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Aus der Stadt Kleingärtner aus Hannover sind sauer auf ihren Chef
Hannover Aus der Stadt Kleingärtner aus Hannover sind sauer auf ihren Chef
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21:40 15.07.2011
Von Felix Harbart
Wollen sich nicht vertreiben lassen: Die Proteste von Jürgen Diercks, Elke Seeler und Dorothea Schmidt (von links) stoßen dem Kleingärtnerverband allerdings sauer auf. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Und auch bei der Stadt ist man erstaunt, wie wenig dem Verbandsvorsitzenden Karl-Heinz Rädecker an einem Erhalt der Gartenkolonie zu liegen scheint. „Er hat geradezu darum gebettelt, dass aus den Kleingärten Bauland wird“, sagt ein städtischer Mitarbeiter.

Im vergangenen Jahr hat die Fleischerinnung Hannover das 45.000 Quadratmeter große Gelände an das Unternehmen Voigts und Waag verkauft. Mit dem Besitzerwechsel wurden auch die Pachtverträge mit den Kleingärtnern gekündigt. Die erwarteten, dass ihr Bezirksverband sich für den Erhalt der Kolonie starkmachen würde. „Stattdessen setzt man uns unter Druck, unsere Gärten aufzugeben“, sagt Pächterin Dorothea Schmidt. Bei einer Sitzung des Verbandes hätten sich viele Pächter „überfallen“ gefühlt.

Die Kleingärtner in Bischofshol merken auch deshalb auf, weil gleich nebenan in den vergangenen Jahren zwei Kolonien in Bauland umgewidmet worden sind. Eine musste der Neuansiedlung des Pharmariesen Boehringer, eine andere dem Neubaugebiet Lange-Feld-Straße weichen. „Der Verband hat damals für uns viel rausgeholt“, sagt einer der von Boehringer entschädigten Kleingärtner. 5000 Euro zahlte das Unternehmen für jeden der 39 Gärten über den Schätzwert hinaus – allerdings fielen je 2500 Euro davon an den Bezirksverband ab, wie Rädecker bestätigt.

Im Bischofsholer Fall bleibt allerdings unklar, was die Käufer mit dem Erwerb des Geländes bezwecken. Laut Unternehmer Andreas Waag erhofft man sich langfristig durchaus, auf dem Gelände eine Gewerbeansiedlung vornehmen zu können. Dazu allerdings müsste die Stadt aus dem Gartenland Bauland machen – womit es schlagartig ein Vielfaches wert wäre. Dem aber schiebt Hannovers Wirtschafts- und Umweltdezernent Hans Mönninghoff einen Riegel vor: „An dieser Stelle ist ganz ausdrücklich aus stadtplanerischen Gesichtspunkten kein Bauland vorgesehen“, sagt der und schlägt dem neuen Besitzer als Nutzung „Aufforstung oder Schafzucht“ vor.

In einem Brief warfen die betroffenen Kleingärtner Elke Seeler und Jürgen Diercks Verbandschef Rädecker nun vor, sich „mehr um die Interessen von Grundstücksspekulanten als die der Kleingärtner“ zu sorgen. In seiner Antwort wies der Verband darauf hin, „dass wir nicht der Ansicht sind, dass sich ein derartiges Verhalten unter Gartenfreunden ziemt“.

Rädecker macht geltend, in einem eventuellen Rechtsstreit mit dem neuen Eigentümer bestünde keine Erfolgsmöglichkeit für den Verband. Zur Begründung verweist er auf den hohen Leerstand in Bischofshol und die Tatsache, dass der ursprüngliche Pachtvertrag vor einigen Jahren abgelaufen war. „Deshalb versuchen wir, möglichst hohe Abfindungen für die Pächter herauszuholen.“ Tatsächlich sind manche Pächter froh, dass sie für ihren Garten noch Geld bekommen sollen. Andere aber akzeptieren die angeblichen Motive nicht – etwa, weil ein Pachtvertrag für einen Schrebergarten laut Bundeskleingartengesetz nicht ablaufen könne.

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