Man wolle die Themen, die den einzelnen Kindern wichtig seien, gemeinsam mit ihnen entdecken, und das sei in einem gemischten Team einfach besser möglich.
Doch wie soll er aussehen, der Mann, der mehr Vielfalt in die frauendominierten Kindergärten bringt? „Wir sind alle geprägt durch Rollenverhalten. Wenn Männer mit den Jungen Fußball spielen, geht es meist robuster zu. Diese Erfahrung fehlt den Jungen in der Kita jetzt oft“, sagt Heusler. Jungen neigten meist zu aggressiveren Spielen, sie wollten sich bewegen, kämpfen, rangeln und raufen, sagt auch Doris Lauenstein, Kita-Fachberaterin beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in der Region. Sie selbst hat lange mit einem männlichen Erzieher zusammengearbeitet. „Die alleinerziehenden Mütter waren sehr daran interessiert, dass ihre Kinder, egal, ob Junge oder Mädchen, in diese Gruppe kommen.“
Reinhard Loewe, selbst seit 16 Jahren im Beruf und seit Kurzem Leiter der AWO-Kita Eichsfelder Straße, bemüht sich um Differenzierung. „Männer sind nicht alle gleich, es ist nicht Sinn der Sache, dass alle Erzieher Fußball spielen.“ Doch an sich selbst hat Loewe oft beobachtet, dass er mit Unfallgefahren beim Toben lockerer umgeht als Kolleginnen. „Für mich ist es ganz normal, wenn Jungen mit Stöcken hantieren und sie im Spiel als Pistole einsetzen.“
Das konkrete Verhalten der Erzieher ist aber aus Sicht Loewes nicht ausschlaggebend. Kinder bräuchten für ihre Entwicklung die Erfahrung mit männlichen und weiblichen Erwachsenen. Jungen, die allein von ihren Müttern großgezogen werden, fehle eine männliche Identifikationsfigur, mit der sie sich vergleichen können. Und bisher treffen sie auch in der Kita und der Grundschule nur selten auf einen Mann. „Von mir aus können auch die Erzieherinnen Fußball spielen.Wichtig ist, dass Mädchen und Jungen Männer und Frauen in der Erziehung erleben“, sagt auch Uta Funke, Kita-Fachberaterin des evangelischen Stadtkirchenverbands. Und das wird von den Eltern in der Regel sehr geschätzt. Dennoch sind männliche Erzieher immer dann Misstrauen ausgesetzt, wenn ein Fall sexuellen Missbrauchs öffentlich wird. In Hannover tauschen sich die Erzieher in einem Arbeitskreis über dieses und andere Probleme aus.
Doch der Plan der Bundesfamilienministerin, mit einer zweijährigen Umschulung mehr Männer für die Kitas zu gewinnen, erscheint allen Expertinnen wenig erfolgversprechend. „Männer trauen sich oft gar nicht zu sagen, dass sie in einer Kita arbeiten“, sagt DRK-Fachberaterin Lauenstein. Unter dem geringen Image des Berufs und der niedrigen Bezahlung litten Männer wie Frauen. „Wir wünschen uns für alle Mitarbeiter mehr Anerkennung“, sagt Funke. Die Anforderungen an Kitas als Bildungseinrichtungen seien stark gestiegen, sagt Ute Vesper von der Arbeiterwohlfahrt. Das müsse auch finanziell anerkannt werden. Ob eine Fortbildung genügend auf den Beruf vorbereitet, ist zudem unter den Fachfrauen umstritten.
Der 47-jährige Loewe, selbst Vater von drei Kindern, hat aus finanziellen Gründen einige Jahre in einem anderen Beruf gejobbt. „Ich arbeite sehr gerne als Erzieher. Aber ohne die Berufstätigkeit meiner Frau wäre das nicht möglich.“
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Kommentare
Femininierung der Gesellschaft Wettberger – 26.07.10
Seit Beginn der Frauenbewegung setzt sich eine zunehmende Verweiblichung in Kindergärten und Schulen durch - Jungs bekommen Männer in ihrer Erziehung meistens erst in der weiterführenden Schule zu Gesicht.Männliche Vorbilder oder Orientierungspersonen - Fehlanzeige.
Lehrerinnen sorgen unterbewußt für Unterstützung der vermeintlich unterdrückten Mädchen, die seit Jahren bessere Schulkarrieren vorweisen können.
Die eingentlichen Verlierer dieser Entwicklung sind Jungen. Auch diese Fehlentwicklung wird sich rächen...
Erzieher/innenberuf stärker professionaliseren! Georg Weil – 25.07.10
Es ist nicht die Bundesfamilienministerin, die darüber entscheidet, wie die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern gestaltet wird, sondern es sind die einzelnen Bundesländer!Allein diese Tatsache macht deutlich, dass hier einmal mehr von den vordringlichen Problemen im Kita-Bereich abgelenkt werden soll.
Dazu gehört die eklatant schlechte Bezahlung der Erzieherinnen und Erzieher gemessen an den Ausbildungszeiten und Qualifikationsansprüchen.
Dazu gehört die eklatant schlechte Versorgung mit Kitaplätzen, besonders im Krippen und Hortbereich in vielen Kommunen fehlen auch Kindergarten-Ganztagsplätze.
Dazu gehört die fehlende Bereitschaft in den Bereich frühkindliche Bildung Geld zu investieren.
Und da kommen wir zurück auf den Ausgangspunkt des Artikels: In der Regel dauert die Ausbildung zum Erzieher, zur Erzieherin je nach Vorkenntnissen und Qualifikationsvoraussetzungen und je nach Bundesland vier bis fünf Jahre.
