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Aus der Stadt Herrn Hibbes neuer Laden
Hannover Aus der Stadt Herrn Hibbes neuer Laden
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00:20 09.08.2015
Neustart: Nicola Barke und Klaus Hibbe führen das Sozialkaufhaus Fairkauf jetzt mit vereinten Kräften. Vor gut einem Jahr versuchte Hibbe noch, sein Kaufhaus in Neustadt durch Verkleinerung und Rabattaktionen zu retten. Quelle: (Foto: Katrin Kutter)
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Hannover

Wenn Klaus Hibbe morgens um halb acht seinen Arbeitstag beginnt, geht er als Erstes durch das Kaufhaus. Das hat der frühere Warenhausinhaber schon in Neustadt so gehalten, bis er vor rund einem Jahr das familieneigene Geschäft schließen musste. „Ich will ein Gefühl dafür bekommen, was wir neu im Angebot haben“, erzählt der Verkaufsprofi. Nur heute entdeckt Hibbe in den Regalreihen keine fabrikneue Ware mehr, denn seit 1. Juli leitet er als einer von zwei hauptberuflichen Geschäftsführern das Secondhand-Kaufhaus Fairkauf.

Der Rundgang durch die Kaufhaus-Etagen führt bei Hibbe denn auch zu einem Déjà-vu-Effekt. „Ich erkenne Waren wieder wie ein Porzellanservice, das schon lange nicht mehr produziert wird, Uhren, Kultobjekte aus den Siebzigerjahren.“ Gebracht haben diese Dinge Hannoveraner, die sie nicht mehr brauchten - jedenfalls nicht mehr so dringend. Hunderte fahren Monat für Monat an einer der vier Filialen in der Region oder an einem Lager vor, klappen die Kofferraumklappe auf und holen Gebrauchtes und Bewährtes heraus, damit es günstig an Bedürftige weitergegeben werden kann.

Der Kaufmann Hibbe folgt auf den rührigen Reinhold Fahlbusch, der zehn Jahre lang ehrenamtlich der Genossenschaft als Vorstandsvorsitzender ein Gesicht gegeben hat.

Zu Fairkauf kam Hibbe ganz klassisch - über eine Stellenanzeige. „Ich habe gedacht, das ist genau das Richtige. Hier kann ich kreativ weiterarbeiten.“ Gesellschaftlich engagiert ist Hibbe seit Langem: als ehrenamtlicher Richter und als Kommunalpolitiker im Neustädter Rat. Die Insolvenz seines Kaufhauses versuchte der 47-Jährige für alle Betroffenen so gut wie möglich abzufedern. Mitarbeiter und Lieferanten sollten ihr Geld sehen. „Mir war wichtig, dass ich am nächsten Tag noch durch die Stadt laufen kann.“ Den Angestellten half er bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. Viele waren lange bei Hibbe beschäftigt - weil das Betriebsklima in dem Familienunternehmen stimmte.

Das Kaufhaus ging auf einen Malerladen zurück, den Hibbes Großvater 1899 eröffnete. Sein Vater baute in den Siebzigerjahren das Warenhaus auf, das Hibbe 1996 übernahm. Mit der Abwicklung war er bis zum Frühjahr beschäftigt. Ein schmerzhafter Einschnitt. Nun kehrt der Kaufmann zurück: 50 Meter von Fairkauf entfernt hat Klaus Hibbe vor fast 30 Jahren im Karstadt-Sporthaus als Auszubildender angefangen.

Fairkauf stellt sich neu auf

Mit dem Wechsel in der Geschäftsführung stellt sich Fairkauf neu auf: Zum ersten Mal gibt es zwei hauptberufliche Geschäftsführer. Die Betriebswirtin Nicola Barke hat diese Funktion bereits seit der Gründung des Sozialkaufhauses inne. In Zukunft wollen beide Fairkauf in der Öffentlichkeit vertreten sowie das Geschäft führen. „Fairkauf ist seit 2007 sehr gewachsen, wesentlich stärker, als bei der Gründung gedacht“, sagt Hibbe. Mehrere Filialen und ein großes Lager gehören neben dem Haupthaus zu dem sozialen Unternehmen. Aktuell arbeiten gut 240 Menschen in dem Betrieb - in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, Qualifizierung, Ehrenamt, Umschulung oder Praktikum.

Hauptzweck bleibt Integration Langzeitarbeitsloser

„Dieses Kaufhaus ist ein Trainingsgerät, um Menschen in den Arbeitsmarkt zurückzuführen. Es gibt ihnen Aufgabe und Struktur.“ Am Hauptzweck des Sozialkaufhauses, der Integration Langzeitarbeitsloser, soll sich nichts ändern, betont der Aufsichtsratsvorsitzende Carl-Alexander Schiedat. „Und dafür brauchen wir die Unterstützung der Bürger, die uns gut erhaltene Waren spenden“, sagt Barke.

Aktuell läuft ein Projekt mit dem Jobcenter, in dem Langzeitarbeitslose sich mindestens ein Jahr lang bei Fairkauf qualifizieren. „Kurzfristige Einsätze helfen Menschen, die schon sehr lange arbeitslos sind, nicht weiter“, berichtet die 49-Jährige. Angedacht sind neuerdings auch Projekte mit ehemaligen Obdachlosen.

Die Kunden bei Fairkauf seien zu 60 Prozent auf preiswerte Angebote angewiesen, die restlichen suchten das besondere Fundstück, das auch mal eine Rosenthal-Vase für 90 statt 400 Euro Originalpreis sein kann, berichtet der neue Geschäftsführer. „Und wenn es gut läuft, kommen beide Gruppen an der Kasse miteinander ins Gespräch.“

Shoppen und spenden

Hannover: Das soziale Kaufhaus Fairkauf liegt in der hannoverschen Fußgängerzone in der Limburgstraße 1 (Ecke Osterstraße/Kleine Packhofstraße). Das Geschäft bietet auf vier Etagen und rund tausend Quadratmetern Verkaufsfläche gebrauchte Haushaltswaren, Kleidung, Möbel, Spielsachen, Bücher, Musik, Filme. Geöffnet ist Montag bis Sonnabend von 10 bis 18 Uhr.

 Laatzen: Die Fairkauf-Filiale in Laatzen gehört zum Turm-Center an der Hildesheimer Straße 47. Bis auf Möbel entspricht das Sortiment auf 400 Quadratmetern dem Angebot in der Zentrale. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 9.30 bis 19 Uhr, Sonnabend bis 18 Uhr.

 Langenhagen: Die Filiale liegt im alten Teil des City-Center Langenhagen. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 9.30 bis 19 Uhr, Sonnabend bis 18 Uhr. Das Angebot ähnelt dem der Zentrale.

 Linden: Den Ableger in der Deisterstraße 77 betreibt Fairkauf gemeinsam mit der Caritas, die dort auch Sozialberatung bietet. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 14 Uhr sowie 14.45 bis 18 Uhr.

 Kleinere Spenden: Warenspenden nehmen die Fairkauf-Mitarbeiter an allen Standorten entgegen.

Lager: Fairkauf nimmt an seinem großen Lager in der Mogelkenstraße 34 in Hannover-Hainholz Möbel und andere gut erhaltene Gegenstände an. Die Mitarbeiter holen Möbel auch ab und liefern sie aus. Terminvereinbarungen sind unter Telefon (05 11) 3 57 65 90 möglich. Die Spendenannahme ist Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr und sonnabends von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Auch für Kunden ist das Lager interessant: Dort gibt es unter anderem Großelektro-, Küchen- sowie Gartengeräte.

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