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Aus der Stadt Den Kitas in Hannover gehen die Erzieher aus
Hannover Aus der Stadt Den Kitas in Hannover gehen die Erzieher aus
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23:15 21.02.2018
Mitten drin: Erzieherin Melanie Scheer (28) im Familienzentrum Südstadt mit Kindern mit Felix (5, v.l.), Christabel (3), Anastasia (4) und Daniela (4). Quelle: Samantha Franson
Hannover

 Immer neue Aufgaben, aber kein Personal – den Kitas gehen die Erzieher aus. „Wir haben kaum Bewerber auf freie Stellen“, sagt Melanie Scheer, die stellvertetende Leiterin des Familienzentrums Südstadt. Es gebe zu wenig ausgebildete Fachkräfte auf dem Markt: „Der Mangel hat sich in den vergangenen Jahren noch verschärft.“ Die lange, vierjährige vollschulische Ausbildung ohne Vergütung schrecke ab, meint Scheer

Ist Sprachförderung ohne dritte Kraft in Kita-Gruppen überhaupt möglich?

Dabei wächst der Bedarf an Fachkräften. Zum einen müssen die Erzieher neue Aufgaben übernehmen wie die vorschulische Sprachförderung, die bislang Grundschullehrer gemacht haben. Ohne dritte Kraft in einer Gruppe sei das gar nicht möglich, meint Börn Försterling, Bildungsexperte der FDP-Landtagsfraktion. Meistens kümmern sich aber nur zwei Fachkräfte um 25 Kinder. „Wenn eine Betreuerin rausgeht und Sprachförderung mit ein paar Kindern macht, ist die andere allein mit dem Rest der Gruppe“, sagt Berthold Ernst vom Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund. 

„Fachlich sind die Kindertagesstätten gerüstet, aber das Personal ist nicht auf Anhieb zu vermehren. Der Markt ist leer," sagt der Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Landkreistages, Prof. Hubert Meyer.

Die dritte Kraft in den Kitagruppen für die Drei- bis Sechsjährigen wird seit Anfang 2017 erst schrittweise eingeführt. Die frühere rot-grüne Landesregierung hatte ein 60-Millionen-Euro-Programm aufgelegt, um zunächst 1500 zusätzliche Stellen in den landesweit 5000 Kitas zu schaffen.

Eltern wünschehn sich immer längere Betreuungszeiten

Zum anderen wächst der Bedarf an Fachkräften, weil immer mehr Eltern einen Betreuungsplatz suchen, und das auch noch für immer mehr Stunden am Tag. „Wenn die Kita-Gebühren abgeschafft werden, werden sich bestimmt noch mehr einen Ganztagsplatz wünschen als bisher“, sagt Nicole Teuber vom Niedersächsischen Städtetag. Rund 73 Prozent der Erzieher arbeiten in Teilzeit.

„Auf den Erziehermangel weisen wir schon seit Jahren hin“, sagt Katja Wingelewski von der Gewerkschaft Verdi. Viele Mitarbeiter seien überlastet, auch die Krankheitsquote steige. Vertretungskräfte, die eigentlich kurzfristig aushelfen sollten, müssten dauerhaft eingestellt werden, weil die eigentlichen Erzieher langfristig erkrankt seien. Dadurch schrumpfe auch ver Vertreterpool.

Wieviele Erzieher in der Region oder im Land insgesamt genau fehlen, ist unklar. „Der Bedaf ist riesig“, sagte Teuber. Laut Bertelmann-Stiftung und Verdi mindestens 3300, wenn die Erzieher unter vernünftigen Bedingungen arbeiten sollen. Während in Hannover alle offenen Stellen für Sozialassistenten oder Erzieher in den städtischen Einrichtungen besetzt werden konnten, musste Neustadt am Rübenberge jetzt 250 Familien eine Absage erteilen. Sie bekommen keinen Kita-Platz, weil die Erzieher fehlen. Schon jetzt sind 13 von 150 Stellen nicht besetzt, für weitere 25 ausgeschriebene Stellen gab es nicht einmal Bewerbungen.  

Kommt die Erzieherausbildung ligt?

„Der Fachkräftemangel in diesem Bereich hat sich abgezeichnet, jetzt kommen wir in die Situation, dass dieser spürbar wird“, sagt Erwin Jordan, Sozialdezernent bei der Region, „Aufgabe des Landes ist es jetzt umso mehr, die Zahl der Ausbildungsplätze zu erhöhen und die Ausbildung attraktiver zu gestalten."

Kultusminister Grant Hendrik Tonne hat will die Erzieherausbildung so schnell wie möglich „flexibilisieren. Er spricht von einer Dualisierung der Ausbildung, die Nachwuchskräfte sollen schneller in die Einrichtungen. Eine vierjährige vollschulische Ausbildung, für die die Azubis noch nicht mal eine Vergütung bekämen, sei überholt, sagt auch Berthold Ernst vom Städte- und Gemeindebund. „In der Zeit kann man fast ein Studium absolvieren.“ Möglicherweise müsse man ein neues Berufsbild schaffen. Verdi fordert mehr Fachkräfte, etwa Sozialassistenten, berufsbegleitend zu Erziehern weiterzubilden, zudem müsse der Quereinstieg erleichtert werden. Aber die Qualität der Ausbildung müsse erhalten bleiben.

Von Saskia Döhner

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