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Klinik operiert ein Knie zu viel

Schmerzensgeld gefordert Klinik operiert ein Knie zu viel

Eine 65-jährige Frau aus der Region erhebt schwere Vorwürfe gegen das Klinikum Region Hannover (KRH): Ärzte des Krankenhauses in Lehrte sollen ihr 2014 ein Knie zu viel operiert haben – auch das rechte, obwohl nur das linke ernsthaft geschädigt war. Das Klinikum verteidigt die Doppel-OP.

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Patientin aus Lehrte fordert 50 000 Euro Schmerzensgeld.

Quelle: Kai Knoche (Archiv)

Hannover. Zu allem Überfluss sei bei der Behandlung des Schienbeinkopfbruchs auch noch gepfuscht worden, sodass in den folgenden knapp zwei Jahren drei weitere Operationen sowie Dutzende von Arzt- und Physiotherapieterminen anfielen.

Vor gut drei Monaten wurde Bärbel L., die mit einem Landwirt verheiratet ist, ein künstliches Kniegelenk eingesetzt. Doch immer noch plagen die gelernte Hauswirtschafterin und Diätköchin Beschwerden im rechten Bein.

Mithilfe von Karsten Heidemann, Fachanwalt für Medizinrecht, hat die Frau mit der langen Leidensgeschichte inzwischen Klage beim Landgericht Hannover eingereicht. Sie fordert vom Klinikum 50.000 Euro Schmerzensgeld sowie die Erstattung von - derzeit - 18 200 Euro für Haushaltsführungsschäden und andere Kosten. Das KRH hatte der Patientin 500 Euro angeboten, bestreitet aber, dass grobe Behandlungsfehler begangen wurden und bezeichnet die Folge-Komplikationen als „normal“.

Nach eigenem Bekunden kam Bärbel L. Ende März 2014 auf der Treppe zu ihrem Hauswirtschaftsraum ins Stolpern, prallte mit dem linken Knie auf die Kante einer Stufe. Dieses Gelenk schwoll an, verursachte ihr starke Schmerzen. Das rechte Knie wurde deutlich weniger in Mitleidenschaft gezogen; hier bildete sich zwar auch ein Bluterguss, der ihr aber keine Beschwerden bereitete. Die damals 63-Jährige suchte einen Unfallchirurgen auf, der eine Schienbeinkopffraktur vermutete - linksseitig. Ein Radiologe fertigte per Magnetresonanztomographie (MRT) eine Aufnahme - linksseitig. Der Unfallchirurg überwies die Frau ans Lehrter Klinikum. Dort wurde Bärbel L. im Beisein ihrer erwachsenen Tochter über die Operationsrisiken aufgeklärt und unterschrieb die entsprechenden Dokumente - für eine OP am linken Knie. Kurz vor dem Eingriff, sechs Tage nach dem Sturz, wurde ihr linkes Bein rasiert, es folgte die Narkose. Als L. wieder aufwachte, schrie sie vor Schreck auf: Operiert worden war - das rechte Knie. Zwei Stunden später ging es weiter; dieses Mal kam der Chefarzt persönlich vorbei und operierte die planmäßig vorgesehene linke Seite.

Während das linke Knie wunderbar heilte, traten am rechten massive Beschwerden auf. Schuld waren ein Überstand der eingesetzten Platte und ein Meniskusriss. Es folgten vier Wochen Reha in Bad Nenndorf (April / Mai 2014), drei Operationen im Friederikenstift (Juni 2014), das Einsetzen eines künstlichen Gelenks in Hildesheim (Oktober 2015), dazu 33 Besuche beim Orthopäden, knapp 50 Physiotherapietermine und 16-mal Akupunktur.

Das Lehrter Krankenhaus sagt, man habe nach Verabreichen der Narkose festgestellt, dass auch rechts eine Fraktur vorlag; im OP-Bericht wird aber seltsamerweise auf eine rechtsseitige MRT-Aufnahme Bezug genommen, die es gar nicht gibt. Es sei richtig, so das KRH, dass die Patientin nicht in eine Operation ihres rechten Knies eingewilligt habe. Dies hätte sie bei einer Befragung aber sicherlich getan, um sich einen späteren Zweiteingriff zu ersparen.

Anwalt Heidemann nennt diese Argumentation skandalös. Die Lehrter Ärzte hätten einfach „drauflos operiert“; jetzt würden sie noch nicht einmal zu ihrem Fehler stehen, die Knie vertauscht zu haben. Dass zwischen den zwei Eingriffen ein zweiter steriler Instrumentensatz aus der MHH beschafft werden musste, sei ein weiterer Hinweis, dass man gar nicht auf eine weitere OP vorbereitet war. „Wir werfen dem Klinikum grobe Behandlungsfehler und eine Verletzung der Aufklärungspflicht über die Operationsrisiken vor“, so der Medizinrechtler. Niemals hätte seine Mandantin einer Operation des rechten Knies zugestimmt. Bärbel L. spricht von „zwei verlorenen Jahren“ und beklagt, dass sie aufgrund des überflüssigen Eingriffs nur noch sehr eingeschränkt arbeiten, spazieren gehen oder ihren Garten pflegen kann: „Ich bin nervlich am Ende.“

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