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Aus der Stadt Hunderte Kleingärten müssen Wohnungen weichen
Hannover Aus der Stadt Hunderte Kleingärten müssen Wohnungen weichen
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00:15 22.04.2016
Von Andreas Schinkel
Der Streit um Hannovers Kleingärten ist geschlichtet. Für einige Laubenpieper bedeutet das aber: Aufgabe ihrer Parzelle und Umzug in andere Gärten.Thomas Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Kleingärtner und Stadt haben sich auf einen Kompromiss im jahrelangen Streit um Parzellen und Baugrund geeinigt. 813 Parzellen müssen die Kleingärtner aufgeben, um Platz zu machen für Wohnungsbau. Den betroffenen Kleingärtnern bietet die Stadt Ersatzparzellen nahe ihrer alten Kolonie an. „Hannover ist die Heimat des Kleingartenwesens“, sagte Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) am Dienstag bei der Vorstellung des Kleingartenkonzepts. Der Umbau der Kleingartenlandschaft solle keine unzumutbaren Härten mit sich bringen. Zufrieden mit dem Kompromiss zeigte sich auch der Bezirksverband der Kleingärtner. „Wir haben Einigkeit erzielt“, sagte Verbandspräsident Karl-Heinz Rädecker. Auf den frei werdenden Parzellen sollen bis zu 1000 Wohnungen entstehen, möglicherweise sogar mehr.

Die Zahl der Kleingärten soll nicht sinken

Schostok sichert zu, dass die Zahl von 20.000 Kleingärten in Hannover nicht reduziert werde. Dennoch sollen fast 450.000 Quadratmeter Gartenfläche in den kommenden zehn Jahren für den Wohnungsbau zur Verfügung stehen. Damit sich die Anzahl der Kleingärten unterm Strich nicht verringert, will die Stadt Kolonien verdichten. Das bedeutet, dass große Parzellen von manchmal 1200 Quadratmetern in mehrere kleine Gärten aufgeteilt werden. „Die durchschnittliche Größe der Kleingärten von 500 Quadratmetern ist eigentlich zu groß“, sagt Andreas Hildebrand, Rechtsexperte beim Bezirksverband. Insbesondere Singles hätten häufig nicht die Zeit, viel Fläche zu beackern, Familien nutzen Kleingärten heute häufig anders als früher.

Wird einem Kleingärtner der Pachtvertrag gekündigt, bietet ihm die Stadt eine Ersatzfläche an. „Wir richten den neuen Garten her. Dieser soll in unmittelbarer Nähe der alten Kolonie liegen“, sagt Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette (Grüne). Nicht für alle Kleingärtner ist das eine gute Lösung, viele hängen an ihrer Scholle. „Hier habe ich meine Kindheit verbracht“, sagt etwa Joachim Grunt aus der Kolonie Rosengrund in Kirchrode, die als erste umgesiedelt wird.

Stadt zahlt "Schmerzensgeld"

Die Stadt zahlt bei Umzügen zudem eine Art Schmerzensgeld von bis zu 2500 Euro. Darüber hinaus steht dem Kleingärtner eine Entschädigung für die Aufgabe seines gepachteten Flurstücks zu. Die Höhe richtet sich nach dem Pflegezustand des Gartens. Insgesamt 43 Millionen Euro hat die Stadt für ihr Kleingartenkonzept kalkuliert, aus den Grundstücksverkäufen wird sie aber auch Erlöse erzielen.

Der Zwist zwischen Stadt und Kleingärtnern brach vor drei Jahren aus. Der damals amtierende Erste Stadtrat Hans Mönninghoff (Grüne) hatte angekündigt, 1000 Kleingärten in Bauland zu verwandeln. Unter den Kleingärtnern gab es einen Aufschrei. Mönninghoffs Nachfolgerin Tegtmeyer-Dette setzte sich mit der Verbandsspitze an einen Tisch.

Wichtig für Hannover

Jetzt wird die Stadtspitze nicht müde zu betonen, wie wichtig Kleingärten für Hannover sind. „Sie haben eine große soziale und ökologische Bedeutung“, sagt Schostok. Tatsächlich klagen die Vereine längst nicht mehr über Leerstände in ihren Kolonien. „Es gibt sogar Wartelisten“, sagt Umweltdezernentin Tegtmeyer-Dette. Daher werde sich die Zahl der Parzellen langfristig erhöhen.
     

Lesen Sie hier: Diese Kolonien müssen dem Bauprojekt weichen.
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