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Kleefelder Hängehaus ist bald Geschichte

Abriss Kleefelder Hängehaus ist bald Geschichte

Zu teuer: Die Mecklenburgische Versicherung reißt ihren Vorzeigebau von 1986 ab. Der Neubau kommt in Backsteinarchitektur. Architekten sehen den Abriss „mit Kopfschütteln“ – denn das Hängehaus ist ein Vorzeigebeispiel für intelligente Architektur.

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Wird von unten nach oben abgerissen: Das Hängehaus an der Karl-Wiechert-Allee. An seiner Stelle entsteht der Neubau aus Backstein und Glas des Architekten Kaspar Kraemer.

Quelle: Meding

Hannover. Dass ein Gebäude von unten nach oben abgerissen wird, ist eher ungewöhnlich. Aber ungewöhnlich ist ja auch die Gesamtkonstruktion des prominenten Hängehauses an der Karl-Wiechert-Allee – und wenn man oben mit dem Abriss anfangen würde, fiele wohl alles in sich zusammen. Deshalb also von unten: Das Erdgeschoss, das auf dem Fundament stand, ist schon fast weg; die riesigen Stahlpylone sind dank präziser Schweißarbeit noch einmal verstärkt worden, jetzt geht es dem Gebäude Etage für Etage an die Substanz. Die Mecklenburgische Versicherung, seit 1797 älteste überregionale private Versicherung in Deutschland, lässt sich an der Einmündung der Berckhusenstraße in die Karl-Wiechert-Allee einen Neubau erstellen. 16 Millionen Euro soll er kosten, im Frühjahr 2016 fertig sein und, das kann man jetzt schon sagen: Ein Hingucker wie das Hängehaus wird er nicht.

Sollte er aber auch nicht. „Die Mecklenburgische ist eine bodenständige Versicherung“, sagte der Vorstandsvorsitzende Thomas Flemming am Mittwoch bei der Präsentation der Neubaupläne. Der Hauptsitz liegt auf dem Nachbargrundstück, 1984 in zurückhaltender Backsteinarchitektur vom hannoverschen Architekturbüro BKSP errichtet, nachdem die Versicherung ihr Gebäude am Aegi (heute: Sparkasse) verlassen hat. In Kleefeld wurde auf dem Nachbargrundstück später das spektakuläre Hängehaus der Architekten Schuwirth & Erman (Hannover) hinzugekauft, als die Mecklenburgische Platz brauchte.

Die Entscheidung zum Abriss sei nicht leicht gefallen, bekannte Flemming am Mittwoch in einer „Verbeugung vor der Architektur und den damit verbundenen Werten“ – doch sprächen rein wirtschaftliche Gründe gegen den Erhalt. Erst vor einigen Jahren war eine Millionensumme in die Sanierung der Pylone investiert worden, jetzt stünden offenbar erneut hohe Kosten an. „Stahl und Glas waren in den achtziger Jahren modern, aber das Gebäude hat quasi keine Dämmung, und der Brandschutz macht uns zu schaffen“, sagt Flemming.

Der Abriss des Gebäudes ist wegen der hohen Stahlpreise komplett kostenneutral. Für den Neubau auf dem Grundstück des Hängehauses hatte es auf Anregung von Stadtbaurat Uwe Bodemann einen Architektenwettbewerb gegeben, bei dem hannoversche Büros wie BKSP, ASP oder Martienssen es nicht auf den ersten Platz schafften. Stattdessen setzte sich am Ende des Büro Kaspar Kraemer (Köln) knapp durch gegen Kleihues (Berlin, baut das Kröpcke-Center).

Der prämierte Entwurf sieht eine klar gegliederte Backstein-Glas-Fassade mit hellem Staffelgeschoss und Innenhof vor und lehnt sich daher architektonisch an den Zentralbau der Mecklenburgischen an.

Kaspar Kraemer hatte in Hannover vor Jahren mit einem historisierenden Entwurf für die Ernst-August-Galerie von sich Reden gemacht und war Favorit für den Neubau der Rentenversicherung in Laatzen, bevor dann überraschend doch der Braunschweiger Prof. Hans Struhk den Zuschlag erhielt. Um so mehr sei er erfreut über den ersten Auftrag in Hannover, sagte Kraemer am Mittwoch gut gelaunt. Mit der Stadt habe er eine starke Verbindung: Hier hat sein Vater vor 60 Jahren das Landesfunkhaus für den Norddeutschen Rundfunk entworfen und gebaut.

Architekten sehen Abriss „mit Kopfschütteln“

Das dem Abriss preisgegebene Hängehaus ist nicht nur eine „Landmarke“, wie Stadtbaurat Uwe Bodemann am Mittwoch sagte. Es dient auch in zahlreichen internationalen Fach- und Lehrbüchern für Architekturstudenten als Beispiel für besonders intelligente Lösungen. Durch seine Konstruktion der außen aufgehängten Geschosse ermöglicht das für die Investmentsparte der Nord/LB (daher „Norcon-Haus“) errichtete Gebäude auf jeder Etage einen 800 Quadratmeter großen Raum komplett ohne Stützen. Solche Konstruktionen haben meist Probleme mit dem Brandschutz, weil bei einem Feuer die Stahlkonstruktion nachgeben kann. Das hannoversche Architekturbüro Schuwirth & Erman löste das Problem damals, indem man durch alle Rohre im Haupttragwerk Kühlflüssigkeit zirkulieren ließ. Dadurch konnte man den Stahlbau komplett unverkleidet zeigen. Das Gebäude sei als herausragendes Beispiel des Baustils einer neuen Maschinenästhetik „weit über die Grenzen Deutschlands hinaus, insbesondere im asiatischen Raum“, als Schrittmacher der Architektur angesehen gewesen, schreiben die Architekten an die Mecklenburgische Versicherung. Den jetzt beschlossenen Abriss sehe man „mit Befremden und Kopfschütteln“.

Der Brief der Architekten an die Mecklenburgische Versicherung zum Download:

Brief Seite 1 1,89 MB
Brief Seite 2 1,13 MB
Brief Seite 3 1,07 MB
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