Wenn jetzt mit dem Vehikel "Männerförderung" eine kürzere Ausbildungszeit implantiert werden soll, dann ist der Verdacht nicht von der Hand zu weisen, dass an der Ausbildung der Erzieher "und" irgendwann dann auch der Erzieherinnen gespart werden soll, anstatt diese Ausbildung endlich auf Fachhochschulniveau mit entsprechend besserer Bezahlung anzuheben!
Georg Weil
Ist doch klar: Cordula Nollte – 24.07.10
Wer integriert schon freiwillig Ausländerkinder, Kinder die in 10 Jahren große Probleme machen werden, rein statistisch betrachtet.@Ledeburger Klaus – 24.07.10
Ich habe doch nicht gesagt, dass die Männer Familienversorger sein müssen, ich habe lediglich festgestellt, dass es hinten und vorne nicht reicht, wenn sie es sind.Da nahezu überall nach Tarif gezahlt wird, stellt sich die Frage nach einem ungleichem Gehalt zwischen Männern und Frauen so nicht. Auch für Frauen gibt es fast nur Teilzeitstellen. Da muss sich was ändern.
Männer als Pädagogen CA – 24.07.10
Meiner Erfahrung nach nehmen Männer in der staatlichen Erziehung durchaus eine große Bedeutung ein. Allerdings selten in den KiTas, sondern eher im Bereich Jugend- oder Sozialbetreuung. Und nicht selten sind es interessierte Männer in Pädagogik-Studiengängen, die dann im Anschluss in die Erwachsenen-Pädagogik gehen... Im Management-Coaching verdient man sicherlich mehr, als die "Kollegin" aus der KiTa mit Halbtagsstelle...Die Kleinkind-Betreuung fällt dann fast eher unter Spielerei ab...
Und da muss man gegensteuern...
@Klaus Ledeburger – 24.07.10
Komisch, dass Frauen mit solch einem Lohn auskommen "dürfen". Wo bleibt da "Gleichberechtigung", die gerade in diesem Ressort eingefordert wird.Hat eine Frau nicht einen gleichen Geldanspruch auf gleiche Leistung? (Fußballspielen wird wohl kaum höhere Vergütung rechtfertigen - sorry, ich vergaß unsere Profis)
Das Argument, dass ein Mann Familienversorger sein müsse, weckt in mir nur ein müdes Lächeln.
Klaus DuDu – 24.07.10
Klaus, ich gebe Dir recht. Gute, sichtbare Väter-also Männer, die ihren Platz zunächst in der eigenen Familie((dazu sollten sie u.a. regelmäßig präsent und vertrauenswürdig sein, für Frau und kids)und dann an Schaltstellen der Gesellschaft einnehmen, sind mehr wert als alle Karriereleitern und materieller Schnickschnack.Gleichzeitig wäre so ein gesunder Zustand vorbeugend für spätere soziale Übel( wie Süchte, kriminelle Laufbahn, Depression, Verwahrlosung etc.) bei den Kindern, die OHNE weitgehend gute Väter aufwachsen müssen.
DuDu
Dudu JS – 24.07.10
[… Beleidigung von der HAZ.de-Redaktion gelöscht. Bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen unter: www.haz.de/nutzungsbedingungen …]Bezahlung Klaus – 24.07.10
Es ist nicht nur die ohnehin geringe Bezahlung für Vollzeit beschäftigte Erzieher, die viele Männer von dem Beruf abhält, hinzu kommt, dass fast immer Teilzeitbeschäftigungen von maximal drei Viertel - eher die Hälfte - angeboten werden. Davon kann man als Familienvater nicht leben und nicht sterben. Außerdem werden junge Männer von ihren Kumpels oftmals nur belächelt. Dabei leisten sie eine der wichtigsten Aufgaben in unserer Gesellschaft. Auch hier muss sich dringend ein Wandel in der Akzeptanz vollziehen.Männer in die Kitas Henning H. – 24.07.10
Ich findes es auch grundsätzlich eine gute Idee das mehr Männer in den Kitas eigesetzt werden sollen, so bekommen auch Kinder von alleinerziehenden Müttern in den jungen Jahren eine männliche Bezugsperson. Aber warum da aufhören ich persönlich fände es schön mehr Homosexuelle dort zu sehn, aber davon kannn man wohl nur träumen,... dafür ist Deutschland wohl noch nicht "aufgeklärt" genug, schade.Männer Leser – 24.07.10
Der Leser wehrt sich gegen die Annahme, dass Männer unter dem Generalverdacht des Kindesmissbrauches stehen. Natürlich müssen alle Mitarbeiter in Kitas entsprechend geprüft werden, aber wenn man sich als Mann da besonders ausgesondert fühlt, wird das nie was mit der Männerquote!!Mißbrauch, durch psychologische Gutachten zu verhindern? bine – 24.07.10
ich denke da an so einige psychologischen Gutachten bei welchen für Schwerverbrecher eine künftige Gefährdung ausgeschlossen wurde und was war dann......und wie schließen wir eine Gefährdung in den Familien aus, gut das die Routineuntersuchungen von Kleinkindern gibt, aber was ist dann, die Jugendämter werden (meist) erst tätig wenn das "Kind im Brunnen" liegt, da muss mehr kommen!
Guter Ansatz DuDu – 23.07.10
Prinzipiell ist die Idee sehr gut und seit langem überfällig. Die männlichen Kandidaten sollten allerdings von allen Seiten beleuchtet werden, um sicherzugehen, dass sich keine Kinderschänder einnisten, denn bekanntlich suchen ja diese auf "ungezwungene Art" Kontakt zu den arglosen Kleinen, manchmal auch über deren Eltern.DuDu