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Herr Jagau, geht bald alles von vorn los?

Klinikums-Kompromiss Herr Jagau, geht bald alles von vorn los?

In Burgwedel soll eine neue Klinik entstehen, die in Lehrte erweitert werden. Doch wie stehen die Chancen, dass sich das Land auf den teuren Kompromiss einlässt? Regionspräsident Hauke Jagau stellt sich den Fragen der HAZ-Redaktion.

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Regionspräsident Hauke Jagau im Gespräch mit der HAZ.

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. Herr Jagau, in erstaunlicher Harmonie hat die Regionsversammlung die teuerste aller möglichen Lösungen fürs Klinikum beschlossen, indem in Burgwedel eine neue Klinik entstehen und die in Lehrte erweitert werden soll. Ist das jetzt gut oder schlecht?
Gut ist daran, dass es eine gemeinsame Ausrichtung der Regionsversammlung gibt. Gut ist außerdem das Bekenntnis zu zwei Standorten im Nordosten der Region, nämlich Burgwedel und Lehrte, wobei wir in Burgwedel einen Schwerpunktversorger einrichten und in Lehrte das Angebot spezialisieren. Die Schwierigkeit wird sein, das wirtschaftlich hinzubekommen. Dazu gibt es jetzt einen Prüfauftrag an die Geschäftsführung des Klinikums.

Kann es sein, dass mit diesem Prüfauftrag einfach der Deckel auf dem Thema gehalten werden soll, bis die Kommunalwahl im September vorüber ist?
Nein. Das könnte sich die Regionsversammlung gar nicht leisten. Dieser Beschluss ist ein Bekenntnis aller Parteien zum Klinikum und eine sehr gute Grundlage für alles, was jetzt folgen muss.

Es ist einfach, Harmonie herzustellen, wenn die Grundaussage ist: Alle bekommen alles.
Das sehe ich nicht so. Wir sprechen hier über einen Prüfauftrag. Die Geschäftsführung wird prüfen müssen, ob der Beschluss umsetzbar ist. Das ist anspruchsvoll, aber ich würde nicht sagen, dass es keine Chance gibt, das zu schaffen.

Die Geschäftsführung hatte sich zuvor klar positioniert: Sie wollte die Kliniken in Burgwedel und Lehrte schließen und eine neue auf der grünen Wiese bauen.
Beide Varianten, diese und die jetzt beschlossene, haben etwas für sich. Die Frage ist auch, was man den Menschen vermitteln kann. Es gibt erfahrungsgemäß wenig Verständnis für eine Veränderung, nach der die Patienten für eine bessere medizinische Versorgung längere Wege in Kauf nehmen müssten. Übrigens lässt sich das Krankenhaus in Lehrte von der Leistungsfähigkeit nicht mit dem in Springe vergleichen, das wir geschlossen haben. Springe war für sich genommen nicht mehr überlebensfähig. In Lehrte und Burgwedel ist das grundlegend anders, es handelt sich um zwei funktionierende Krankenhäuser.

Herr Prof. Moesta, der damals Interimsgeschäftsführer des Klinikums war, hat im November 2014 gesagt: „Wenn diese Strategie durchfällt, wird es keine weitere geben.“ Gilt das nicht mehr?
Die Strategie ist ja nicht durchgefallen. Sie umfasst insgesamt zehn Punkte. Man kann sie nicht auf die Entscheidung zur Versorgung des Nordostens reduzieren. Der Kern der Medizinstrategie 2020 ist die Spezialisierung der einzelnen Krankenhäuser. Vorher hatten wir elf Krankenhäuser unter einem Dach. Ziel ist ein Krankenhaus mit mehreren Standorten mit unterschiedlichen Schwerpunkten, sodass wir für jeden Patienten eine optimale Behandlung gewährleisten können. Wir wollen die Qualität der Gesundheitsversorgung insgesamt verbessern.

Gibt es diese Spezialisierungen nicht längst?
Doch, aber es gab auch noch viele parallele Angebote. Was wir jetzt vorhaben, ist noch einmal ein ganz andere Bündelung von Prozessen und Stärkung von Stärken.

Die damalige Geschäftsführung war auch der Meinung, in ihrer Planung nicht nur in finanzieller, sondern auch in medizinischer Hinsicht das Optimale herausgeholt zu haben.
Die Geschäftsführung hat aus ihrer Sicht ein Ideal erarbeitet. Es handelt sich aber um ein Klinikum in öffentlicher Hand, in dem viele Interessen eine Rolle spielen, unter anderem die der wohnortnahen Versorgung in den verschiedenen Städten.

Ohne Geld vom Land geht nichts. Ist das neue Konzept überhaupt förderfähig?
Das kann ich noch nicht sagen. Das weiß man erst, wenn das Konzept erarbeitet ist. Klar ist, dass das Klinikum nicht in der Lage sein wird, Investitionen selbst zu tragen. Was nicht vom Land gefördert wird, muss durch Mittel des Gesellschafters, also der Region Hannover, getragen werden.

Wenn das Land also die Förderung nicht gibt, ginge alles von vorn los.
Erst einmal glaube ich, dass ein zukunftsfähiges Konzept vorliegen wird. Alles andere ist doch jetzt Spökenkiekerei.

Das Land hat nach der Vorstellung der Medizinstrategie skizziert, wie die Förderkriterien für Kliniken sind, und dabei deutlich gemacht, dass man vor allem die Schließung von Kliniken oder Abteilungen honoriert.
Das gilt so absolut für den Krankenhaus-Strukturfonds, der aus Bundesmitteln finanziert wird, aber nicht für die Förderkulisse des Landes. Ich gehe außerdem davon aus, dass es Synergieeffekte und Strukturverbesserungen geben wird.

Um die Fördergelder konkurrieren viele Kliniken, und die Region hat erst vor Kurzem 90 Millionen Euro fürs Siloah bekommen.
Das stimmt. Aber wir zahlen in diesen Topf auch 16 Millionen Euro im Jahr ein. Und in der Region Hannover leben 1,1 Millionen Menschen - von insgesamt 8 Millionen landesweit. Außerdem reden wir hier von einem Projekt, das, wenn es gut läuft, in acht Jahren fertig wäre. Von daher wäre die Region durchaus wieder an der Reihe.

Jetzt sind also alle zufrieden und einig. Damit ist auch das schönste Wahlkampfthema der CDU vom Tisch. Haben Sie die Opposition jetzt richtig schön reingelegt?
Das gemeinsame Bekenntnis zum Klinikum und die Entscheidung, dass man die Standorte in Burgwedel und Lehrte erhalten will, ist ein Gewinn. Alles andere spielt für mich keine Rolle.

Interview: Mathias Klein, Hendrik Brandt, Felix Harbart

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