Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Kleingärtner aus Hannover sind sauer auf ihren Chef

Schrebergartenkolonie in Bischofshol Kleingärtner aus Hannover sind sauer auf ihren Chef

Der Verkauf des Geländes einer Schrebergartenkolonie in Bischofshol an ein hannoversches Immobilienunternehmen bringt den Bezirksverband der Kleingärtner unter Druck. Unter den Mitgliedern der Kolonie regt sich Unmut darüber, wie widerstandslos der Verband hinnimmt, dass die Pächter ihre Lauben räumen sollen.

Voriger Artikel
Stadt bietet schwerbehindertem Christopher Ausbildung auf Probe
Nächster Artikel
Polizei beschlagnahmt zehn Kilogramm Marihuana in Hannover

Wollen sich nicht vertreiben lassen: Die Proteste von Jürgen Diercks, Elke Seeler und Dorothea Schmidt (von links) stoßen dem Kleingärtnerverband allerdings sauer auf.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Und auch bei der Stadt ist man erstaunt, wie wenig dem Verbandsvorsitzenden Karl-Heinz Rädecker an einem Erhalt der Gartenkolonie zu liegen scheint. „Er hat geradezu darum gebettelt, dass aus den Kleingärten Bauland wird“, sagt ein städtischer Mitarbeiter.

Im vergangenen Jahr hat die Fleischerinnung Hannover das 45.000 Quadratmeter große Gelände an das Unternehmen Voigts und Waag verkauft. Mit dem Besitzerwechsel wurden auch die Pachtverträge mit den Kleingärtnern gekündigt. Die erwarteten, dass ihr Bezirksverband sich für den Erhalt der Kolonie starkmachen würde. „Stattdessen setzt man uns unter Druck, unsere Gärten aufzugeben“, sagt Pächterin Dorothea Schmidt. Bei einer Sitzung des Verbandes hätten sich viele Pächter „überfallen“ gefühlt.

Die Kleingärtner in Bischofshol merken auch deshalb auf, weil gleich nebenan in den vergangenen Jahren zwei Kolonien in Bauland umgewidmet worden sind. Eine musste der Neuansiedlung des Pharmariesen Boehringer, eine andere dem Neubaugebiet Lange-Feld-Straße weichen. „Der Verband hat damals für uns viel rausgeholt“, sagt einer der von Boehringer entschädigten Kleingärtner. 5000 Euro zahlte das Unternehmen für jeden der 39 Gärten über den Schätzwert hinaus – allerdings fielen je 2500 Euro davon an den Bezirksverband ab, wie Rädecker bestätigt.

Im Bischofsholer Fall bleibt allerdings unklar, was die Käufer mit dem Erwerb des Geländes bezwecken. Laut Unternehmer Andreas Waag erhofft man sich langfristig durchaus, auf dem Gelände eine Gewerbeansiedlung vornehmen zu können. Dazu allerdings müsste die Stadt aus dem Gartenland Bauland machen – womit es schlagartig ein Vielfaches wert wäre. Dem aber schiebt Hannovers Wirtschafts- und Umweltdezernent Hans Mönninghoff einen Riegel vor: „An dieser Stelle ist ganz ausdrücklich aus stadtplanerischen Gesichtspunkten kein Bauland vorgesehen“, sagt der und schlägt dem neuen Besitzer als Nutzung „Aufforstung oder Schafzucht“ vor.

In einem Brief warfen die betroffenen Kleingärtner Elke Seeler und Jürgen Diercks Verbandschef Rädecker nun vor, sich „mehr um die Interessen von Grundstücksspekulanten als die der Kleingärtner“ zu sorgen. In seiner Antwort wies der Verband darauf hin, „dass wir nicht der Ansicht sind, dass sich ein derartiges Verhalten unter Gartenfreunden ziemt“.

Rädecker macht geltend, in einem eventuellen Rechtsstreit mit dem neuen Eigentümer bestünde keine Erfolgsmöglichkeit für den Verband. Zur Begründung verweist er auf den hohen Leerstand in Bischofshol und die Tatsache, dass der ursprüngliche Pachtvertrag vor einigen Jahren abgelaufen war. „Deshalb versuchen wir, möglichst hohe Abfindungen für die Pächter herauszuholen.“ Tatsächlich sind manche Pächter froh, dass sie für ihren Garten noch Geld bekommen sollen. Andere aber akzeptieren die angeblichen Motive nicht – etwa, weil ein Pachtvertrag für einen Schrebergarten laut Bundeskleingartengesetz nicht ablaufen könne.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Kolonie Bischofshol
Sehen der Entwicklung gelassen entgegen: Helga, Monika, Horst und Rolf Werner (von links) sind seit Jahrzehnten Laubenbesitzer.

Unternehmer Andreas Waag beruhigt: „Wir werden im Einvernehmen mit den Kleingärtnern handeln – keinesfalls sollen sie gegen ihren Willen für Bauland von ihren Parzellen vertrieben werden.“ Gemeinsam mit seinem Partner Thorsten Voigts hat er die 45.000 Quadratmeter großen Flächen des Kleingärtnervereins Bischofshol am Kirchröder Eilenriederand gekauft und würde sie langfristig gerne zu Bauland machen.

mehr
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Anfang Juli heiratete Ernst August Erbprinz von Hannover Ekaterina Malysheva. Auf unserer Themenseite finden Sie Bilder, Videos und Berichte zur Promi-Hochzeit des Jahres in Hannover.

Schüsse lösen sich aus Maschinenpistolen der Polizei

Zwei Mal haben sich in dieser Woche Schüsse aus Maschinenpistolen von Polizisten gelöst, die auf den Weihnachtsmärkten für Sicherheit sorgen sollen. Verletzt wurde niemand.