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Aus der Stadt Kliniken verteilen Patientenpass nach Herzinfarkt
Hannover Aus der Stadt Kliniken verteilen Patientenpass nach Herzinfarkt
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00:15 01.10.2016
Von Bärbel Hilbig
Nach einem Herzinfarkt bekommen Patienten in Hannover nun einen sogenannten Patientenpass. Quelle: dpa (Symbolbild)
Hannover

Besonders wichtig dabei ist ein Übersichtsplan. Der Hausarzt kann dort über Monate und Jahre die Entwicklung von Cholesterin, Blutzucker, Blutdruck, Erfolge beim Abnehmen, Einhalten des empfohlenen Sportprogramms und eventuellen Nikotinkonsum eintragen.

„Die meisten Patienten denken bei der Entlassung, sie seien geheilt. Doch was wir machen, ist nur Handwerk. Die eigentliche Therapie fängt erst danach an“, betont Heinz-Peter Remmlinger, Chefarzt am DRK-Krankenhaus Clementinenhaus. Da viele Betroffene ihren Lebensstil nicht ändern, bekommen 20 bis 25 Prozent der Patienten in den ersten drei Jahren nach dem ersten einen weiteren Infarkt, der durchaus tödlich verlaufen kann. „Die Stent-Technologie ist erheblich besser geworden und kaum noch zu steigern. Die Behandlung krankt an der Zeit danach“, urteilt Christian Zellerhoff, Klinikdirektor im Vinzenzkrankenhaus.

Mit dem Pass bekommen Patient und Hausarzt einen Überblick über die Krankheitsentwicklung. Markierungen in den Ampelfarben Rot, Gelb, Grün zeigen deutlich, wie die gemessenen Werte zu beurteilen sind. „Dem Patienten wird vor Augen geführt, ob er die gesetzten Ziele erreicht“, erläutert Professor Andreas Schäfer von der Kardiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Linda Mull, leitende Oberärztin beim ambulanten Gesundheitszentrum Median, hat den Patientenpass angeregt. „Wir hatten in der Reha festgestellt, dass die Kliniken zum Teil ein unterschiedliches Vorgehen für die weitere Behandlung empfehlen.“ Das habe zu Unsicherheit bei Patienten und Hausärzten geführt. Die kardiologischen Kliniken in der Region Hannover haben ihre Empfehlungen für Therapie und Medikamente deshalb jetzt abgestimmt. „Klare Empfehlungen aufgrund der aktuellen wissenschaftlichen Datenlage helfen den Hausärzten“, glaubt Remmlinger.

Diese Kooperation in einem Herzinfarktnetzwerk sei bundesweit eine Besonderheit, schätzt Professor Andreas Franke, Chefarzt am Klinikum Region Hannover (KRH). Gemeinsam behandeln MHH, KRH, Henriettenstift, Clementinen- und Vinzenzkrankenhaus rund 3600 Herzinfarktpatienten pro Jahr. Die Zahlen dürften angesichts der alternden Bevölkerung steigen. „Inzwischen sind aber auch 40-Jährige und Jüngere unter den Patienten überhaupt nicht mehr ungewöhnlich“, sagt Schäfer. Ursachen sind früher einsetzende Fettleibigkeit, Diabetes und Rauchen.

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