die evangelische Kirche in der Stadt sich in zehn bis 20 Jahren präsentieren kann. Das Ergebnis: Die Gemeinden sollen sich stärker vernetzen, um für die Zukunft gewappnet zu sein. Außerdem ist der Aufbau neuer Diakoniezentren angedacht. Akzente sollen auch bei der Verkündigung des Evangeliums sowie in der Kinder- und Jugendarbeit gesetzt werden.

Prognosen gehen davon aus, dass die Evangelische Kirche in Deutschland bis 2030 ein Drittel ihrer Mitglieder verlieren wird. Sie wird dann mit halb so viel Geld auskommen müssen wie heute. An dem „Zukunftstag“ beteiligten sich neben Vertretern von Gemeinden und anderen kirchlichen Gruppen auch die Mitglieder des Stadtkirchentages, dem „Parlament“ der rund 206.000 Lutheraner in Hannover, Garbsen und Seelze. Die dabei getroffenen Weichenstellungen sind teils noch abstrakt – doch sie könnten auf einen Abschied von der Volkskirche alten Schlages hinauslaufen; zu einer Reform der Kirche an Haupt und Gliedern.

„Unsere Strukturen sind teils noch auf das dörfliche Leben zugeschnitten – doch künftig werden wir nicht mehr an jedem Ort alles anbieten können“, sagt Stadtsuperintendent Martin Heinemann. So könnten Gemeinden künftig unterschiedliche Profile ausbilden: „An einer Kirche könnte die klassische lutherische Liturgie besonders im Mittelpunkt stehen, an einer anderen der Gospelgesang“, sagt Heinemann. Er könne sich auch vorstellen, einzelne Kirchen zu Trauerzentren zu machen oder eine Familienkirche einzurichten, in der Kinder während der Predigt ruhig einmal quengeln dürfen.

„Wir müssen weg vom Gießkannenprinzip“, meint auch Gerrit Wolter, der Präsident des Stadtkirchentages. So sollten sich die Gemeinden künftig stärker vernetzen: „Ob es zu Fusionen kommt, muss man im Einzelfall beurteilen.“ Doch statt finanziell „mit dem Rasenmäher zu kürzen“, wolle man künftig Schwerpunktzentren bilden.

Besonders groß sei der Wunsch gewesen, regionale Diakoniezentren einzurichten, in denen gebündelt Kompetenz von der Altenpflege bis zur Schuldnerberatung angeboten werde. „Es ist überraschend, welch große Wertschätzung Diakonie in den Gemeinden erfährt“, sagt Heinemann. Ein besonderer Stellenwert soll auch der Kinder- und Jugendarbeit zukommen. „Vielen Konfirmanden bleibt jene Gottesdienstform, die wir flächendeckend anbieten, fremd“, sagt der Stadtsuperintendent. Da gelte es, neue Wege zu gehen. Die Verkündigung des Glaubens dürfe sich nicht auf die Gottesdienste am Sonntagmorgen beschränken, sagt er: „Wir brauchen starke, lebendige Orte für Glaubenserlebnisse. Es bringt nichts, wenn diese wohnortnah, aber langweilig sind.“

Inzwischen wurde ein Planungsausschuss eingerichtet, der die Impulse des Zukunftstages aufgreifen soll. Diese sollen bereits in die Stellen- und Finanzplanung für die Zeit ab 2013 einfließen, die im kommenden Jahr erstellt wird.

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