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Kitas in Hannover wehren sich gegen Gema-Gebühren

Kopien mit Liedtexten Kitas in Hannover wehren sich gegen Gema-Gebühren

Die Gema bittet zur Kasse, wenn Kopien mit Liedtexten verteilt werden: 56 Euro für 500 jährliche Kopien will die VG Musikedition erheben. Die Kitas in Hannover wehren sich dagegen.

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Im Kinderladen in der Goebenstraße (List) wird gern gesungen. Doch auch hier muss man sich umstellen.

Quelle: Rainer Surrey

Nun singet und seid froh“ heißt es in einem bekannten Kirchenlied. Doch die Freude wird derzeit getrübt, denn in allen Kindertagesstätten und Horten Deutschlands können für Kopien von bestimmten Kinderliedern jetzt Lizenzgebühren erhoben werden. In Hannover regt sich Widerstand gegen diese Initiative der sogenannten Verwertungsgesellschaft (VG) Musikedition. Städtische Kitas sind angewiesen worden, künftig keine Liedtexte mehr zu vervielfältigen und nur noch Liederbücher zu verwenden. „Die Kosten sind nicht unerheblich, und auch der Verwaltungsaufwand ist zu groß“, begründet Stadtsprecher Andreas Möser die Entscheidung.

56 Euro für 500 jährliche Kopien will die VG Musikedition erheben. Bereits Anfang 2010 hat die Gesellschaft, die die Rechte von Verlegern, Komponisten und Textern vertritt, die Gema, zuständig für Urheberrechte, beauftragt, alle 36.000 Kindertagesstätten in Deutschland anzuschreiben und einen Vertrag anzubieten. „Bisher haben 6000 Einrichtungen den Vertrag unterzeichnet“, sagt Christian Kraus, Geschäftsführer der VG Musikedition. Entgegen der Meinung der Stadt sieht Kraus die bürokratischen Hürden als nicht allzu groß an. Die Erzieher müssten lediglich auf einer Liste die Anzahl der Kopien, den Liedtitel und die Urheber vermerken. „Das kann man erledigen, während das Kopiergerät läuft“, meint Kraus. Kindertagesstätten seien aber nicht verpflichtet, den angebotenen Vertrag zu unterzeichnen, wenn sie auf die Vervielfältigung von Liedern verzichten. Diese Strategie verfolgt die Arbeiterwohlfahrt (AWO), die 42 Kindertagesstätten in Hannover betreibt. „Schon seit Jahren arbeiten wir nicht mehr mit Kopien für unsere Singstunden in Kita und Hort“, sagt Geschäftsführer Burkhard Teuber. Man kaufe lieber einen ganzen Satz Liederbücher, um die Untiefen des deutschen Urheberrechts zu umschiffen. „Eigentlich müssten Kindertagesstätten von der Gebührenregelung befreit werden“, sagt Teuber.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) gibt sich dagegen kämpferisch. „Der Preis für die Kopien ist unangemessen“, sagt Alkmaene Meuter, Assistentin der Geschäftsführung. Bei 49 Einrichtungen, die vom DRK in Stadt und Umland betrieben werden, komme man auf einen jährlichen Betrag von 2744 Euro, die für Lizenzrechte aufgewendet werden müssten. „Deshalb stehen wir in Verhandlung über einen günstigeren Vertrag mit der Gema und der Verwertungsgesellschaft“, sagt Meuter. Grundsätzlich sehe man schon ein, dass Komponisten und Dichter an ihren Werken verdienen sollten, aber gerade Kitas seien der falsche Ort, um die Gebührenschraube anzusetzen. „Wir müssen ja auch mit knappen Budgets kalkulieren“, sagt Meuter.

Allgemeinbildende Schulen hatten schon vor vielen Jahren einen Vertrag mit der Verwertungsgesellschaft abgeschlossen, der die Lizenzgebühren einheitlich regelt. Das wurde möglich, weil sich die VG Musikedition mit den Kultusministern der Ländern einigen konnte. Eigentlich wollte die Verwertungsgesellschaft 2009 mit den kommunalen Spitzenverbänden sowie den kirchlichen und karitativen Trägern von Kindertagesstätten einen ähnlichen Rahmenvertrag aushandeln, doch es kam zu keiner Einigung. Jetzt ist die VG Musikedition gezwungen, jeden Kita-Träger einzeln anzuschreiben. „Wenn aber ein ganzes Bundesland für seine kommunalen Kita-Träger eine einheitliche Regelung anpeilt, können wir auch über Rabatte nachdenken“, sagt Kraus von der VG Musikedition.

Schwierig wird es demnach für die freien Träger einer Kita, die kaum einen Mengenrabatt herausschlagen können. Dort wird das Singen vom Blatt vermutlich seltener werden.

Matthias Claudius macht kein Problem

Eltern können ein Lied davon singen, wenn an einem der vielen „bunten Nachmittage“ im Kindergarten mal wieder die Stimmen der Erwachsenen gefragt sind. Notenblätter werden dann ausgegeben, damit „die Großen“ textsicher sind und auch moderne Kinderlieder wie die Werke des Kinderliedermachers Rolf Zuckowski mitträllern können.

Doch genau solche Lieder neueren Datums sind es, für deren Vervielfältigung die VG Musikedition jetzt Geld sehen will. Alle Lieder, deren Urheber noch leben oder vor weniger als 70 Jahren gestorben sind, fallen unter die neue Gebührenordnung. „Damit sind grundsätzlich die Volkslieder ausgeschlossen“, sagt Peter Hempel, Sprecher der Gema, der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte. Eine Liste aller Lieder, die gewissermaßen unbezahlt vom Blatt gesungen werden können, gibt es auf der Internetseite der Organisation unter www.gema.de. „Häufig gibt es auch Hinweise in den Gesangbüchern“, weiß Hempel.

So kann das bekannte „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius aus dem 18. Jahrhundert nach Belieben vervielfältigt und gemeinsam intoniert werden. Für die „Weihnachtsbäckerei“ von Zuckowski aber gilt: Wenn vom Blatt gesungen wird, dann kostet das.

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Der Streit um Lizenzgebühren für kopierte Notenblätter von Kinderliedern schlägt politische Wellen. In Reaktion auf einen Bericht dieser Zeitung hat die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Frauke Heiligenstadt, die Landesregierung gebeten, sich um einen günstigen Rahmenvertrag für die kommunalen Träger von Kindertagesstätten zu bemühen.

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