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Aus der Stadt Kleingärtnerchef: „Man müsste uns ein Denkmal setzen“
Hannover Aus der Stadt Kleingärtnerchef: „Man müsste uns ein Denkmal setzen“
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11:11 22.07.2011
Von Felix Harbart
Karl-Heinz Rädecker ist seit 1976 Vorsitzender des Bezirksverbands der Kleingärtner in Hannover. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Der Verkauf einer Kleingartenkolonie in Bischofshol sorgt unter Hannovers Laubenpiepern für Diskussionen. Die Fleischerinnung Hannover hatte sie an ein Immobilienunternehmen veräußert. Nun fühlen sich einige der betroffenen Schrebergärtner von ihrem mächtigen Bezirksverband hintergangen und zur Aufgabe ihrer Gärten gedrängt. Ohne Not gebe Verbandschef Karl-Heinz Rädecker in der Auseinandersetzung mit den neuen Eigentümern klein bei, anstatt um den Fortbestand ihrer Gärten zu kämpfen. Schlimmer noch: Sie würden geradezu zur Aufgabe ihrer Parzellen gedrängt, sagen sie – und wittern Kungelei. Bei der Stadt Hannover wiederum fragt man sich, was die Immobilienprofis mit den 45.000 Quadratmetern in Bischofshol anfangen wollen. Die Unternehmer sagen, sie würden langfristig gerne Gewerbe dort ansiedeln – Wirtschafts- und Umweltdezernent Hans Mönninghoff betont jedoch, es sei aus stadtplanerischen Gründen nicht vorgesehen, aus dem Areal Bauland zu machen. Wie aber passt das alles zusammen? Fragen an Kleingärtnerchef Karl-Heinz Rädecker, der in den vergangenen Tagen viel Kritik hat einstecken müssen.

Herr Rädecker, aus der Kleingartenkolonie Bischofshol kam zuletzt Kritik an Ihnen auf, weil Sie den Mitgliedern empfohlen haben, ihre Gärten zu räumen. Sie interessierten sich mehr für die Interessen von Grundstücksspekulanten als die Ihrer Mitglieder, sagen die Kritiker. Warum haben Sie den Pächtern geraten, ihre Gärten lieber aufzugeben?

Das Problem, das wir in Bischofshol haben, ist, dass die Kolonie jahrelang schlecht geführt worden ist. Von gut 60 Gärten stehen knapp 20 leer und verwildern. Als das Immobilienunternehmen Voigts und Waag das Gelände gekauft hat, waren sie vorher so schlau, das Gelände begutachten zu lassen. Und jetzt können sie argumentieren, dass das Areal nicht kleingärtnerisch genutzt wird. Aus diesem Grund hätten wir zwar einen langen Rechtsstreit anfangen können, aber keine Chance auf Erfolg gehabt. Deshalb haben wir den Leuten geraten, lieber jetzt eine Entschädigung anzunehmen, als ihre Gärten später räumen und dann auch noch draufzahlen zu müssen.

Bei der Stadt soll man erstaunt darüber gewesen sein, dass der Verband sich dieses Mal so wenig kämpferisch zeigt. Sonst kämpften Sie schließlich um jeden Grashalm.

Dieses Mal liegt der Fall einfach anders. Wäre die Kolonie in der Vergangenheit ordentlich geführt worden, hätten wir das rechtliche Problem jetzt nicht. So aber haben wir es nach Rücksprache mit unserem Juristen für am besten gehalten, die Pächter, die weiter einen Garten haben wollen, in den Nachbarkolonien unterzubringen und die Kolonie Bischofshol eben zu räumen. Andere Pächter sind schon älter und froh, auf diese Weise ihren Garten ohne größere Kosten aufgeben zu können. Ich habe bestimmt bei der Stadt nicht um Bauland gebettelt.

Jetzt haben wir hier eine Immobiliengesellschaft, die für mehr als eine Million Euro ein Kleingartengelände gekauft hat, auf dem sie nie und nimmer bauen darf, wie die Stadt sagt. Und wenig später schlägt der Bezirksverband seinen Pächtern vor, die Parzellen doch lieber zu räumen als lange darum zu kämpfen. Können Sie nachvollziehen, dass das für manchen komisch aussieht?

Ja, das mag schon sein. Wir selbst wissen auch nicht, was der neue Eigentümer mit dem Gelände anfangen will. Uns ist gesagt worden, man habe keine Eile mit der Sache, und wenn es ein paar Jahre dauert, bis das Land zu Bauland wird, sei das nicht so schlimm. Für uns ist aber entscheidend, dass wir rechtlich in der Klemme saßen, weil der Zustand der Kolonie so schlecht ist. Da haben wir den Leuten zu dem Schritt geraten, den wir als einzigen für sinnvoll halten.

Für Skepsis sorgt auch, dass der Verband bei der Aufgabe des Boehringer-Geländes die Hälfte der Entschädigung für jede Parzelle abbekommen hat.

Damals haben wir vom Verkauf des Geländes an Boehringer erst erfahren, als das Geschäft schon gelaufen war. Es gab einen rechtlichen Kündigungsgrund für die Gärten wegen des öffentlichen Interesses. Auch da hätten wir in einem Prozess gegen Boehringer keine Chance gehabt. Wir haben denen aber gesagt, dass wir uns querstellen werden, und das hätte Boehringer viel Zeit gekostet. Also haben wir pro Garten 2500 Euro für den Pächter und 2500 für den Verband ausgehandelt, weil auch uns durch die Aufgabe der Gärten Geld verloren geht, etwa durch die Pacht.

Was haben Sie mit dem Geld gemacht?

Wir haben das Geld von Boehringer in unseren Lehr- und Schulungsgarten in der List angelegt. Da kommen Schulklassen hin und lassen sich den Garten erklären. Dafür müsste man uns eigentlich ein Denkmal setzen.

Hand aufs Herz, in ein paar Jahren wird in Bischofshol gebaut, oder?

Ich habe in dieser Stadt in den letzten paar Jahrzehnten so viel erlebt. Das Gelände in Bischofshol liegt zentral, mit Straßenbahnanbindung. Es würde mich wundern, wenn die Stadt das nicht mal irgendwann zu Bauland erklärt.

Im Moment sagt die Stadt, das komme gar nicht infrage.

Ja, im Moment. Aber mal sehen, was wird, wenn die Wahl vorbei ist.

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